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Denkmalschutz kein Argument : Gute Nachricht für Tatinger Windmüller

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Genehmigungsverfahren für das Repowering der beiden Windparks muss nach Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht wieder aufgenommen werden. Die denkmalschutzrechtlichen Bedenken wurden bei einem Ortstermin ausgeräumt.

Deutlich Rückenwind haben die Gesellschafter der beiden Tatinger Windparks für ihr geplantes Repowering erhalten. Die Bedenken der Denkmalschutzbehörden wurden in einer Verhandlung des Verwaltungsgerichts mit Ortstermin vom Tisch gewischt. Dem Landesamt für Landwirtschaft, Umweltschutz und ländliche Räume (LLUR) wurde aufgegeben, das Genehmigungsverfahren wieder aufzunehmen. „Ich rechne noch in diesem Jahr mit einem Okay“, sagte Hans-Peter Petersen, Geschäftsführer und Gesellschafter der Nordwind Tating. Er und Dr. Friedich-Wilhelm Lück, Geschäftsführer und Gesellschafter der Windstrom Tating, sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Gerichtsverhandlung. „Seit zweieinhalb Jahren warten wir auf eine Entscheidung, wir haben viel Geld verloren“, so Petersen.

Geplant ist Folgendes: Die Nordwind Tating betreibt derzeit vier Windkraftanlagen (WKA) östlich von Tating, sie haben jeweils eine Gesamthöhe von 60 Metern. Alle vier sollen durch vier 99,5 Meter hohe 2,3-Megawatt-Anlagen ersetzt werden. Die Windstrom Tating nennt sechs Anlagen ihr eigen, sie stehen westlich des Dorfes. Diese sollen durch fünf 2,3-MW-Windräder mit einer Höhe von 99,5 Meter ersetzt werden. Künftig sollen sich also statt zehn neun Windräder im Tatinger Gemeindegebiet drehen.

Nicht alle wird die Entscheidung des Gerichts freuen. Ein Repowering in Tating ist schon länger umstritten. Während die jetzige Gemeindevertretung voll dahinter steht, haben die Nachbargemeinden St. Peter-Ording und Tümlauer-Koog aus touristischen Gründen Bedenken. Auch das Eiderstedter Forum, das einst aus dem Tatinger Bürgerforum hervorging, hat immer wieder vor einer „Verspargelung“ der Kulturlandschaft Eiderstedt mit Windrädern gewarnt. Sie alle hatten Hoffnung geschöpft, als es um die Fortschreibung des Regionalplans V für Nordfriesland ging. Der Kreistag hatte sich dabei im Dezember 2009 für eine Freihaltung der Halbinsel von Windkraft ausgesprochen. Ein Repowering in Tating wäre damit ausgeschlossen gewesen. Doch die beiden Windpark-Geschäftsführer blieben nicht untätig, wie Petersen auf Nachfrage erklärt. Sie brachten das Landeskabinett dazu, sich im November 2012 noch einmal mit dem Thema zu befassen. Und siehe da: Es sprach sich für den Erhalt der beiden Windeignungsflächen in Tating aus. Ausschlaggebend sei nicht zuletzt die Überlegung gewesen, dass an dieser Stelle bereits eine Vorbelastung durch Windkraftanlagen gegeben ist und dass es durch das geplante Repowering voraussichtlich nicht zu einer entscheidenen Mehrbelastung kommen werde, hieß es damals. Gleichwohl gaben sie der Genehmigungsbehörde auf, denkmalschutz- und artenschutzrechtliche Belange vertiefend zu prüfen. Die Bürgermeister von St. Peter-Ording und Tümlauer-Koog waren empört, als sie erst drei Monate später erfuhren, dass die Flächen wieder aufgenommen worden waren. Sie hatten keine Gelegenheit erhalten, noch einmal Stellung zu beziehen.

Das seit 2011 laufende Genehmigungsverfahren geriet dann wegen Bedenken der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Nordfriesland ins Stocken. Es sah den Denkmalwert der Tatinger St.-Magnus-Kirche durch neue höhere Windkraftanlagen gefährdet. Eine Auffassung, die auch das Landesamt für Denkmalschutz und das Ministerium für Kultur von Anke Spoorendonk als oberste Denkmalschutzbehörde teilten, wie Burkhard Jansen von der Kreisverwaltung auf Nachfrage erklärte.

Die Windparkgesellschaften erhoben daraufhin Untätigkeitsklagen gegen das LLUR, die nun vom Verwaltungsgericht in Garding verhandelt wurden. Kernpunkt war dabei die Frage, ob der Denkmalwert der Kirche tatsächlich beeinträchtigt würde. Dazu unternahm das Gericht eine Exkursion zu fünf Aussichspunkten in der Tatinger Umgebung, die von den Verfahrensbeteiligten vorgeschlagen worden waren. Dabei wurde intensiv darüber diskutiert, was eine wesentliche Sichtachse ist – nach dem neuen Denkmalschutzgesetz ein wichtiger Entscheidungsaspekt. Vor der Gesetzesänderung 2012 genoss ein Denkmal noch Umgebungsschutz, danach wurde er auf Sichtachsen beschränkt. Die Argumentation der Vertreter des Kreises hielt vor Ort nicht stand. Der Kirchturm hob sich nur mäßig in der Landschaft ab, teilweise war die Kirche von Bäumen verdeckt. Nur aus Blickrichtung Süden wirkte es, als würde ein Windrad direkt hinter dem Kirchturm stehen. „Wir können nicht erkennen, dass über irgendeine Sichtachse der Denkmalwert beeinträchtigt wird“, fasste der Vorsitzende Richter Dr. Hartwig Martensen abschließend zusammen. Die Kirche sei von keinem Standort aus vollständig zu erkennen. Auf ein Urteil wurde verzichtet, die Beteiligten erklärten die Rechtstreite für erledigt. Der Kreis wird in beiden Verfahren keine denkmalschutzrechtlichen Bedenken mehr äußern. Es wurde allerdings darum gebeten, dass das Gericht den Begriff wesentliche Sichtachse definiert, da sich der Gesetzgeber zu schwammig ausgedrückt habe.

 

 

 

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erstellt am 12.Okt.2014 | 13:00 Uhr

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