Löwenstedt : Handy statt Lichtschalter

Simon Hansen entwickelte die App „Knoop“ für bedarfsgerechte Beleuchtung.
Simon Hansen entwickelte die App „Knoop“ für bedarfsgerechte Beleuchtung.

Ein junger Löwenstedter entwickelte eine individuelle Straßenbeleuchtungs-App – jetzt interessieren sich auch andere Gemeinden für die Erfindung.

shz.de von
29. November 2017, 15:00 Uhr

Ein junger Löwenstedter hat für sein Dorf eine App entwickelt, mit der die Bewohner künftig nachts selbst bestimmen können, ob und wann Licht in den Straßen brennt. „Das ist nicht nur für die Umwelt gut, weil so die Lichtverschmutzung und der CO2-Ausstoß deutlich vermindert werden. Die App Knoop (plattdeutsch für Knopf) sorgt auch für mehr Sicherheit und entlastet die Gemeindekasse durch deutliche Reduzierung der Energiekosten“, sagt Simon Hansen. Dienstagabend stellte er seine Idee im Rahmen einer Bürgerversammlung in Löwenstedt vor.

Der 26-Jährige hat in Flensburg Informatik studiert und sich danach mit Studienkollegen selbstständig gemacht. Gemeinsam entwickeln sie individuelle Software und tüfteln nach Feierabend an eigenen Ideen. Simon sann darüber nach, wie er mit dem Smartphone dafür sorgen könnte, dass seine Wohnung bei der Rückkehr nicht ganz so dunkel ist. Schon von unterwegs wollte er das Licht und vielleicht auch andere Geräte einschalten können. „Smart Home“ sagen die Fachleute dazu. Gleichzeitig stellte er fest, dass manche Orte nachts auch dann taghell erleuchtet sind, wenn kein Mensch mehr auf den Straßen ist, während auf dem Lande meist gegen 1 Uhr die Lichter ausgehen – obwohl das halbe Dorf wegen einer Feier noch auf den Beinen ist. „Bedarfsgerecht sieht irgendwie anders aus“, dachte er sich. Nachdem er selbst einmal nachts nur mühsam nach Hause gefunden und sich unterwegs gewünscht hatte, wenigstens kurz per Knopfdruck Licht anmachen zu können, war die Idee einer Beleuchtungs-App geboren.

Bei seinem Bürgermeister Holger Jensen stieß Simon Hansen auf großes Interesse und auch die Gemeindevertretung diskutierte gerne mit ihm die Möglichkeiten, Voraussetzungen und Bedingungen. Dort stellte der Tüftler ein Konzept vor, das inzwischen in die Tat umgesetzt wurde. Zuerst wurde der Einspeisepunkt für die Straßenlaternen im Dorf mit einem Steuergerät versehen und so programmiert, dass alle Einwohner, die sich registrieren und freischalten lassen, die Lampen nachts mit ihrem Handy per Knopfdruck einschalten können. Aktuell brennen sie dann zwölf Minuten lang. Diese Zeit reicht in Löwenstedt für die meisten innerörtlichen Wegstrecken.

40 Freiwillige haben „Knoop“ ein paar Wochen lang getestet und dabei viel Potenzial für die Weiterentwicklung entdeckt. „Momentan wird es auf Knopfdruck noch überall hell, was sinnvoll sein kann, wenn dunkle Gestalten durchs Dorf ziehen. Für die Zukunft aber wollen wir erreichen, dass nur einzelne Straßenzüge beleuchtet werden können, und dass zum Beispiel von der Gaststätte aus die Laternen auch ohne Smartphone anzusteuern sind – per Hand, also mit einem richtigen Knopf“, sagt Simon Hansen.

Er ist bereits mit anderen Gemeinden im Kontakt, die Interesse daran signalisiert haben, ihre Straßenbeleuchtungen individuell zu digitalisieren. Die Anschaffung wird sich schnell amortisieren, meint er: „Wenn alle Laternen im Dorf nachts drei Stunden weniger brennen beziehungsweise nur bei Bedarf eingeschaltet werden, sind deutliche Kosteneinsparungen möglich.“ Das hat er bereits durchkalkuliert: „Löwenstedt hat 104 Lampen und kann so pro Jahr knapp 1.000 Euro sparen. In Viöl wäre der technische Aufwand etwas größer, weil es dort gleich neun Einspeisepunkte und 457 Leuchten gibt, dennoch rechne ich dort mit Einsparungen um die 4.000 Euro“, zeigt er sich zuversichtlich. Wohl müsste davon abgezogen werden, was durch die „Knoop“-Beleuchtung an Energie verbraucht wird, allerdings haben sich diese Kosten im Test als überschaubar erwiesen: „In Löwenstedt kostet jede Zwölf-Minuten-Beleuchtung etwa 20 Cent. Im Oktober sind dafür acht Euro aufgelaufen – inklusive der Extra-Schaltungen nach dem Ernteball.“

„Die App ermöglicht eine echte Win-win-Situation, für die Kommunen ebenso wie für die Umwelt“, sagt der junge Software-Entwickler, der seinen Teil dazu beitragen würde, dass die gesamte Region in Punkto bedarfsgerechter und umweltverträglicher Beleuchtung zum Vorbild wird. Interessierte Gemeinden dürfen sich gerne bei ihm melden. Info gibt es vorab unter www.knoop.sh.

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