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Verunreinigungen von Stränden : Halligkonferenz: Paraffin gehört nicht ins Meer

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es ist ein Teilerfolg für die Insel- und Halligkonferenz: Der Bundesverkehrsminister will sich bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation für ein Einleitverbot einsetzen.

Midlum | Im März spülte Treibgut besonderer Art an nordfriesische Strände: Brocken von Paraffin führten zu großflächigen Verunreinigungen, die eine Gefahr für Vögel (Verklebungen) darstellten. Im vergangenen Jahrzehnt gab es zahlreiche Fälle von Paraffinverschmutzungen an den Küsten der Nordsee.

Die Insel- und Halligkonferenz hat auf diese umweltschädlichen Anspülungen reagiert und die Politik angeschrieben. „Die Insel- und Halligkonferenz fordert, dass Rechtsvorschriften geschaffen werden, um die Entsorgung von Paraffin oder anderen ölhaltigen Mischungen und Rückständen schädlicher Flüssigkeiten in europäischen Meeren zu verbieten“, erklärt Manfred Uekermann, Vorsitzender der Insel- und Halligkonferenz.

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) unterstützt dieses Anliegen. „Beide Organisationen fordern, Paraffin im MARPOL-Übereinkommen auf die Liste der Materialien zu setzen, die nicht in das Meer eingeleitet werden dürfen“, erläutert der Vorsitzende der SDN, Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen. MARPOL steht für ein Internationales Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe. Generell werden die Forderungen unterstützt, wie aus einem aktuellen Schreiben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt an die Insel- und Halligkonferenz hervorgeht. In sein Ressort fällt die Sicherheit auf See. International ist die IMO (International Maritime Organization) zuständig.

Paraffin wird in Tankschiffen als Massengut transportiert. Kerzen sind eines der bekannten Produkte, die aus Paraffin hergestellt werden. Doch der Stoff ist auch Bestandteil von Rohöl und lagert sich an den Wänden der Tanks und der Pumpschläuche der Schiffe ab. Bei der Reinigung werden dann Reste von Paraffin- und Reinigungsmitteln manchmal über Bord gespült. „Außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone gibt es kein Verbot, Paraffin nach einem Vorwaschverfahren in die Nordsee einzuleiten“, rügt Geschäftsführerin Natalie Eckelt, „Das ist nicht verantwortbar und nicht nachhaltig. Daher muss gehandelt werden“.

Bis 2004 wurde Paraffin als nicht gefährlich eingestuft. Dann ist es auf die Liste der umweltgefährdenden Stoffe (Y- Kategorie aus dem MARPOL-Vertrag) der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation gesetzt worden und darf seitdem nur in Doppelrumpf-Tankern transportiert werden. „Wir fordern, dass die Einleitung von Paraffin komplett verboten wird“, betont Eckelt. „Wenn Schiffe ihre Tanks außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone spülen dürfen, dann nur, weil die Einleitung von Paraffin und anderen Ladungsrückständen nicht als Problem angesehen wird.“

Dass diese Annahme offensichtlich falsch ist, zeigen die Auswirkungen, die solche Verschmutzungen in Bereichen des Weltnaturerbes Wattenmeer und der Küstenregion haben. „Die Kosten, die der Verursacher durch Einleitungen für sich erspart, werden auf die Küstengemeinden verlagert. Da die Substanz über weite Strecken am Strand verteilt wird, zieht dies kostspielige Aufräumarbeiten für die Gemeinden nach sich“, hält Uekermann fest. „Jetzt erwarten wir von den Politikern in Berlin und Brüssel, dass sie umgehend und zufriedenstellend reagieren.“

Mit dem hoffnungsvollen Schreiben aus Berlin scheint der Weg in die richtige Richtung zu gehen. Bundesverkehrsminister Dobrindt unterstützt das Anliegen der Nordfriesen und will gemeinsam mit Großbritannien einen Antrag in den Umweltausschuss der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation einbringen und beschließen lassen. Dann könnte das Thema als Priorität im Unterausschuss weiter bearbeitet werden. Die nächste IMO-Sitzung ist im Herbst. „Wir werden unterstützend tätig werden“, betont der Vorsitzende der Insel- und Halligkonferenz.

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erstellt am 11.Aug.2014 | 16:00 Uhr

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