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Kritische Diskussion : Heißes Eisen Nationalpark

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Eiderstedter Amtsausschuss ist alles andere als begeistert vom Evaluationsbericht des Umweltministeriums. Der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dr. Detlef Hansen, stellte ihn vor und appellierte an die Bürgermeister, ihm ihre Einwände mitzuteilen.

Erhitzte Gemüter und enttäuschte Gesichter waren in der Sitzung des Amtsausschusses Eiderstedt zu sehen. Vor allem die durch Amtsvorsteher Christian Marwig eröffnete Diskussionsrunde machte sowohl manche Unzufriedenheit über den vorgestellten Evaluationsbericht Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer deutlich, als auch klar, dass zwischen Naturschutz und Nutzung Lücken klaffen. Der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dr. Detlef Hansen, war nach Garding gekommen, um ihn vorzustellen.

Starke Bedenken hatte bereits die Gemeinde Tümlauer-Koog gegen die Handlungsempfehlungen des unabhängigen Gremiums geltend gemacht (wir berichteten). Sie dienten mit als Grundlage der Sitzung. Beispielsweise sei eine Beweidung des sogenannten 150-Meter-Streifens aus Küstenschutzgründen unbedingt erforderlich, weil sonst rastende Gänse in Richtung Binnenland verdrängt werden würden. Im Salzwiesenbereich würden sie weder brüten noch rasten. Der Evaluationsbericht fordere auch eine deutliche Reduzierung der Muschelfischerei, obwohl andererseits eine gute, nachhaltige Nutzung bescheinigt werde. Die Planungssicherheit gehe vielen Menschen verloren, egal ob direkt betroffen oder indirekt, wie Muschelfischer, Sportbootbesitzer, Landwirt, Schäfer oder Vermieter. Eine Umsetzung der Vorschläge würde den Todesstoß für eine ohnehin wirtschaftlich und infrastrukturell schwache Region bedeuten. „Wir sehen alt aus, wenn der Plan eingehalten wird“, betonte Antje Eismann, Gemeindevertreterin in Tümlauer-Koog.

Was mit der Durchlässigkeit für wandernde Fische gemeint sei, so eine Stimme aus dem Gremium, sei zu hinterfragen. Die Sperrwerke an den Flüssen seien nicht nur wegen des Küstenschutzes nötig. Nur durch die funktionierenden Bollwerke gegen Sturmfluten sei auch der Schutz der Niederungen an den Flüssen gewährleistet. Für Hobbyfischer seien weitere Einschränkungen nicht vertretbar. Bisher habe Küstenschutz Vorrang gehabt. Ein möglicher Rückbau von Küstenschutzmaßnahmen auf den Nationalparkflächen würde dem widersprechen.

Deutlich brachte Georg Jans, Bürger von Westerhever, seinen Unmut zum Ausdruck: „Erhalten und Bewahren der Natur zieht sich als roter Faden durch den Bericht. Ich bezweifle, dass die Nationalparkverwaltung dazu fähig ist.“ Früher habe man einen bunten, vielfältigen Pflanzen-Teppich erleben können. Heute werde das Vorland von Quecke überwuchert. „Das sind für mich Spielwiesen und Experimentierflächen“, so Jans weiter. Sein Appell, sich intensive Gedanken für die Zukunft zu machen, honorierte das Gremium mit Applaus. Amtsdirektor Herbert Lorenzen stellte schließlich fest: „Der Bericht sagt aus, dass seit 1985 wesentliche Naturschutzziele erreicht worden sind. Er soll als Diskussionsgrundlage dienen. Abwägung heißt das Maß aller Dinge, und jede Gemeinde sollte das zu Papier bringen.“ Das und nichts anderes habe Umweltminister Dr. Robert Habeck kürzlich damit gemeint, nämlich den Evaluierungsbericht als Impuls für eine konstruktive Diskussion um die Entwicklung des Nationalparks zu verstehen. „Fordern Sie Ihre Rechte. Ich will Ihre Probleme wissen“, so der Aufruf von Dr. Hansen.

In der Sitzung wurden außerdem der Vorsitzende des Hauptausschusses und sein Stellvertreter gewählt – jeweils einstimmig bei eigener Enthaltung: Es sind Wilhelm Bahrenfuß (St. Peter-Ording) und Kurt Eichert (Poppenbüll).




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