Friedrichstadt : Hausbesitzer befürchten Gesetzes-Dschungel

Die Hausbesitzer in der Friedrichstädter Altstadt befürchten eine massive Einflussnahme der Denkmalschützer auf ihr Grundeigentum.
Die Hausbesitzer in der Friedrichstädter Altstadt befürchten eine massive Einflussnahme der Denkmalschützer auf ihr Grundeigentum.

Die Initiative AG-OGS fordert die Abschaffung der Friedrichstädter Ortsgestaltungssatzung und startet eine Unterschriftenaktion.

von
26. März 2017, 10:00 Uhr

Ein rotes Verbotsschild prangt auf den Plakaten, die in einigen Fenstern in der Friedrichstädter Innenstadt hängen. „Ortsgestaltungssatzung? So nicht!“ ist darauf zu lesen. Oder „Wir fordern selbstverantwortliche Entscheidung über unser Eigentum!“ und „Wir sind kein Freilichtmuseum!“. Verteilt wurden die Flugblätter von der Bürgerinitiative AG-OGS-Friedrichstadt, die zur Informationsveranstaltung ins Holsteinische Haus geladen hat.

„Letztes Mal waren doppelt so viele da“, sagt Horst Thiel und blickt hinüber zu dem rund 40-köpfigen Auditorium. Neben Kai Rieck und Walter Schulze zählt Thiel zu den Sprechern der Initiative. Vor einem Jahr traf man sich an selber Stelle – zu einer Protestveranstaltung. Damals schlug der Streit zwischen der Kommune und Hauseigentümern aus der Altstadt hohe Wellen. Der Grund: Beim Kreis Nordfriesland lagen 74 Anzeigen von Verstößen gegen die Ortsgestaltungssatzung (OGS) vor. Daraufhin gründete sich die Initiative, die eine Überarbeitung der 2010 aktualisierten Satzung forderte. Die Wogen konnten geglättet werden, als ein Unterausschuss ins Leben gerufen wurde, der paritätisch mit Kommunalpolitikern und Bürgern besetzt ist. Er sollte sich um die OGS kümmern. Darüber hinaus wurde der Kreis gebeten, alle Verfahren solange ruhen zu lassen, bis eine überarbeitete Form vorliegt. Bislang hat dieser Unterausschuss viermal getagt.

„Das Ruhen der Verfahren bedeutet nicht, dass sie vom Tisch sind“, erklärte Walter Schulze. Von den 74 Anzeigen seien mittlerweile einige zurückgenommen worden. Denn Verstöße, die vor 1980 begangen wurden – das Jahr, in dem die OGS das erste Mal aufgelegt wurde – fallen unter den Bestandsschutz, so Schulze.

Was ihn und seine Mitstreiter nun zusätzlich umtreibe, sei das Thema Flächendenkmal. „Ich glaube schon, dass das für unsere Stadt sehr vorteilhaft sein kann, aber drei Gesetze nur für den Denkmalschutz sind zu viel“, betont er. Sein Vorschlag: Die Satzung sollte ganz abgeschafft werden. Darüber wurde sogar kürzlich im Unterausschuss abgestimmt. Allerdings überwogen die Gegenstimmen. Also haben die Initiatoren beschlossen, eine Unterschriftenaktion auf den Weg zu bringen, die dafür sorgen soll, dass sich die Stadt mit einer möglichen Abschaffung der OGS beschäftigen muss. Mindestens fünf Prozent der Friedrichstädter, also 125, müssten dafür unterschreiben. „Wir versuchen, diese in den nächsten 14 Tagen zusammenzubekommen“, kündigt Schulze an.

„Eine Abschaffung der OGS wäre ein Graus für mich“, sagt Bürgermeister Eggert Vogt auf Anfrage. „Ich möchte nicht wissen, wie die Stadt dann aussehen würde. Bausünden waren doch damals der Grund, warum die OGS erlassen wurde.“ Er betont aber, dass es wichtig sei, die OGS zeitgemäß anzupassen. Und wenn die Unterschriftenaktion erfolgreich sein sollte? „Wenn es soweit ist, werden wir gemeinsam mit dem Amt Nordsee-Treene darauf reagieren“, antwortet er.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen