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Husumer Nachrichten

20. Oktober 2017 | 22:22 Uhr

Crowdfunding : Gute Ideen finden und fördern

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit einer Crowdfunding-Plattform im Internet will die Husumer Volksbank gemeinnützige Projekte unterstützen. Nach einer Startphase soll das Portal Vereinen und öffentlichen Trägern helfen, gute Ideen zu bewerben.

von
erstellt am 06.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Sven Jensen muss einen Augenblick überlegen. Trag’ ich da jetzt zu dick auf  .  .  .  ?, scheint er sich zu fragen. Ach was: „Wir haben Hervorragendes vor“, gibt sich der Marketing-Leiter der Husumer Volksbank nach kurzer Bedenkzeit einen Ruck. Und Webmanagerin Kristina Carstensen legt sogar noch einen drauf und spricht von einem „Pilotprojekt für Schleswig-Holstein“. Das hört auf den neudeutschen Namen „crowdfunding“ und soll helfen, unterstützenswerte Projekte im Geschäftsgebiet der Bank – also im südlichen Nordfriesland – zu finden und zu fördern.

Unter dem Motto „Gemeinsam für unsere Region“ wird die Volksbank dazu ab Mitte November im Internet eine Plattform einrichten, auf der gemeinnützige Vereine und Institutionen aus den Bereichen Sport, Soziales, Kunst, Kultur, Bildung und Erziehung regionale Projekte vorstellen und dafür Mitstreiter suchen können. Jensen nennt ein Beispiel: Das Pferd eines Voltigiervereins hat sich verletzt und steht deshalb nicht zur Verfügung. Ersatzweise müssen sich die kleinen Sportler mit einem Holzpferd begnügen. Der Verein möchte zwar gern ein neues Pferd anschaffen, aber dafür fehlt das Geld.

„Da kommt dann unsere Seite ins Spiel“, erläutert Carstensen. Auf dem Volksbank-Portal kann der Verein sein Anliegen bewerben und dafür aktive oder passive Unterstützer suchen. Der Leser geht auf die Seite und schaut sich die verschiedenen Projekte an. Wenn er eine Aktion gut findet, kann er dies per Mausklick anzeigen oder mit einen Beitrag X aktiv unterstützen.

Der Mindestbetrag liegt bei fünf Euro. Aber es kommt noch besser. Wenn ein Projekt zustande kommt, also ausreichend Unterstützer findet, um realisiert werden zu können, legt die Bank für jeden Spendenbeitrag von zehn Euro und mehr noch einmal fünf Euro obendrauf. Die Projekte selbst bewegen sich in einer Größenordnungen von mindestens 500 und maximal 50.000 Euro. „Und natürlich müssen alle öffentlichen Einrichtungen und Träger, die mitmachen wollen, als gemeinnützig anerkannt sein“, sagt Jensen. Spenden-Anträge, die unterhalb von 500 Euro liegen, werden wie bisher bearbeitet. „Aber es gibt sicher viele ambitionierte Projekte, von denen wir gar nichts wissen, und die wir gern auf diese Weise unterstützen würden“, ergänzt Carstensen.

Der Begriff Crowdfunding setzt sich aus den englischen Worten crowd (Menschenmenge) und funding (Finanzierung) zusammen und wurde erstmals 2006 verwendet. Über die Internet-Plattform sellaband.com erhielten Musikern mit dieser neuen Methode die Chance, ein Album durch die Fans vorfinanzieren zu lassen. Bei sellaband.com wird ein Unterstützer zum „Believer“ (Gläubiger) und erhält für zehn englische Pfund einen sogenannten Part (Anteil), der ihn am Verkauf des Albums beteiligt. Ferner bekommt er eine limitierte Version der CD mit den Unterschriften sämtlicher Musiker. Als Crowdfunding-Pionier gilt die Plattform ArtistShare.com. Sie wurde 2000 von Brian Camelio gegründet – auch als Reaktion auf das galoppierende Raubkopieren im Netz. Seit jener Zeit ist Crowdfunding aus den verschiedensten Anlässen und rund um den Globus zum Einsatz gekommen und hat sich bewährt. Auch die Volksbank betreibt im Süden der Republik bereits ein eigenes Portal, „aber in Schleswig-Holstein betreten wir damit Neuland“, erinnert Jensen noch einmal an den Anfang des Gesprächs.

Und wie kommt man auf die Plattform? Nun, wer ein Projekt hat, das sich eignet, wendet sich mit einer ausführlichen Beschreibung, dem jeweiligen Finanzierungsbedarf und einigen Bildern bis zum 23. Oktober an sven.jensen@husumer-volksbank.de. Danach werden sämtliche Einsendungen überprüft, ausgewählt und eingestellt. In der zweiwöchigen Startphase ab Mitte November können die Vereine dann „Fans sammeln“. Wem das gelingt, der wird nach dieser „Start“- für die Finanzierungsphase freigeschaltet. Danach haben beide Seiten zwei Monate Zeit, ihren Teil dazu beizutragen, dass das Projekt verwirklicht werden kann. Die Unterstützer erhalten ferner ein Dankeschön von Seiten des Projekt-Betreibers, werden also beispielsweise zu einem Tag der offenen Tür eingeladen.

Für Sven Jensen passt Crowdfunding ideal zur Idee der Genossenschaftsbank: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“, sagt er und hofft natürlich, dass nun auch möglichst viele mitmachen.

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