Handy statt Lichtschalter : Haselund liebäugelt mit „Knoop“

Simon Hansen stellt seine Idee derzeit im ganzen Land vor.
Simon Hansen stellt seine Idee derzeit im ganzen Land vor.

Ein junger Löwenstedter entwickelte eine individuelle Straßenbeleuchtungs-App – jetzt interessiert sich auch die Gemeinde Haselund dafür.

shz.de von
13. März 2018, 10:00 Uhr

Außergewöhnlich gut besucht war die jüngste Gemeindevertreter-Sitzung in Haselund. 16 Tagesordnungspunkte waren abzuarbeiten. Drei davon waren Feuerwehr-Belangen gewidmet: Thomas Flemig, der kürzlich zum stellvertretenden Gemeindewehrführer gewählt worden war, wurde von Bürgermeister Jan Thormählen vereidigt. Sein Vorgänger Florian Clausen wurde feierlich verabschiedet und Herbert Carstensen aus der Ehrenabteilung für mehr als 40-jährigen Dienst mit dem Brandschutzehrenzeichen in Gold am Bande ausgezeichnet.

Anschließend stellte Simon Hansen „Knoop“ vor – eine Projektidee, mit der die Straßenlaternen in der Gemeinde Löwenstedt von den Bürgern nachts nach Bedarf eingeschaltet werden können. Seit die Husumer Nachrichten Ende November darüber berichtet hatten, stand bei dem jungen Informatiker das Telefon nicht mehr still: Das mediale Interesse ist riesig. Gemeinsam mit seinem Mitstreiter Thies Jensen machte er deutlich, dass für die Nutzung der „Knoop“-App keine Änderungen an den 177 Haselunder Laternen nötig seien. „Wir müssten lediglich Steuergeräte an den vier Einspeisepunkten installieren“, sagte er. Sobald das geschehen ist, könnte jeder Bürger, der sich für die Nutzung freischalten lässt, nachts mit dem Handy das Straßenlicht einschalten, wenn im Dorf ansonsten gar keine Laternen mehr brennen. Wann, wie oft und wie lange das Einschalten möglich ist, könnte die 860 Einwohner zählende Gemeinde selbst festlegen und die Steuereinheiten entsprechend programmieren lassen.

„Der Mehrwert liegt nicht nur darin, die Bürger aktiv in das Thema Straßenbeleuchtung einzubeziehen und ihnen einen gewissen Komfort zu bieten. Es geht auch um die Sicherheit etwa bei Feuerwehr- und Rettungseinsätzen oder wenn lichtscheue Gestalten durch das Dorf schleichen“, erklärte Simon Hansen. Die einmalig entstehenden Kosten bezifferte er mit 1500 Euro pro Steuergerät. Kosten, die sich allerdings schnell amortisieren würden, denn schon bei einem Verzicht auf nur eine Stunde nächtlicher Beleuchtung sei ein Einsparpotenzial von 400 Euro pro Jahr möglich. Würde das Amt Viöl „Knoop“ flächendeckend einführen, wären sogar Einsparungen in Höhe von rund 5500 Euro möglich. Die Gemeinde Haselund wird sich nun ein konkretes Angebot unterbreiten lassen.

Hansen weist ausdrücklich darauf hin, dass sich der für die Steuergeräte genannte Preis reduziert, sobald mehrere Einspeisepunkte zu versorgen sind – so wie es in Haselund der Fall ist. Er bietet an, für jede Gemeinde, die sich für „Knoop“ interessiert, ein maßgeschneidertes Angebot zu erstellen. 

„Nach einer Verpuffung im Schützenheim ist das mehr als 50 Jahre alte und seit langem sanierungsbedürftige Gebäude nun endgültig abgängig“, machte der Bürgermeister in seinem Bericht deutlich. Dass die Räume mit einem speziellen Reinigungsverfahren wieder nutzbar gemacht werden könnten, bezweifelte er. Zudem sei unklar, ob die Versicherung den Schaden in Höhe von 5000 bis 10.000 Euro übernehmen wird. Mit Blick auf die geringen Mitgliederzahlen in der Sportschützensparte bekundete ein Vertreter des Sportvereins: „Ich glaube nicht, dass die Gemeinde da noch etwas investieren sollte. Uns wäre schon damit gedient, wenn wir irgendwo einen festen Platz zugewiesen bekommen, an dem wir trainieren können.“ In welche Richtung sich das Thema bewegen wird, ist noch unklar. „Wir werden uns aber bemühen, etwas für den Sport und andere Vereine in unserer Gemeinde anzustoßen“, versprach Thormählen.

Ein echtes Problem kommt im Sommer auf die Gemeinden Löwenstedt und Haselund zu, denn dann fehlen aller Voraussicht nach im gemeinsamen Kindergarten 15 Plätze. Da noch nicht klar ist, ob eine bauliche Erweiterung die passende Lösung sein könnte, muss vorerst eine Übergangslösung gefunden werden – etwa in Form einer Ausnahmegenehmigung für ein Jahr. Das sei für alle Beteiligten nicht schön, „aber wir sind dabei und bemühen uns“, betonte der Bürgermeister, der sich in diesem Punkt mit seinem Löwenstedter Kollegen einig ist. Auch über die deutlich erhöhten Elternbeiträge, die seit Anfang Februar greifen, soll noch einmal geredet werden.


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