Storm-Tagung in Husum : Hauke, Bismarck und Storm heute

Professor Uwe Pörksen, der Literaturwissenschaftler Christian Neumann, Frank Düwel (Regisseur, Produzent und Dozent für Musiktheater) und Philipp Theisohn (Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Zürich)sprechen über die Aktualität der Storm-Novelle „Der Schimmelreiter“.
Professor Uwe Pörksen, der Literaturwissenschaftler Christian Neumann, Frank Düwel (Regisseur, Produzent und Dozent für Musiktheater) und Philipp Theisohn (Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Zürich)sprechen über die Aktualität der Storm-Novelle „Der Schimmelreiter“.

Rund um Husums Heimatdichter ging es am Wochenende bei der internationalen Storm-Tagung.

shz.de von
09. September 2018, 16:30 Uhr

„Der Schimmelreiter“: Noch heute lesen Schüler im Deutschunterricht die tragische Geschichte rund um den Deichgrafen Hauke Haien. Gegenstand des Unterrichts ist dabei häufig auch die Deutung des Werks in gegenwärtiger Zeit. Doch nicht nur in den Lehranstalten wird über die Aktualität des Werks diskutiert. „Storm heute“ lautete ebenfalls der Titel des Expertengesprächs im Rahmen der Storm-Tagung, dem am Sonnabendnachmittag im Rahmen der Storm-Tagung 160 Interessierte in der Aula des Hotels Altes Gymnasium folgten.

Eröffnet wurde der angeregte Austausch zwischen dem Storm-Preisträger und Regisseur Frank Düwel, dem Literaturwissenschaftler Christian Neumann und Moderator Philipp Theisohn, Präsident der Storm-Gesellschaft, mit einem Vortrag von Professor Uwe Pörksen (Freiburg). Erörtert wurde von dem 1935 in Breklum geborenen Sprachwissenschaftler die These, dass Storms Zeitgenosse Otto von Bismarck dem Autor als Vorbild für den unerbittlichen aber erfolgreichen doch letztlich zerstörerischen Deichgrafen Hauke Haien gedient haben könnte. „Storm war ein Gegner des autoritären Staates und somit ganz sicher kein Parteigänger der ‚demokratischen Diktatur‘ Bismarcks. Wäre er von diesem beeinflusst worden, wäre ‚Der Schimmelreiter‘ ein Schlüsselroman. Doch diesen Schluss lassen weder die Erzählung noch die Aufzeichnungen Storms, in denen sich keinerlei explizite Äußerungen zum Reichskanzler finden, zu“, führte Pörksen unter anderem aus.

Gleichfalls nicht überzeugt von der Annahme eines direkten Zusammenhangs äußerte sich Christian Neumann. „Die Figur Hauke Haien ruht in sich selbst. Sie ist echt und keine Allegorie auf etwas anderes“, sagte er. Doch die Zwiespältigkeit und Zerrissenheit ließen vielfältige Interpretationen der Figur zu.

Die Vielschichtigkeit der Geschichte bestätigte auch Frank Düwel. „Wenn wir mit dem Stoff arbeiten, erzählen mir die Leute, wie Sie Hauke Haien verstehen und erleben. Dabei kommen immer sehr unterschiedliche Sichtweisen zutage. Deshalb sehe ich die Geschichte als beständigen, zeitlosen Katalysator“, erläuterte er.

Seiner Einschätzung, dass „Der Schimmelreiter“ als zeitloses Werk immer eine Reaktion bei demjenigen, der sich mit der Geschichte ernsthaft auseinandersetzt, herbeiführt, folgten dem Preisträger am Ende der Veranstaltung schließlich nicht nur die Gesprächspartner, sondern ebenso die Mehrzahl der fachkundigen Zuhörer.

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