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Neue Halle für Gefahrgut-Löschzug : Hängepartie für Feuerwehr ist vorbei

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach langem Hin und Her um die Kosten bekommt der Gefahrgut-Löschzug des Kreises Nordfriesland eine neue Fahrzeughalle. Die Kosten belaufen sich auf 1,1 Millionen Euro.

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erstellt am 17.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Sie sind eigens ausgebildet, überall im Kreisgebiet einsatzbereit und haben es mit Stoffen zu tun, die der Laie in aller Regel nicht einmal als gefährlich erkennt: Der mehr als 90 Kräfte starke Gefahrgut-Löschzug Nordfriesland mit seiner Spezialausrüstung und Ergänzungseinheiten in Tönning, Garding, Leck und Westerland wird immer dann gerufen, wenn es brenzlige Situationen oder Unfälle mit chemischen, biologischen oder anderen Risiko-Stoffen gibt. So wichtig der Spezialzug des Kreises Nordfriesland mit seinen Freiwilligen ist, so behelfsmäßig ist er untergebracht. Eine angemietete Fahrzeughalle im Husumer Gewerbegebiet wird weder den Anforderungen der Einsatzkräfte noch Vorgaben der Berufsgenossenschaft gerecht. Nach langem Hin und Her um Kostenfragen ist Abhilfe in Sicht: Der Finanz- und Bauausschuss des Kreises hat den Sperrvermerk im Etat 2016 aufgehoben und Mittel in Höhe von 1,1 Millionen Euro für den dringend benötigten Neubau freigegeben.

Gebaut werden soll die neue Fahrzeughalle des Gefahrgut-Löschzuges auf dem Gelände der Kreisfeuerwehrzentrale direkt an der Husumer Umgehungsstraße. Durch die logistisch sinnvolle Anbindung lassen sich Kosten für Grundstück, Waschhalle und Parkplätze sparen. Der Zweckbau soll acht Fahrzeuge, Lagerflächen sowie kleine Umkleide- und Schulungsräume aufnehmen. Vom Bund avisiert ist ein CBRN-Erkunder, ein Messfahrzeug für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahrstoffe.

Davon, dass die jetzige Bleibe des Löschzuges Gefahrgut nicht mehr als ein Provisorium ist, hatten sich die Mitglieder des Finanz- und Bauausschusses bereits im Herbst 2015 bei einem Lokaltermin selbst überzeugt. „Die Situation ist katastrophal. Da muss etwas passieren, und zwar schnell“, konstatierte denn auch der Vorsitzende Florian Lorenzen in der jüngsten Sitzung. Dass sich einige Kreispolitiker dennoch bis zuletzt schwer damit taten, grünes Licht für die Investition zu geben, hatte zwei Gründe: Zum einen müssen aufgrund der prekären Finanzsituation des Kreises alle nach wie vor jeden Euro zwei Mal umdrehen, bevor er ausgegeben wird. Zum anderen hatte ein Planungsfehler die ehrenamtlichen Kreispolitiker zunächst auf eine völlig falsche Fährte geführt: Ursprünglich tauchte das Neubau-Projekt mit Kosten von 450  000 Euro in der Finanzplanung des Kreises auf. „Das war keine ernsthafte Planungsgrundlage“, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Nissen. „Diese Zahl hätte niemals in den Haushalt gestellt werden dürfen“, ärgerte sich Florian Lorenzen. Denn die erste realistische Schätzung danach wirkte mit einer Summe von 1,14 Millionen Euro gefühlt wie eine Kostenexplosion. „Es ist eine einfache Halle, da ist kein Schnickschnack dran“, beruhigte Manuel Dycker vom Husumer Architektenbüro Johannsen und Fuchs die Skeptiker, nachdem die kalkulierten Kosten bereits um einige Zehntausend Euro reduziert worden waren. Der CDU-Fraktion reichte das freilich immer noch nicht, zumal sich ihre Vertreter bei dem Bauvorhaben größere Synergieeffekte durch die räumliche Nähe zur Feuerwehr-Zentrale erhofft hatten, wie Frank Petersen deutlich machte.

Mit einer reinen Fahrzeughalle wäre dem Gefahrgut-Löschzug jedoch nicht geholfen, so dessen Leiter Markus Knoblauch. Die jetzige Planung entspreche den Vorgaben der Feuerwehr-Unfallkasse und ermögliche eine vernünftige Theorie-Ausbildung oder Fortbildungen: „Das fehlt zurzeit komplett und demotiviert den Laden unheimlich.“ Die Zentrale nebenan sei abends und an den Wochenenden von den mehr als 5000 ehrenamtlichen Mitgliedern der 132 nordfriesischen Wehren bereits komplett ausgelastet. „Wir würden uns gegenseitig auf die Füße treten“, so der stellvertretende Kreiswehrführer Wolfgang Clasen. Und Kreisbrandmeister Christian Albertsen machte deutlich, dass die Freiwilligen des Gefahrgut-Löschzuges nach schweren Einsätzen – zuletzt etwa bei Suiziden in Zusammenhang mit Blausäure oder Kohlenmonoxid – nicht einfach nach Hause geschickt werden sollten. „Sie müssen auch zur Ruhe kommen können. Sie machen schließlich Arbeit für uns alle.“

Der CDU-Antrag, zunächst lediglich Planungskosten freizugeben und Details noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, fand dann auch keine Mehrheit. Bei einigen Enthaltungen winkte der Ausschuss die Millionen-Investition schließlich durch.

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