„Adler-Express“ : Havarie-Schaden größer als erwartet

Hans Arthur Jessen (l.) und Marc Zimmermann begutachten die Schäden. Der Antrieb scheint in Ordnung zu sein.
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Hans Arthur Jessen (l.) und Marc Zimmermann begutachten die Schäden. Der Antrieb scheint in Ordnung zu sein.

Das gestrandete Ausflugsschiff „Adler-Express“ wird in der Husumer Schiffswerft wieder flottgemacht – für mindestens 50.000 Euro. Außerdem wird das Ausflugsschiff zwei Wochen lang ausfallen.

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16. Juli 2015, 16:00 Uhr

Husum | Die Husumer Werft wirkt menschenleer. Doch unten im Trockendock lassen sich fünf, sechs Männer ausmachen, die mit ernsten Mienen den Unterboden des Schiffes betrachten, das dort auf zahlreichen Pallen steht. „Das wird teurer als wir dachten“, murmelt Sven Paulsen, Chef der Adler-Reederei. „50.000 Euro wird das mindestens kosten“, schätzt er und zeigt auf eine neun mal sieben Meter große Delle.

Am Mittwoch ist die 42 Meter lange „Adler-Express“ eingedockt worden. Das Ausflugsschiff war am vergangenen Sonnabend mit mehr als 230 Passagieren an Bord auf dem Weg von Amrum nach Hooge aus der Fahrrinne geraten und auf einer Sandbank aufgelaufen (wir berichteten). Kurz nach der Havarie versuchte die Crew der „Hauke Haien“, die zu dem Zeitpunkt ohne Fahrgäste unterwegs war, vergebens, die „Adler-Express“ freizuziehen – und lief ebenfalls auf Grund. So blieb den Besatzungen nichts anderes übrig, als auf die Flut zu warten. Die Passagiere waren kurz nach der Havarie vom Rettungskreuzer „Ernst Meier-Hedde“ sowie der „Adler IV“ nach Amrum gebracht worden. Verletzt wurde niemand.

Nun liegt das Highspeed-Ausflugsschiff in der Werft– und fällt so mitten in der Saison für zwei Wochen aus, wie Reederei-Sprecherin Juliane Peter bestätigte. Experten der Berufsgenossenschaft Seeverkehr und des Germanischen Lloyd stellten starke Beschädigungen im Bereich des Unterbodens fest. Dort sind einige Spanten, die den Rumpf verstärken, verbogen, und müssen ausgewechselt werden. Ein kompliziertes Unterfangen, denn im Gegensatz zu anderen Fahrgastschiffen ist die „Adler-Express“ besonders leicht gebaut. „Das wird viel Puzzlearbeit“, sagt Maschinenbaumeister Gerd Lorenzen, dessen Firma auf Aluminiumarbeiten spezialisiert ist. Der Schaden wurde zunächst auf 25.000 Euro geschätzt, doch im Trockendock wurde schnell klar, dass sich die Summe mindestens verdoppeln wird. Ganz abgesehen von den Kosten, die der Verdienstausfall verursacht, wenn der Havarist bis zum 29. Juli in der Werft bleibt.

„Was am Wochenende passiert ist, war zwar nicht schön, aber auch nicht so dramatisch wie es auf den veröffentlichten Bildern aussah“, erklärte Peter. Die „Adler-Express“ ist täglich zwischen Nordstrand, Amrum, Hallig Hooge und Sylt im tideabhängigen Wattenmeer unterwegs. „Das Fahrwasser ist demnach sehr anspruchsvoll“, fügt sie hinzu. Als die Fotos gemacht wurden, war das Wasser bereits abgelaufen, vorher haben die Schiffe noch versucht, sich freizufahren. Dadurch entstand eine Sandkuhle in dem weichen Boden. Genau das wurde der „Adler-Express“ zum Verhängnis. Das Schiff kippte nach hinten ab, sodass der Unterboden beschädigt wurde.

Was die „Hauke Haien“ angeht, so konnten die Experten der Germanischen Lloyd Entwarnung geben. „Alles ist heil geblieben. Wir sind ja nur sanft auf die Sandbank getrieben worden“, erklärte Kapitän Bernd Diedrichsen, der seit 27 Jahren mit Fahrgastschiffen im Wattenmeer unterwegs ist, auf Anfrage unserer Zeitung. Für ihn war es selbstverständlich, die eigene Fahrt zu unterbrechen, um der „Adler-Express“ zu helfen – auch wenn das ebenfalls finanzielle Nachwehen haben wird. „Wenn mir morgen etwas passiert, erwarte ich auch, dass mich die Kollegen anderer Schiffe unterstützen. Und es wäre doch schlimm, wenn man aus finanziellen Erwägungen einfach vorbeifahren würde“, sagt der Kapitän der „Hauke Haien“.

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