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Wahl zum „Menschen des Jahres 2015“ : Helfen mit Eiderstedter Spezialitäten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit 1975 verwandeln die Landfrauen den Gardinger Marktplatz mit ihrem Spezialitätenmarkt jeden Sommer in ein Schlaraffenland – und sammeln damit Geld: Für Tschernobyl-Kinder, Flutopfer, Schulen oder Flüchtlinge.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 13:00 Uhr

In ein Schlaraffenland verwandelt sich immer am letzten Sonntag im Juli der Gardinger Marktplatz. Für den Spezialitätenmarkt bieten die Eiderstedter Landfrauen die ganze Palette an regionalen Köstlichkeiten auf – vom Matjes bis zur Weinsuppe, vom Futtje bis zur Himbeer-Sahne-Torte. Und das nun schon seit 40 Jahren. Einheimische wie Gäste fiebern ihm entgegen. Viele Urlauber legen extra ihren Aufenthalt so, dass ihnen der Festschmaus nicht entgeht. Buten-Eiderstedter kommen extra angereist. Es ist ein Treffpunkt für die Einheimischen.

Und alle zusammen tragen dazu bei, dass die Landfrauen in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl an karitativen und kulturellen Einrichtungen nicht nur in der Region unterstützen konnten. Denn der Erlös von Speisenverkauf und der Tombola wird seit 1978 immer dem guten Zweck gespendet. Rund 70 Einrichtungen und Projekte kamen bislang in den Genuss einer finanziellen Hilfe, darunter die Betreuung von Tschernobyl-Kinder auf Eiderstedt, die Elbe-Flutopfer von 2002, die Eiderstedter Grundschulen, die Krebshilfe und die Flüchtlingshilfe Jugoslawien. Bei der Nachlese der Veranstaltung im September wird demokratisch bestimmt, wer bedacht wird, oft sind es auch mehrere Empfänger.

Angefangen hatte es alles 1975. Damals waren die Preise für landwirtschaftliche Produkte sehr niedrig, der Absatz im Keller. Die damalige Landfrauen-Vorsitzende Margarete Oppermann hatte die Idee mit einem Spezialitätenmarkt auf die Landwirtschaft und ihre Erzeugnisse aufmerksam zu machen. Kaum einer hätte geahnt, dass dieser Markt sich zu einem solchen Dauerbrenner entwickeln würde. Inzwischen hilft schon die dritte oder gar vierte Generation. Dem Anspruch, regionale Produkte vorzustellen, sind die Landfrauen treu geblieben, und binden mittlerweile auch Landwirte und Schäfer von der Halbinsel mit ein, die ebenfalls ihren Erlös spenden.

Aber der Spezimarkt ist immer eine ehrenamtliche Aufgabe geblieben, die jedoch nicht als Last empfunden wird. „Es macht einfach Spaß, den Markt zu gestalten. Die Stimmung ist super“, sagt Dörte Rickerts, seit zwei Jahren Marktleiterin und „bestimmt schon 30 Jahre dabei“. „Das Feedback der Gäste, die extra ihren Urlaub danach richten, ist eine tolle Belohnung für unsere Mühen“, sagt die Landwirtsfrau aus Vollerwiek. Doch es gilt auch immer wieder junge Landfrauen für den Markt zu begeistern. Und da muss die Familie mitspielen. „Man braucht zuhause Unterstützung – denn, wenn man Feriengäste hat, müssen die Männer oder Kinder die Stellung halten“, weiß Dörte Rickerts. Oder mit am Stand helfen. Da kann Irmgard Nissen, die seit Anfang an dabei ist, immer auf ihre Familie zählen. Früher machte ihre Mutter mit, heute stehen ihre Großnichten am Stand. Und gemeinsam wurden auch schon einmal 80 Kilogramm Krabben gepult. Und Elisabeth Ketels, die zusammen mit Irmgard Nissen, Frauken Pahl und Annemarie Thormählen seit 1975 fast jedes Mal dabei war, erzählt von ihrem Enkel: „Der war jedes Mal sauer, wenn er nicht dabei sein durfte.“ Aber auch Nachbarn, Freundinnen, auch der Töchter, und mancher Feriengast helfen mit.

Das Aufwendigste an der Vorbereitung ist die Bürokratie. Davon wissen Dörte Rickerts und ihre Vorgängerin als Marktleiterin, Hilge Zimmermann, ein Lied zu singen. Mit den Jahren gab es immer mehr Vorschriften. Ferner müssen Genehmigungen eingeholt werden. Vor jedem Markt gibt es eine Belehrung seitens der Fachabteilung Lebensmittelhygiene des Kreises Nordfriesland. Dann müssen Plakate entworfen und verteilt und natürlich der Standplan aufgestellt werden. „Mittlerweile gibt es ein ganzes Netzwerk für diese Aufgaben in den beiden Landfrauen-Vereinen auf Eiderstedt“, so Dörte Rickerts. Doch für ihre Region, für die Urlauber und Einheimischen und natürlich für die Menschen, denen sie mit dem Erlös helfen können, nehmen die Landfrauen diese Mühen gerne auf sich.

Den Spezimarkt für zuhause gibt es auch: Im Sommer haben die Landfrauen ein Kochbuch mit den besten Rezepten veröffentlicht und vielen Erinnerungen rundum 40 Jahre Spezimarkt. Es ist unter dem Titel „Eiderstedt Spezialitäten – Die besten Landfrauen-Rezepte“ bei Husum Druck und Verlag erschienen.

Abstimmen: Menschen des Jahres 2015

Leser können sich auf vielfältige Weise an der Aktion „Menschen des Jahres 2015“ beteiligen: www.shz.de/nachrichten/aktionen/mensch-des-jahres. Sie können für ihren „Menschen des Jahres“ auch anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk deutlich teurer). Die Stimmen werden bis zum 22. November, 24 Uhr, gesammelt.


Die Rufnummer für Dörte Rickerts lautet: 01375-80400489-03

Oder schicken Sie eine SMS mit dem Inhalt „shz hn“ und der Kandidatennummer 03 für Dörte Rickerts an die Nummer 42020 (Kosten tarifabhängig, wie normale SMS).

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