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Budget der Stadt Husum : Hauptausschuss geht auf Tuchfühlung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadt Husum will neue Krawatten und Tücher für ihre Repräsentanten anschaffen. Aber viele Frauen wissen nicht einmal, wo sie die alten hingelegt haben.

Ein Missverständnis gab der ansonsten eher nüchternen jüngsten Sitzung des Hauptausschusses die nötige Würze. Dass seit Einführung der doppelten Buchführung (Doppik) aus Haushaltsposten Budgets geworden sind, hat sich inzwischen herumgesprochen. Allerdings ist die Lektüre der Zahlenwerke dadurch nicht unbedingt einfacher geworden.

Im Gegenteil. Im Budget des Hauptamtes stieß Helmut Stemke unter dem Stichwort „Gemeindeorgane und Geschäftsführung der Stadtverwaltung“ – auf ein „Produkt“ mit der Kennziffer 111010, das er sich nicht erklären konnte: „Für die Durchführung des ,Windempfangs‘ im Rathaus anlässlich der Messen 2015 und 2017 werden zusätzliche Mittel in Höhe von jeweils 15000 Euro bereitgestellt“, hieß es da. Das ging für den Fraktions-Chef der Wählergemeinschaft noch in Ordnung. Dass aber weitere 4000 Euro für die Anschaffung von Krawatten ausgegeben werden sollen, fand er dann nicht mehr feierlich: „Warum müssen wir Krawatten für Mitarbeiter der Messe kaufen?“, wollte der WGH-Mann wissen. „Kann die Messegesellschaft die nicht aus eigener Tasche bezahlen?“

Könne sie und tue sie auch, rückte Ira Rössel die Angelegenheit gerade. „Diese Krawatten sind nicht für die Messe-Mitarbeiter, sondern für Sie“, erklärte die Hauptamtsleiterin und meinte die offiziellen Repräsentanten der Stadt, also auch die Vertreter des Hauptausschusses.

Es wäre schön, wenn nicht nur die Männer neue Krawatten, sondern die Frauen auch neue Tücher bekämen, gab ein weibliches Mitglied des Ausschusses der Debatte die entscheidende Wende. Daran werde selbstverständlich gedacht, entgegnete Ira Rössel. „Ob die vielleicht auch etwas netter aussehen könnten als die alten?“, hakte die Politikerin nach. Ein offenbar berechtigter Einwand, wie eine Blitzumfrage in der Sitzungspause beweist. Die meisten Frauen wissen demnach nicht einmal, wo sie das repräsentative Tuch abgelegt haben. Und wenn sie es wüssten, würden sie es trotzdem nicht tragen.

Vielleicht bringt ja ein Vorschlag von Horst Bauer den Durchbruch. Der SPD-Fraktions-Chef regte an, „gemeinsam mit den Kolleginnen nach einer Lösung zu suchen“. Was für eine Vorstellung: Bauer und Fraktions-Kollegin Inge Zimmermann ziehen gemeinsam los, um ein repräsentatives Stadt-Husum-Tuch für sie zu finden. Gesche Holst, Vorzimmer-Dame des Bürgermeisters, überzeugt das nicht: „Das wollte ich eigentlich allein machen“, erklärte sie am Tag nach der Sitzung auf Anfrage. Und das könnte sie sicher auch. Aber bevor die neuen Tücher womöglich wieder irgendwo untergegraben werden, wäre ja vielleicht auch eine Lösung denkbar, wie der Kreis Nordfriesland sie gefunden hat – ein Sticker mit dem Wappen der Stadt Husum. Den könnten Frauen und Männer tragen – und die Frauen sogar zu den Tüchern ihrer Wahl. Und billiger wäre es wahrscheinlich auch.

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erstellt am 23.Nov.2014 | 08:00 Uhr

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