zur Navigation springen

Wahl zum „Menschen des Jahres 2015“ : Helfen ist für sie selbstverständlich

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Andrea Timm-Meves zögerte keine Sekunde, als es um die Unterstützung der Flüchtlinge in der Seeth ging. „Es müssen nicht immer nur Sachspenden sein“, sagt sie, „manchmal hilft eine ausgestreckte Hand viel mehr.“

von
erstellt am 15.Nov.2015 | 19:00 Uhr

Der Dornebüller Hof liegt ein wenig außerhalb des eigentlichen Dorfes Seeth, auf dem Weg nach Schwabstedt. Dort wird geritten und Feriengäste verbringen ruhige Tage in der Nähe des Ostermoors. Aber das ist nicht alles, was sich auf dem Hof abspielt. Denn neben dem Pferdestall liegt das sogenannte Reiterstübchen, ein Aufenthaltsraum mit einer kleinen Bar. Und dort nahm die Hilfe für die Asylsuchenden in der Stapelholmer Kaserne in Seeth ihren Anfang. Die 47-jährige Andrea Timm-Meves, die bereits seit Jahren internationale Ferienaufenthalte für Kinder auf ihrem Hof veranstaltet, rief nämlich die Reiter der Umgebung zu Spenden für die Flüchtlinge auf – kaum hatte sie in einer Einwohnerversammlung davon gehört, dass in der ehemaligen Kaserne eine vorläufige Erstaufnahme-Einrichtung etabliert werden soll.

Die aktive Feuerwehrfrau und Mutter von vier Kindern hat sich bereits seit 2011/12 mit der Thematik befasst, denn der arabische Frühling und der Bürgerkrieg in Syrien ließen sie befürchten, dass eines Tages eine große Flüchtlingswelle nach Norden schwappen wird. Schon einige Jahre zuvor, als viele Osteuropäer nach Deutschland kamen, hatte sie eine Flüchtlingsfamilie aufgenommen. Daher war ihr durchaus bewusst, dass die Menschen nach einer langen Flucht meistens mit nicht mehr als dem, was sie auf dem Leib tragen, kommen.

Als dann Ende Juli innerhalb von nur drei Tagen in der Kaserne die Erstaufnahme-Einrichtung etabliert wurde, lief alles noch recht chaotisch. Mit den von ihr gesammelten Kleidern richtete sie in einem Kasernenblock eine Kleiderstube ein. „Die Kinder kamen zum Teil barfuß, hatten nicht einmal ein Kuscheltier dabei“, sagt Andrea Timm-Meves. Also begann sie unverzüglich mit ihrer Tochter Mareike und einigen weiteren Helfern , auch eine Kinderecke aufzubauen. Die Koordination in den ersten Tagen klappte noch nicht reibungslos, was bei einer solchen Mammutaufgabe auch nicht zu erwarten war. Doch die zupackende Frau aus Seeth blieb am ersten Wochenende jeden Tag 18 Stunden vor Ort, versorgte die ersten ankommenden Flüchtlinge mit Kleidung, Kinder erhielten ein Kuscheltier, um sich daran festzuhalten. Sie nahm auch Spenden entgegen, denn viele Menschen aus der Umgebung kamen mit Hilfsgütern auf das Kasernengelände.

Dennoch wurde ihr nach einigen kritischen Worten in der Öffentlichkeit über die hakende Kommunikation zwischen Profis und freiwilligen Helfern kurzweilig ein Kasernenverbot erteilt. Allerdings wurde es auch schnell wieder einkassiert, die Begründung: Alles war ein Missverständnis.

Dennoch ließ sich Andrea Timm-Meves nicht davon abbringen, auch weiterhin Spenden zu sammeln, baute ein Netzwerk auf und viele Menschen und Firmen brachten dringend benötigte Hilfsgüter in die Kaserne. Vor allem Fahrräder waren und sind gefragt, denn während des etwa sechswöchigen Aufenthalts in Seeth sind die Flüchtlinge sonst überhaupt nicht mobil.

Aus der ehrenamtlichen Helferin ist mittlerweile eine professionelle geworden, denn sie wurde vom DRK angestellt, koordiniert in der Stapelholmer Kaserne Kontakte mit beispielsweise Schulklassen oder anderen Gruppen, die in irgendeiner Form die Flüchtlinge unterstützen wollen.

Und das Reiterstübchen auf dem Dornbüller Hof? Es dient vorwiegend den Reitern als Aufenthaltsstube, doch zwischenzeitlich auch als Lager für Spenden, denn noch immer kommen viele hilfsbereite Menschen bei Andrea Timm-Meves vorbei, um anderen Menschen zu helfen. „Es müssen nicht immer nur Sachspenden sein“, sagt sie, „manchmal hilft eine ausgestreckte Hand viel mehr. Ich wünsche mir, dass die Menschen offener miteinander umgehen. Manches kleineres Problem kann nämlich schnell gelöst werden, wenn man nur darüber spricht, doch viele Menschen in der Region haben noch eine gewisse Scheu, die Fremden auch anzusprechen. Doch darauf“, sagt sie, „warten viele Flüchtlinge, denn sie freuen sich, Kontakt mit Menschen in ihrer neuen Heimat zu bekommen.“

Abstimmen: Menschen des Jahres 2015

Leser können sich auf vielfältige Weise an der Aktion „Menschen des Jahres 2015“ beteiligen: www.shz.de/nachrichten/aktionen/mensch-des-jahres. Sie können für ihren „Menschen des Jahres“ auch anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk deutlich teurer). Die Stimmen werden bis zum 22. November, 24 Uhr, gesammelt.


Die Rufnummer für Andrea Timm-Meves lautet: 01375-80400489-05

Oder schicken Sie eine SMS mit dem Inhalt „shz hn“ und der Kandidatennummer 05 für Andrea Timm-Meves an die Nummer 42020 (Kosten tarifabhängig, wie normale SMS).

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen