Fröhliches Fest für alle : Heiligabend nicht allein sein

Karola Schulze und Mohammed Bouzidi freuen sich auf ihre Gäste.
Karola Schulze und Mohammed Bouzidi freuen sich auf ihre Gäste.

Niemand soll sich Weihnachten einsam fühlen, finden Karola Schulze aus Oldenswort und Mohammed Bouzidi aus Garding und laden immer am 24. Dezember zu Geselligkeit ein.

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25. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Weihnachten allein zu Haus, das ist für viele Menschen eine traurige Vorstellung. Allein sein, nur den Fernseher zur Gesellschaft, während in der Nachbarschaft Familien fröhlich feiern und die Zeit miteinander genießen. Gerade auf dem Land und in kleineren Städten gibt es an Heiligabend nichts, wo ein alleinstehender Mensch hingehen könnte, keine Kneipe, kein Restaurant hat geöffnet, es gibt keine kulturellen Veranstaltungen. Nach dem Besuch des Gottesdienstes ist man wieder mit sich allein, wenn man denn überhaupt in die Kirche möchte.

Einer, dem das vor Jahren auch so gegangen ist, ist Mohammed Bouzidi aus Garding. „Ich war geschieden und allein.“ Heiligabend fiel ihm die Decke auf den Kopf, er machte einen Spaziergang durch die Stadt – und traf einen anderen einsamen Gardinger. „Da hatte ich die Idee, im nächsten Jahr Menschen, die auch allein sind oder kein Geld haben, Heiligabend zu mir zum Essen einzuladen. Bald reichte seine Wohnstube nicht mehr aus. Er fragte Lütt-Matten-Wirt Rainer Martens, ob er dessen Bücherstube fürs nächste Mal haben könnte. Aber dann freuten sich so viele auf das gemeinsame, statt einsame Weihnachtsessen, „da wäre auch dieser Raum zu klein gewesen“, erinnert sich Mohammend Bouzidi, der vielen als Mo bekannt ist. So fragte er im vergangenen Jahr Pastor Thomas Knippenberg um Rat, der ihm das Gemeindehaus am Marktplatz zur Verfügung stellte. „In diesem Jahr sind wir mindestens 20, das ist toll, keiner ist mehr allein“, freut sich der gebürtige Marokkaner und gelernte Koch, der vor 20 Jahren aus seiner Heimat nach St. Peter-Ording gekommen war. Und das besondere: Es ist kostenlos, jedermann, der sich in der Adventszeit anmeldet, kann dabei sein.

Auch in Oldenswort muss niemand Heiligabend allein verbringen. Zumindest für ein paar Stunden gibt es im Treffpunkt-Café in der Dorfstraße einen Klönschnack bei Kaffee und Kuchen. Wirtin Karola Schulze lädt seit vier Jahren unter dem Motto „Weihnachten nicht allein“ ein, zuvor hatte sie das auch in ihrem Café in Garding so gehalten. Alles kostenlos. „Ich möchte den Menschen hier eine Freude bereiten und mache mir damit auch eine. Das hat mit Arbeit nichts zu tun. Wir sitzen gemütlich zusammen, reden und singen ein Lied.“ Es ist ihr Dankeschön ans Dorf, sagt die 54-Jährige. Denn Oldenswort ist eine sehr freundliche Gemeinde. Sie selbst weiß, wie es ist, wenn man Weihnachten allein ist. Ihre Eltern starben, als sie noch jung war. Und ihre Tochter mit dem Enkelkind wohnt in Niedersachsen. „Da kann ich nicht mal eben hinfahren, das Café hat ja am zweiten Weihnachtstag schon wieder auf.“ Um 14 Uhr öffnet Karola Schulze Heiligabend ihre Gaststube. Bis 16 Uhr ist dann jeder willkommen, und alle können danach noch in die Kirche gehen. Ihre Freundin Jutta Schmidt aus Tating hilft ihr bei der Bewirtung.

Für Mohammed Bouzidi bedeutet das Fest im Gardinger Gemeindehaus auch Arbeit. „Es ist zwar anstrengend, aber es macht mir Freude.“ Los legt er schon morgens. Denn es gilt, ein dreigängiges Menü mit Suppe, Hauptgang und Dessert zu zaubern. Was gibt es? Ganz klar, Ente. „Ich wollte das mal ändern, aber ich finde, Ente mit Rotkohl, weiteren Gemüsen und Klößen, das gehört einfach zu Weihnachten“, sagt der 44-Jährige. Allerdings bekommt die Ente noch einen besonderen Schliff durch die spezielle Füllung mit Zitrone. Natürlich kann er die Arbeit nicht mehr allein bewältigen. Er hat viel Hilfe in der Küche und beim Aufdecken. Und die Zutaten und Getränke werden von Gardinger Geschäftsleuten gesponsert. So stiften die Gebrüder Pioch und Thomas Andresen (Versicherungen) die Zutaten, Getränke-Loof, logisch, die Getränke, und Marens Blomenstuv ist für die Tischdeko zuständig. Denn das Essen ist kostenlos. Das ist Mohammed Bouzidi wichtig. „Es geht immer nur ums Geld. Aber wir dürfen die Menschen nicht vergessen, wir müssen einander helfen.“ Und das eigentlich nicht nur zur Weihnachtszeit, da sind sich er und Karola Schulze einig.

Besonders freut ihn, dass auch geschiedene Eltern mit ihren Kindern kommen. „So haben sie einen Weihnachtsabend mit Mama und Papa.“ Sie alle erleben einen besonderen Abend im Gemeindehaus. In geselliger Runde wird gemeinsam gegessen, zwischendurch und hinterher wird erzählt oder gesungen. Rainer Martens greift zur Gitarre, und es gibt eine kleine Bescherung für die Kinder, organisiert und gestiftet von Stefan Magnus. Und im Kamin lodert ein gemütliches Feuer.

Karola Schulze und Mohammed Bouzidi betonen, dass das mit einer Bewirtung wie im Restaurant und Café nichts zu tun hat. „Es ist vielmehr so, als würde man sich liebe Gäste nach Hause einladen.“ Etwas für andere tun, einfach so, ohne Gegenleistung, das ist für die beiden Weihnachten. Karola Schulze feiert später mit ihrem Lebensgefährten. Die leidenschaftliche Köchin und Bäckerin zaubert etwas besonders Gutes. Und für Mohammed Bouzidi ist der Abend im Gemeindehaus die Erfüllung eines großen Wunsches – nämlich anderen Menschen eine Freude zu bereiten.

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