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Preisverleihung im Schloss vor Husum : Häuser sind Zeugen unserer Vergangenheit

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am Montag (14. April) erhält Gerd Kühnast im Schloss vor Husum den Dr.-Hartwig-Beseler-Preis des Denkmalsfonds Schleswig-Holstein: Der Geehrte bezeichnet sich nicht als „Hardliner, wohl aber als entschiedenen Verteidiger alter Bausubstanz.“

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erstellt am 14.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Im Rahmen der 40. Mitgliederversammlung des Denkmalsfonds Schleswig-Holstein erhält Gerd Kühnast (77) am Montag, 14. April, im Rittersaal des Schlosses den Dr.-Hartwig-Beseler-Preis 2014. Der Denkmalfonds würdigt damit Kühnasts unermüdlichen Einsatz für den Erhalt des architektonischen Erbes im Kreis Nordfriesland. Die Laudatio hält Prof. Dr. Joachim Reichstein, Schleswig. Die öffentliche Versammlung beginnt um 14.30 Uhr.

 

Beseler ist in Husum ja kein unbekannter Name. Es gibt die Beselerstraße, und es gab ein Beseler Haus, das, wenn es nach Ihnen gegangen wäre, gewiss noch stünde. Reiner Zufall oder gibt es eine Verbindung zwischen den Beselers?

Hartwig Beseler bin ich dreimal begegnet. Beim ersten Mal hat er 1982 – zwei Jahre nach der Gründung der Interessengemeinschaft Baupflege. Im Rittersaal des Schlosses hat er über das Thema „Gedanken zum Denkmalschutz in Schleswig-Holstein“ gesprochen. Das zweite Mal trafen wir uns 1984 bei der Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalpflege in Trier und zuletzt im Winter 2005/2006. Da kämpften wir für den Erhalt des Beseler Hauses. Als Nachfahre der einstigen Besitzer hatten wir auch ihn eingeladen. Dass das Haus am Ende doch abgerissen wurde, war eine Schande, zumal die Kreuzung, der es weichen musste, zwei Jahre später schon wieder gesperrt wurde.

 

Was hat Ihr Interesse am Denkmalschutz geweckt? Späte Leidenschaft oder haben Sie sich schon früher dafür interessiert?

Ich habe schon immer Häuser fotografiert. Als ich 13 Jahre alt war und mit dem Fahrrad zu meiner Großmutter nach Schleswig gefahren bin, fand ich im Straßengraben ein Bilora Box. Die habe ich beim Fundbüro abgegeben und später wiederbekommen, weil sich keinen Besitzer fand. So entstanden die ersten Bilder. Ab 1953 hatte ich dann eine Kleinbildkamera und begann unsystematisch Häuser zu fotografieren. Sonst war ich eher naturkundlich interessiert.

 

Aber das Interesse an alten Häusern ist geblieben?

Ja. Als Ende der 1970er-Jahre in Bargum das kleine Armen-Haus der Gemeinde abgerissen werden sollte, bin ich zum Bürgermeister gefahren und habe ihm erklärt, dass ich das Gebäude gern abtragen und bei mir im Garten wieder aufbauen würde. Das haben wir dann auch getan. Es steht immer noch dort. Als ich auf dem Sylter Friesen-Kongress 1979 dann einen Vortrag von Carl-Ingwer Johannsen, (dem Leiter des Freilicht-Museums Molfsee, Anm. d. Red.) über „Baustile in Nordfriesland“ hörte, wurde das für mich zum Schlüsselerlebnis. Danach haben die jungen Leute beim Nordfriisk Instituut eine Arbeitsgemeinschaft gegründet. Daraus ging 1980 die Interessengemeinschaft und ein Jahr später die vereinseigene Zeitschrift, Der Maueranker, hervor. Der hält zusammen und verbindet.

 

Nun ist für viele Denkmalschutz nichts anderes als der Erhalt von alten Gebäuden um jeden Preis – und sei es, dass man sie nach der Unterschutzstellung für nichts mehr nutzen kann. Was halten Sie solchen Äußerungen entgegen?

Dass der Denkmalschutz historische Gebäude vor dem Verschwinden schützen soll. Alles andere ist böswillige Verleumdung. Denkmalschutz verbietet ja durchaus nicht alles. Und am Ende nützt er gar nichts, wenn jemand ein Gebäude unbedingt weghaben will. Denkmäler sind Zeugnisse früherer Zeiten, an denen sich ablesen lässt, wie Menschen gelebt und gewirtschaftet haben.

 

Aber muss der Denkmalschutz sich nicht tatsächlich wandeln, wenn er angesichts leerer Staatskassen dauerhaft eine Chance haben will? Dänen und Niederländer machen es doch vor: behutsame Nutzung historischer Gebäude bei gleichzeitigem Erhalt der Bausubstanz und ihres Charakters. Sind wir Deutsche da zu streng?

Nein, Holländer und Dänen waren im Denkmalschutz nur früher als wir sehr viel konsequenter. In Husum hat das mit dem Denkmalschutz dagegen häufig nicht so gut geklappt. Viele denkmalwürdige Gebäude wurden abgerissen. Man geht hier mit dem Bauerbe zu leichtfertig um. Von zu strengem Denkmalschutz kann keine Rede sein.

 

Nun geht man mit der Stadt, in der man lebt, gemeinhin ja besonders hart ins Gericht. Wenn Sie an Husum denken in der Nacht, was bringt Sie da als Denkmalschützer um den Schlaf?

Dass die Stadt bisher zu wenig tut, das Stadtbild zu erhalten. Es gibt eine Stiftung zur Erhaltung des Stadtbildes und eine Erhaltungssatzung, die aber nicht angewendet wird. Was zwischen denkmalgeschützen Gebäuden steht, wird zu oft bedenkenlos zum Abriss frei gegeben. Das Stadtbild lebt aber von der Vielzahl der Gebäude als Ensemble, das die Geschichte widerspiegelt, und das man nicht beliebig verändern sollte. Dass das alte Rathaus wirklich zum Verkauf angeboten worden ist, bleibt ein Alptraum. Es beglückt mich, dass ich das mit Mitstreitern verhindern konnte.


Was kann die IG Baupflege daran ändern?

Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Stadt dringend eine Bestandsaufnahme braucht. Im Übrigen sind wir nicht gegen Neubauten. Wir plädieren aber für einen sensiblen Umgang mit alter Bausubstanz. In nahezu jedem „Maueranker“ ist die Rubrik „Das bedrohte Haus“ zu finden. Das Ostenfelder Bauernhaus gehörte auch dazu.

 

Der Druck auf die Städte wächst. Immer mehr Menschen ziehen auf der Suche nach Arbeit in die Metropolen. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Denkmalschutz?J

Ja, die Landflucht ist ein Problem. Durch die fehlende Infrastruktur werden viele Dörfer regelrecht entleert. Die Dorferneuerung in den 1980er- und 90er-Jahren, die das Leben im Dorf verbessern wollte, ist fast vergessen. Für die Städte muss das aber kein Nachteil sein. Allerdings gerät durch die zunehmende Verdichtung natürlich auch der alte Baubestand unter Druck.

Junge Architekten sind ja auch nur junge Menschen mit Architektur-Studium. Die alten Bildungshorizonte verblassen. Zeitgenössische Künstler kennen teilweise schon kein Plagiat mehr, bedienen sich nach Bedarf aus dem gesamten Fundus von Klassik und Moderne. Auch in der Architektur sind entsprechende Tendenzen erkennbar. Altes wird mit Neuem kombiniert, manchmal höchst unkonventionell. Ist das eine bedrohliche oder eher förderliche Entwicklung im Umgang mit alter Bausubstanz?

Bisher war das Neue ja immer als solches sichtbar. Alt und Neu können sich im Übrigen durchaus gut vertragen. Als bedrohlich empfinde ich das nicht. Und die Entwicklung ist ja auch spannend. Ich war nie ein Hardliner im Denkmalschutz, wohl aber in der Verteidigung von Denkmälern.

 

Warum ist Denkmalschutz so ein Nischen-Thema. Jeder freut sich beim Besuch alter Städte, dass es sie noch gibt, doch aktiv setzen sich nur wenige dafür ein?

Das sehe ich nicht so. Wir haben in den letzten Jahren einen großen Zuwachs an Mitgliedern – alte und junge. Die Erhaltung alter Bausubstanz interessiert die Leute, auch wenn sich nicht alle dafür einsetzen.

 

Was nützt der beste Denkmalschutz, wenn sich Hausbesitzer nicht daran halten? Muss da gesetzlich nachgebessert werden?

In vielen Fällen würde es wahrscheinlich genügen, die bisher bestehenden Regelungen anzuwenden.

 

Den Hans-Momsen-Preis haben Sie ja auch schon bekommen. Was bedeutet Ihnen die neue Würdigung?

Ich empfinde sie als Ehre, zumal es eine landesweite Auszeichnung ist. Aber ich freue mich auch deshalb, weil die IG Baupflege mit geehrt wird.

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