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Pläne für vier Ställe in der schublade : Hähnchen-Mast im großen Stil

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein dänischer Unternehmer plant in Langenhorn Stallungen mit 160.000 Plätzen hinter seiner Biogas-Anlage. Die Gemeinde und der Investor sichern den Bürgern von Beginn an Transparenz zu.

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erstellt am 11.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Noch kräht kein Hahn danach – aber spätestens ab heute wird es Thema in Langenhorn und in der Region. Ein dänischer Unternehmer plant nämlich eine riesige Hähnchenmast-Anlage am Rande des Dorfes. Auf dem Gelände nördlich der Biogasanlage am Redlingsweg sollen nach seinen Vorstellungen vier Hühnerställe entstehen, in der jeweils 40.000 Tiere gemästet werden. Das sind 160.000 Tiere – eine Größenordnung, die es bisher in Nordfriesland noch nicht gibt.

Der Bürgermeister der 3000-Seelengemeinde wird heute beim Neujahrsempfang das Thema kurz anreißen. Die Betonung liegt auf kurz, denn: „Wir stehen mit der Beratung noch ganz am Anfang, und wir müssen sehen, wie wir mit dem Thema umgehen.“ Der Antrag zur Einleitung eines Bauleitplanungsverfahrens ging am 2. Dezember beim Amt Mittleres Nordfriesland ein. Die Gemeindevertretung verwies ihn an den Bauausschuss, der sich zunächst mit dem Thema befassen soll. Aber eines steht für Bürgermeister Horst Petersen fest: „Wir werden die Öffentlichkeit rechtzeitig mit einbeziehen.“ Denn er weiß, dass dies ein heißes Eisen ist und gerade in der von der Windkraft-Debatte gebeutelten Kommune zum nächsten Zankapfel werden könnte.

Auch Rainer Block, dem Sprecher des Unternehmers, ist klar, dass allein schon das Stichwort Hähnchenmast-Anlage für viele ein Reizwort ist. Deshalb ist ihm Transparenz wichtig. Er kündigte an, zusammen mit Robert Helge Beck bei einer öffentlichen Bauausschuss-Sitzung Rede und Antwort zu stehen.

Robert Helge Beck (37) ist gebürtiger Däne mit englischen Wurzeln. In England hatte der Landwirt die erste private Biogas-Anlage als Pilotprojekt betrieben. „Er ist mit dem Kopf Landwirt und mit dem Herzen für erneuerbare Energie“ beschreibt Block den Unternehmer, der von Flensburg aus eine Beratungsfirma für dänische und schwedische Landwirte betreibt. Im April vergangenen Jahres kaufte Robert Helge Beck der Gemeinde Langenhorn ihre Biogas-Anlage ab und betreibt sie mit Mais aus Dänemark. Mit der gewonnenen Wärme versorgt er das Wohngebiet und die Schule – aber die Anlage ist mit einer Leistung von 670 Kilowatt längst nicht ausgelastet. Sollte der Bau der Hühnerställe genehmigt werden, könnte die Nutzung der Prozesswärme von 40 auf 90 Prozent erhöht werden, kündigt er in seinem Antrag an. Die 2000 Quadratmeter großen Hallen könnten auf die erforderlichen 34 Grad (bei Einstallung) erwärmt werden, Solaranlagen auf den Dächern sollen den Strom für Beleuchtung, Klimatisierung und Lüftung der Ställe liefern. „Der Synergieeffekt wäre beachtlich“, so Sprecher Block. Der Hühnermist wandert – zusammen mit Mais – in die Biogasanlage. Die Gärreste kommen als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen. Die Mast der Hähnchen und Hühnchen soll laut Block nach dänischem Modell erfolgen. Das heißt: zu 100 Prozent frei von Medikamenten. „Es wird entsprechend auch keinen prophylaktischen Einsatz von Antibiotika geben“, betont Block. Das Konzept sieht vor: Die Tiere werden als Ein-Tages-Küken angeliefert. Sie laufen frei in der Halle, der Betonboden ist mit Torf und kleinen Stroh-Pellets eingestreut, die Futter- und Wasserbehälter hängen an Seilen, so dass größtmögliche Hygiene gewährleistet ist. Nach etwa acht bis neun Wochen sind sie schlachtreif. „Wir distanzieren uns von den großen Schlachthof-Konzernen“, so Block. Das Federvieh soll auf möglichst kurzen Transportwegen zu einem freien Schlachthof gefahren werden.

Doch dies alles ist bislang erst einmal nur das Konzept. Noch wisse man nicht, „wohin die Reise geht“, drückte es der Sprecher der Langenhorn Biogas GmbH gestern aus. „Für die Gemeinde ist das alles Neuland. Da muss man sich mit beschäftigen.“ Er wolle auf jeden Fall den Gemeindevertretern und allen Interessierten anbieten, sich die Geflügelfleisch-Produktion in Dänemark anzusehen. Block ist sich auf jeden Fall sicher: Mit den Hähnchen-Mastställen wäre die Daseinsberechtigung der Biogas-Anlage in Langenhorn gewährleistet. Eine Geruchsbelästigung brauche niemand zu befürchten, und der Lkw-Verkehr auf den Straßen werde reduziert.

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