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Erkrankte Mümmelmänner : Hasenpest verunsichert Verbraucher

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es gibt auffällig viele Totfunde auf Pellworm. Eine Expertin der Veterinärmedizinischen Uni Wien informierte Jäger über Tier-Krankheiten.

Vielen Verbrauchern ist der Appetit auf Hasenbraten gründlich vergangen, nachdem im November vergangenen Jahres seit mehr als 20 Jahren der erste Fall von Hasenpest bei einem Feldhasen in Schleswig-Holstein bekannt wurde. Die meldepflichtige Hasen- und Nagerseuche, die unter Fachleuten als Tularämie bezeichnet wird, trat bei einem Hasen in Mildstedt auf. Das für Tierseuchenbekämpfung zuständige Umweltministerium in Schleswig-Holstein war alarmiert und riet zu Vorsichtsmaßnahmen, um eine Übertragung auf den Menschen zu verhindern. Demnach bleibe die Ansteckungsgefahr im tiefgekühlten Wildbret über Monate hinweg erhalten und eine Infektion sei beim Umgang mit rohem infizierten Fleisch, etwa beim Auftauen, nicht auszuschließen. Durch Durchgaren werde der Erreger zuverlässig abgetötet.

Verunsichert, ob der Verzehr des Tieres gesundheitlich unbedenklich ist, verzichten Abnehmer auf den Kauf des Produktes – die nordfriesischen Jäger klagen über sinkende Absatzzahlen und schießen weniger Hasen, erklärt Kreisjägermeister Thomas Carstensen. Dabei stelle durchgegartes Fleisch kein Risiko dar. Aufklärung und Information erscheint den Jägern dringend geboten, denn „wenn wir unser Wild nicht mehr an den Verbraucher abgeben können, brauchen wir bald gar nicht mehr zu jagen“, moniert der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Jochen Muxfeldt. Da Nordfriesland ein weitgehend reines Niederwildrevier ist, seien Informationen über Krankheiten der Hasen von hoher Bedeutung für die Jäger.

Unmittelbar von einer Krankheitsübertragung betroffen, könnten die Jäger selbst sein. Über Risiken und Vorsichtsmaßnahmen informierte sie Dr. Anna Kübber-Heiss. Die Fachtierärztin für Pathologie im Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien leitet eine wissenschaftliche Untersuchung über die auffällig hohen Totfunde von Hasen auf der Insel Pellworm. Anhand von Forschungsergebnissen in Österreich, wo die Tularämie in einigen Landesteilen bei Hasen jährlich auftritt, erläuterte sie Übertragungswege auf den Menschen, Erkennnungsmerkmale, die auf Krankheiten hindeuten und Schutzmaßnahmen für Menschen.

Die Hauptbefunde der Untersuchungen auf Pellworm ergaben laut Kübber-Heiss: „Tularämie spielt auf der Insel keine Rolle.“ Nachgewiesen wurde aber ein hochgradiger Befall mit Kokzidien, die zu dramatischen Durchfallerkrankungen bei den Hasen geführt haben. „Die Darmflora des Feldhasen ist entgleist“, fasste Kübber-Heiss den Stand der Forschung zusammen. Externe Faktoren wie das Wetter und die Umstellungen in der Landwirtschaft würden hier möglicherweise Einfluss nehmen. Zusammenhänge zwischen Gänsen, Gülle, Gras und Hasen müssten noch untersucht werden, um das Phänomen besser zu verstehen. Kübber-Heiss: „Es spielt sich da etwas ab, dem wir jetzt noch nachgehen wollen. Alles ist noch nebulös.“

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