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Nach Sylt und Föhr : Hebammen-Mangel: Auch Geburtshilfe Niebüll vorläufig geschlossen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Versorgung werdender Mütter und ihrer Babys wird noch schlechter. Nach Sylt und Föhr schließt auch Niebüll.

Niebüll | Nach dem Aus für die Geburtshilfe auf Sylt und Föhr werden nun auch die Kreißsäle in der Niebüller Klinik geschlossen. Der Grund: akuter Hebammen-Mangel. Nach offiziellen Angaben des Klinikums Nordfriesland handelt es sich zunächst lediglich um eine „vorübergehende Schließung“. Die Sorgen in der Region sind allerdings groß, dass das vorläufige Aus für die Entbindungsstation der Anfang vom Ende der Geburtshilfe in der Niebüller Klinik ist und womöglich auch das Haus insgesamt gefährdet wird.

„Am 30. Juni um 24 Uhr hört die Entbindungsstation auf zu bestehen. Ab 1. Juli ist sie nach Lage der Dinge Vergangenheit“, bestätigte Dr. Assem Hossein, der die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Niebüller Klinik als Belegarzt leitet, auf Anfrage der Husumer Nachrichten. Mittags kam schließlich auch die offizielle Bestätigung des Klinikums Nordfriesland, zu dem Häuser in Niebüll, Husum, Wyk und – noch bis Mitte 2017 – in Tönning gehören. Der Klinik Niebüll fehlen demnach drei Beleghebammen, um die Geburtshilfe ordnungsgemäß weiterführen zu können. Damit rund um die Uhr eine qualifizierte Versorgung sichergestellt ist, müssten es fünf sein.

„Daher müssen wir die geburtshilfliche Abteilung an unserer Klinik Niebüll zum 30. Juni leider schließen“, beschreibt Christian von der Becke, neuer Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, die Situation. „Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich“, betont er. „Aber die zwingend erforderliche Sicherheit während der Geburt ist ohne ausreichend großes Personalteam nicht zu vertreten“.

Schwangere müssen nach Husum ausweichen

Allerdings will das Klinikum weiterhin versuchen, die Anzahl der Beleghebammen so weit aufzustocken, „dass der Betrieb absehbar wieder aufgenommen werden kann“. Christian von der Becke versichert: „Wir wollen unbedingt versuchen, die Versorgung der Schwangeren in der Klinik Niebüll wieder zu ermöglichen.“ Solange sich jedoch die personelle Situation in Niebüll nicht entspannt, legt er Schwangeren aus Südtondern und von den Inseln Föhr, Amrum und Sylt ans Herz, die Klinik Husum aufzusuchen. Das geburtshilfliche Team sei auf die Versorgung der werdenden Mütter aus dem nördlichen Nordfriesland vorbereitet.

Aushelfen könnten die Husumer in Niebüll aber nicht: „Dort werden alle Hebammen für die Aufrechterhaltung der eigenen Vor-Ort-Versorgung dringend benötigt“, so von der Becke, dessen Vorgänger Frank Pietrowski gerade erst verabschiedet worden ist. Auch größere Kliniken in der Region hätten unisono mitgeteilt, man sei froh, die eigene Versorgung aufrechterhalten zu können.

Hebammen für Niebüll werden sogar im Ausland gesucht

Sogar in Dänemark, der Schweiz und Österreich waren Anzeigen geschaltet und Hebammenschulen kontaktiert worden, um die personelle Lücke in Niebüll zu schließen. Zuletzt hatte sich das Klinikum Nordfriesland gar mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt – ohne Erfolg. Dennoch meint Dr. Assem Hossein, der seine Praxistätigkeit normal fortführt und auch weiterhin gynäkologische Eingriffe in der Klinik Niebüll vornimmt, er habe bei seiner eigenen Hebammen-Suche eine stärkere Unterstützung von Seiten der Verwaltung des Klinikums Nordfriesland und der Politik vermisst. Als einen Grund für die prekäre Situation sieht er die Diskussionen um den Fortbestand des Niebüller Klinikums im Zuge der Umstrukturierung des finanziell angeschlagenen Klinikums Nordfriesland: „Hebammen wollen Sicherheit für ihren Arbeitsplatz haben.“

Unterdessen sieht der Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins Niebüll, Karl-Heinz Schmidt, im aktuellen Vorgang die Fortsetzung einer Entwicklung, bei der dem Haus nach und nach Aufgaben entzogen worden seien. „Ich sehe darin einen weiteren Sargnagel für die Klinik Niebüll. Das dürfen wir nicht hinnehmen“, appelliert er.

Unterstützung anderer Art erhofft sich derweil Klinikums-Geschäftsführer von der Becke: „Wir bitten alle in der Region, wirklich sämtliche Kontakte zum Wohle der Patientenversorgung in der Region Südtondern zu nutzen. Vielleicht gibt es Hebammen, die aus der Region kommen, und wieder in die Heimat zurückkehren wollen“, hofft er.

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erstellt am 29.Jun.2016 | 18:30 Uhr

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