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Landunter, Sturm und Gewitter : Halligleute trotzen dem Orkan

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Weltuntergangs-Stimmung erlebten die Halligbewohner als das Orkantief „Christian“ tobte. Die ersten Schäden sind beseitigt, die Dächer notdürftig ausgebessert.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2013 | 21:00 Uhr

„So schlimme Schäden hatten wir lange nicht mehr nach einem Sturm. In die Reetdächer sind teilweise großflächige Löcher gerissen und die Dächer ausgefranst worden.“ Volker Mommsen klingt am Telefon noch etwas atemlos. Denn auf Gröde hat am Dienstag das große Aufräumen begonnen. Und nach unserem Gespräch geht es für den Hallig-Bürgermeister sofort weiter mit der Arbeit – bei ihm hat der heftige Wind auch noch das Gewächshaus zerlegt. „Zum Glück hatten wir keine Springtide. Das Niedrigwasser ist schnell aufgelaufen und staute sich, aber wir hatten Wasserstände unter zwei Metern und die sind noch gut zu beherrschen für uns. Landunter hatten wir gegen 16 Uhr“, beschreibt Volker Mommsen den Orkan-Nachmittag auf dem kleinen Eiland.

Von Stromausfällen blieben die Gröder nicht verschont. Doch im Gegensatz zu den meisten Festlands-Nordfriesen haben Halligbewohner Notstromaggregate in ihren Häusern. Dem Hallig-Bürgermeister hat „Christian“ nochmals deutlich vor Augen geführt, was es bedeutet, mitten im Meer zu leben: „Da gibt es einfach eine Unsicherheit.“

Da am Dienstag der Wind zeitweise noch heftig über die Hallig blies, hieß es für die neun Gröder zwischendurch abwarten, bis es hoch hinaus aufs Dach gehen konnte, um die Löcher im Reet zumindest provisorisch mit Planen abzudichten. Denn bis ein Dachdecker Zeit für Termine in der Halligwelt hat, kann es etwas dauern.

Selbst die 87-jährige Mutter von Halligbewohnerin Ruth Hartwig-Kruse war am nächsten Tag noch geschockt vom Orkan. Und die alte Frau hat schon etliche Stürme auf Nordstrandischmoor miterlebt. Auch ihre Tochter befand: „Wir haben unseren Humor nicht verloren. Aber am Montag herrschte bei uns Weltuntergangs-Stimmung. Landunter, Sturm und später noch Gewitter – das reichte. Auch wenn wir wassertechnisch Glück hatten.“

Stromausfall gab es für die 21 Nordstrandischmoorer nicht, aber keinen Empfang für Handys – und beim Nachbarn der Kruses hat ein Blitz die Telefonanlage zerstört. Statt Reet sind die Häuser auf der Hallig mit Pfannen eingedeckt, und von denen sind zahlreiche vom Orkan mitgerissen worden – so ist das halbe Dach der Schule vom Winde verweht worden. Dass Ferien auf einer Hallig etwas ganz Besonderes sind, erlebten die Gäste von Ruth Hartwig-Kruse. Die beruhigte die Hallig-Frau mit ihrer herzlichen Art. Am Ende trieben Gastgeberin und Urlauber zusammen rund 150 Schafe aus dem Vorpferch in den Stall.

Die Sturmflut an der Westküste blieb nach den ersten Kontrollergebnissen des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in Husum ohne nennenswerte Schäden an den Landesschutzdeichen. Die Treibsel-Räumung ist demnach bereits angelaufen. An der Westküste Sylts sind Randdünenverluste und auf Amrum geringe Sandverluste eingetreten. Auf Föhr sind keine Schäden zu verzeichnen.

Die nordfriesischen Feuerwehren sind am Montag Hunderte von Einsätzen im Kreisgebiet gefahren – 355 auf Anforderung und etwa 200, wenn vor Ort oder irgendwo unterwegs Not am Mann war. Da der Notruf nach Angaben des Kreises von 15.42 bis 16.40 Uhr ausgefallen war, wurden Amtswehr-Führungsstellen in Niebüll, Husum und Garding eingerichtet. An diese gab die Leitstelle die Meldungen weiter. Auf den Inseln waren Einsatzstellen in Wittdün, Wyk und Westerland besetzt. Auch im Kreishaus traf sich stündlich ein kleiner Krisenstab.

Nachdem die Bundesstraße 5 bereits am Montag wegen mehrerer Lkw-Unfälle für längere Zeit gesperrt werden musste, wurde am Dienstag auf der Eiderbrücke bei Tönning ein Bus von einer Windböe erfasst und in einen Sielzug gedrückt.

Und für alle Wälder in Nordfriesland verhängte die Oberste Forstbehörde ein Betretungsverbot.

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