Wahl in Schwabstedt : Hartmut Jensen – die Linke stellt erstmals Bürgermeister in SH

Holger Schwerdt (rechts) ernennt Hartmut Jensen zum Bürgermeister.

Holger Schwerdt (rechts) ernennt Hartmut Jensen zum Bürgermeister.

Mit Unterstützung der CDU erhielt der Kandidat in Nordfriesland eine Stimme mehr als sein Gegenkandidat.

shz.de von
29. Juni 2018, 18:50 Uhr

Schwabstedt | Idyllisch präsentiert sich die Gemeinde Schwabstedt (Kreis Nordfriesland) dem Besucher: gemütliche Reetdachhäuser, eine ehrwürdige Kirche, Handwerksbetriebe und Bauernhöfe und die Treene, die direkt am Ort vorbeifließt. Hier könnte der Besucher annehmen, regiert seit Jahrzehnten unangefochten die CDU, hier gibt es keine Querelen. Doch der Schein trügt: Schwabstedt ist die erste eigenständige Gemeinde in Westdeutschland, in der seit Donnerstag ein richtig roter Bürgermeister an der Spitze steht, hier mitten an der konservativen Westküste. Denn das frischgekürte Gemeindeoberhaupt Hartmut Jensen ist Mitglied der Partei „Die Linke“.

Aber beim näheren Hinsehen war der erste Eindruck des Besuchers doch richtig: Hartmut Jensen ist nur dank der Unterstützung der CDU überhaupt in die Nähe des Bürgermeisters-Stuhls gekommen, und letztlich hat ihm der einzige SPD-Gemeindevertreter in den Sattel geholfen. Ohnedem hätte es den Triumph der Linken, die diesen Erfolg nun auf allen Medienkanälen feiern, also nicht gegeben. Schließlich hat die Linke nur zwei Sitze im 13-köpfigen Gemeinderat, die CDU dagegen vier und die SPD einen.

Dabei hatte der SPD-Gemeindevertreter vor fünf Jahren noch den Kandidaten von FDP und Wählergemeinschaft Schwabstedt (WGS) unterstützt. „Nach politischen Differenzen bei einigen Themen in der vorigen Koalition habe ich mich intensiv mit CDU und Linken beraten und die größtmöglichen Schnittmengen gefunden“, erklärte Holger Schwerdt auf Anfrage unserer Zeitung seinen Wechsel. Und so finden sich FDP und WGS nun mit je drei Sitzen in der Opposition wieder. Ihr Kandidat, der bisherige Bürgermeister Jürgen Meyer, erhielt in der geheimen Wahl dann erwartungsgemäß auch nur sechs Stimmen. Nach dieser Niederlage trat er als Gemeindevertreter zurück.

Immer wieder Knatsch um den Bürgermeister-Posten

Vorausgegangen ist der Wahl der übliche Schwabstedter Knatsch um den Bürgermeister-Posten. In den vergangenen 15 Jahren hat es keiner geschafft, für eine zweite Amtszeit gewählt zu werden. Immer wieder fanden sich Konstellationen, die entweder den eigentlichen Wahlsieger aus Amt und Würden katapultierten, oder die eigenen Reihen standen nicht mehr hinter ihrem Bürgermeister. Und auch diesmal war die Stimmung gegen den bisherigen Amtsinhaber Jürgen Meyer (FDP), der von den 675 Wählern immerhin 203 Stimmen erhalten hatte, nur die CDU-Kandidaten hatten jeweils mehr.

Doch die CDU-Fraktion wollte wieder keinen eigenen Kandidaten aufstellen, aber wie schon bei der Wahl 2013 unterstützte sie Meyer nicht. „Wir alle vier sind das erste Mal im Gemeinderat, wir haben noch nicht die Erfahrung für ein solches Amt“, erklärte Marco Clausen-Hansen den Verzicht auf Nachfrage unserer Zeitung. Außerdem seien sie alle berufstätig. Die FDP sei zu keinem Gespräch über den Bürgermeister-Kandidaten bereit gewesen. So habe sich die CDU an die Linke gewandt.

Der Landesvorstand gratuliert dem neuen Bürgermeister

Trotz allem, die Linke ist stolz auf ihren ersten Bürgermeister in Westdeutschland: „Das Ergebnis bei der Gemeindewahl in Schwabstedt war mit 19,2 Prozent schon ein großer Erfolg für Die Linke. Nun noch den Bürgermeister zu stellen, setzt diesem Ergebnis ein i-Tüpfelchen auf“, so die Landessprecherin Marianne Kolter. Und der 57-jährige Hartmut Jensen selbst freut sich auf seine Aufgabe, ihn ficht das Zustandekommen nicht an: „Ich bin überzeugt, dass wir was verändern können in Schwabstedt und das wir gut zusammenarbeiten werden.“ Die Stimmung am Abend nach seiner Wahl auf den Straßen des Dorfs spricht dafür, viele freuten sich, dass es einen neuen Bürgermeister gibt. Allerdings hat es im Vorfeld auch viele kritische Stimmen gegeben.

Hartmut Jensen hat bereits einiges an regionalpolitischer Erfahrung gesammelt: So war er von 2008 bis 2013 Kreistagsabgeordneter, einige Jahre Kreisvorsitzender und ist seit 2007 Mitglied im Landesvorstand seiner Partei.

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