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Platz für das Husumer Shopping-Center : Heikles Thema offen diskutieren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bürgermeister und Bauverwaltung plädieren bei der Debatte um das geplante Shopping-Center für einen Abriss der Villa Fabelhaft – obwohl sie Teil eines denkmalgeschützten Ensembles ist.

„Wir haben von Anfang an Wert darauf gelegt, dass es zu diesem Thema eine breite öffentliche Diskussion gibt“, sagt Bürgermeister Uwe Schmitz beim Pressetermin im Rathaus. Was der Verwaltungschef meint, sind die Planungen für das neue Shopping-Center auf dem ehemaligen Hertie-Gelände. In einem Punkt werde sich die Verwaltung dazu nun auch „fachlich positionieren“, berichtet Schmitz und kommt auch gleich zur Sache: „Wir halten die Fassade und das Gebäude in der Großstraße 19 für nicht erhaltenswert.“ Aus diesem Grunde werde die Verwaltung dem Umwelt- und Planungsausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch (11. Oktober, ab 17 Uhr, in Raum 001 des Rathauses) vorschlagen, Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege aufnehmen zu dürfen. Deren Ziel solle es sein, das Shopping-Center-Projekt bauplanerisch abzusichern.

„Wir sind uns natürlich darüber im Klaren, dass mit einem solchen Beschluss noch keine Fakten geschaffen würden“, sagt Schmitz. Und das sei auch gar nicht die Absicht. „Vielmehr möchte ich den bisherigen Kurs einer offenen und öffentlichen Debatte beibehalten“, erläutert der Bürgermeister.

Bei den bisherigen Planungen für das Shopping-Center hatte das Gebäude in der Großstraße 19 – auch Villa Fabelhaft genannt – bislang keine Berücksichtigung gefunden. Das rief die Stiftung zur Erhaltung des Husumer Stadtbildes, aber auch die Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland und Dithmarschen auf den Plan. Letztere erhob Einspruch gegen den Bebauungsplan 85 der Stadt und beantragte beim Landesamt für Denkmalpflege, die Villa Fabelhaft unter Schutz zu stellen (wir berichteten). Das folgte den Argumenten der Baupfleger, für die das Haus „im Straßenverlauf der Großstraße eine wichtige Rolle spielt“. Zusammen mit dem ebenfalls gründerzeitlichen Gebäude der Commerzbank (Hausnummer 13) rahme es das breit gelagerte, kaum gegliederte Volumen des früheren Hertie-Komplexes ein und mildere es ab, schrieb die IG Baupflege nach Kiel. Und fand Gehör: Ende Juli wurde die Villa Fabelhaft tatsächlich unter Schutz gestellt, allerdings nicht als Einzeldenkmal, sondern als Teil eines Ensembles, das von der Großstraße 19 bis zur Hausnummer 27 reicht.

Dass sich die Verwaltung dennoch gegen einen Erhalt des Gebäudes ausspricht, ist nach Aussage von Rudolf Hölscher vor allem städtebaulichen Überlegungen geschuldet. „Wir teilen die Auffassung der Projektplaner, für die das Gebäude von Beginn an keine Rolle gespielt hat“, sagt der Bauamtsleiter, „und haben dies in unseren Sondierungsgesprächen mit der Unteren Denkmalbehörde des Kreises auch immer wieder deutlich gemacht.“

Hinzu komme, dass heutige Shopping-Center Deckenhöhen erforderten, die mit den Geschosshöhen der Villa Fabelhaft nicht zu kombinieren seien. Mit anderen Worten: Selbst wenn die Fassade des Gebäudes von Baumeister Christian Struwe, der unter anderem auch die Alte Post entworfen hat, erhalten bliebe, liefen die Geschossdecken mitten durch deren Fensterfronten. Aber es gebe noch einen weiteren Aspekt, führt Hölscher aus: Da er sich schon lange mit dem Thema „Stadt und Handel“ beschäftige, wisse er, dass der richtige Branchenmix für solche Projektentwicklungen von zentraler Bedeutung sei: „Ob der gelingt, darüber stimmt am Ende der Kunde mit dem Einkaufswagen ab.“ Aber auch die Anbieter selbst hätten gewisse Vorstellungen. Und für ein Unternehmen wie H&M, das er nur als mögliches Beispiel anführte, seien die nötigen Verkaufsflächen im Altbestand nicht zu erzielen.

Beide, Schmitz und Hölscher, sehen den Bau des Shopping-Centers darüber hinaus als Chance, das Schlossquartier insgesamt – also einschließlich der Situation am Quickmarkt, des Parkhauses und der Schlossstraße – zu überplanen. „Dennoch sind wird uns bewusst, dass die Diskussion nicht beendet ist, wenn unsere Vorlage am Mittwoch durchgeht“, sagt Schmitz. „Aber noch mal: Das ist auch nicht unser Ziel.“

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erstellt am 09.Okt.2015 | 09:30 Uhr

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