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Angebot für Eiderstedts Landwirte : Hand in Hand für den Naturschutz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kreis Nordfriesland sucht Landwirte, die beim Eiderstedter Grabenentwicklungsprogramm mitmachen möchten. Es sollen damit Biotope für bedrohte Wiesenvögel geschaffen werden.

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erstellt am 01.Aug.2015 | 16:00 Uhr

Das Programm „Naturverträgliche Grabenentwicklung und -unterhaltung auf Eiderstedt“ hat die Pilotphase hinter sich und startet nun in die Umsetzung. Entwickelt haben es der Kreis Nordfriesland und der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt. Damit soll der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten vergrößert werden.

Die zahlreichen Gräben prägen die Eiderstedter Landschaft. Sie dienen von der schmalsten Grüppe bis zum breiten Sielzug der Entwässerung des flachen Landes. Allerdings sind die Parzellengräben, von denen es 4500 Kilometer auf der Halbinsel gibt, als solche vielerorts kaum noch zu erkennen: Schilf wuchert in ihnen, Schlamm hat sich abgelagert. Als Lebensraum für Fische, Insekten und andere Tierarten, aber auch für viele Pflanzen können die Gräben so nicht dienen. Und damit auch nicht als Nahrungslieferant für die bedrohten Wiesenvögel und ihre Küken. Dabei galt und gilt die Halbinsel als wichtige Kinderstube und Lebensraum für Uferschnepfe, Brachvogel und Rotschenkel, besonders auch für die vom Aussterben bedrohte Trauerseeschwalbe.

Der Wandel in der Landwirtschaft ist für diese Entwicklung verantwortlich. Früher grasten auf den Weiden Milchkühe und Ochsen, die nicht eingezäunt werden mussten. Die Entwässerungsgräben bildeten ihre Grenze. Heute sind auf den Fennen meist Bullen zu finden, die aus Sicherheitsgründen mit einem Zaun auf der Fläche gehalten werden müssen. Die Gräben mit ihren flachen, begrasten Ufern wurden nicht mehr gebraucht und daher oft nicht gepflegt.

Vor zwei Jahren wurde das Programm der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Pilotphase wurden 3,7 Kilometer Parzellengraben in Stand gesetzt. Sechs Landwirte beteiligten sich in den Bereichen Kirchspiel Garding, Poppenbüll und Kotzenbüll, etliche Flächen liegen im EU-Vogelschutzgebiet. Im einzelnen wurden die Wasserläufe von Schilf befreit und entschlammt, wie Franz Brambrink von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises erklärt. „Sie haben ein neues Profil erhalten, die Ufer neigen sich flacher, die Wassertiefe ist verändert, weil Schlamm entfernt wurde.“ Er betont, dass die Grabensohle nicht vertieft worden ist. Vor allen Dingen die flachere Uferneigung ist wichtig. So könne das Vieh Schilf und Bewuchs abweiden und schaffe damit für die Wiesenvögel und ihren Nachwuchs einen Bereich, in dem sie im feuchten Boden nach Insekten und anderer Nahrung stochern können. Mehr Wasser im Graben gibt auch mehr Fischen einen Lebensraum, ebenfalls Nahrungsgrundlage vieler Vogelarten. Und als Nebeneffekt wird auch der Regenrückhalteraum, auch Retentionsraum genannt, größer. Bei Stark- oder Dauerregen könnte die Landschaft also mehr Wasser aufnehmen. Vorbereitet, begleitet und begutachtet wird das Projekt von Klara Artmann und Jan Blew vom Büro Bio-Consult aus Husum in Zusammenarbeit mit Claus Ivens aus Kotzenbüll.

Das Programm soll nun also fortgesetzt werden. Angelegt ist die Grabenpflege auf eine Dauer von 20 bis 25 Jahren. Alle fünf bis zehn Jahren soll geräumt werden. Die Arbeiten werden vom Land bezahlt. Der Landwirt ist verpflichtet eine bestimmte Wasserhöhe einzustauen. „Eine Prämie gibt es nicht“, so Brambrink. „Aber man hat den Vorteil eines geräumten Graben.“ Erwünscht sind zusammenhängende Grabensysteme von mindestens fünf Kilometern Länge, mehrere Landwirte können sich also zusammentun.

Allein beim Verein Weideland Eiderstedt haben sich schon zwölf gemeldet, wie der Vorsitzende Claus Ivens berichtet. Er begrüßt das Projekt, mahnt er doch schon seit Jahren die Grabeninstandhaltung aus Naturschutzgründen an: „Wenn wir die Wiesenvögelbestände halten wollen, muss sich an der Wasserwirtschaft auf Eiderstedt etwas ganz gravierend ändern.“

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