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Zweifel an Gutachten : Handelsvereine für Klinik-Erhalt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der HGV-Verbund im Amt Nordsee-Treene spricht sich für den Fortbestand der Tönninger Klinik aus. Zugleich äußerten die Vertreter von Handel und Gewerbe Zweifel am Gutachten.

Unterstützung erhalten jetzt die Gegner der angedachten Tönninger Klinikschließung durch eine starke Interessenvertretung: Sämtliche im HGV-Verbund des Amtes Nordsee-Treene vereinten Vorstände votierten geschlossen für eine Resolution gegen diese Pläne. An der Zusammenkunft im Gasthof Harmsen in Rantrum nahm neben den sieben HGV-Vorständen als Hauptreferent auch Kreispräsident Heinz Maurus teil. Vertreten waren auch die Gewerbevereine Tönning und Viöl sowie Mildstedts HGV-Ehrenvorsitzende Telse Jacobsen und der Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins Hans-Jacob Peters. Vertreter der verschiedenen Seniorenbeiräte, kommunaler Verbände und Parteien ergänzten die Runde.

Verbundsprecher Bernd Häring stellte die Zusammenkunft unter das Leitwort „Krankenhausstrukturreform“. Dann seine scharfe Kritik: „Nur die finanzielle Seite zu betrachten, wäre am öffentlichen Interesse vorbei.“ Die Idee zur Beteiligung an den Protesten gegen eine Schließung der Tönninger Klinik hatte Mildstedts HGV-Vorstand Peter Koch. Der Kreissenioren-Beiratsvorsitzende Jochen Kleiber verlas das Antwortschreiben von Staatssekretärin Anette Langner aus dem Sozialministerium auf seine Anfrage. Darin ließ sie ihn wissen, „dass die Planungen des Kreises Nordfriesland ein größeres Angebot für Niebüll und ein medizinisches Versorgungszentrum für Tönning vorsehen.“

Kreispräsident Heinz Maurus wies unter anderem darauf hin, dass die Krankenhausplanung des Landes in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen geregelt sei: „Nordfriesland sind 411 Betten auf dem Festland und weitere 18 auf den Inseln zugestanden worden. „Ab 2017 wird das Krankenhausstrukturgesetz zum Tragen kommen – mit nochmaligen Veränderungen. Das Gesetz ist einvernehmlich beschlossen worden.“ Der Kreispräsident zu dem Einwurf, dass Krankenhäuser in den Bereich der Daseinsvorsorge fallen: „Daseinsvorsorge heißt nichts anderes, als dass ich in annehmbarer Entfernung eine Klinik finden muss.“

„Warum steht da Diako auf den Folien?“ fragte Koch. Das 176-Seiten starke Gutachten entstammt der Arbeit von Karl-Heinz Vorwig, der Ende September 2015 nach zwölfjähriger Tätigkeit als kaufmännischer Vorstand der Diakonissenanstalt Flensburg (Diako) in den Ruhestand gegangen ist. Peter Koch: „Ist die Diako ein Mitbewerber?“ Dazu der Kreispräsident: „Das Gutachten wird durch die BDO (Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) begutachtet.“ Maurus erläuterte unter anderem das Versorgungsprinzip „Golden Hour“, an das man bereit sei, sich zu halten: 15 Minuten bis zum Patienten, 15 Minuten Versorgung vor Ort und 30 Minuten bis zur Klinik. Lauter Zuruf: „Dann brauchen wir aber ein paar Rettungshubschrauber mehr.“ Maurus: „Der genannte Gutachter hat vorgeschlagen: Schließung der Klinik Tönning für stationäre Versorgung, Aufbau eines ambulanten Medizinischen Versorgungszentrums. Es geht hier nicht nur ums Geld, es geht um die medizinische Versorgung.“ Auf Nachfrage von Rüdiger Ostermeier sagte der Kreispräsident: „Ja, Ziel ist es, die Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft zu behalten.“

Scharfe Kritik vom Tönninger SSW-Vorsitzenden Helge Harder: „Das besagte Gutachten ist 176 Seiten stark. Die Kreistagsabgeordneten erhielten davon nur 25 Seiten. Die restlichen 151 Seiten durften sie in einem besonderen Raum ansehen – und nichts davon kopieren. Ich frage allen Ernstes: Auf welcher Grundlage sollen die Kreistagsabgeordneten denn entscheiden?“

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