Schlüttsiel : Gute Aussichten für das Fährhaus

Für das Fährhaus Schlüttsiel gibt es jetzt einen ernsthaften Käufer. Bis es wieder in Betrieb geht, kann es aber noch dauern. Derzeit wird zusätzlich die Landesstraße 191 (links) saniert.
Für das Fährhaus Schlüttsiel gibt es jetzt einen ernsthaften Käufer. Bis es wieder in Betrieb geht, kann es aber noch dauern. Derzeit wird zusätzlich die Landesstraße 191 (links) saniert.

Die Verhandlungen mit einem regionalen Investor laufen vielversprechend. 15 Interessenten und fünf schriftliche Angebote lagen vor.

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27. Juli 2018, 17:00 Uhr

Für das seit dem 30. September 2017 nicht mehr genutzte Fährhaus Schlüttsiel scheinen jetzt bessere Zeiten anzubrechen. Ein regionaler Interessent hat das Rennen um die begehrte und top sanierte Immobilie auf dem Deich noch nicht gewonnen, aber gute Aussichten, der neue Eigentümer zu werden. Das berichtete die kurz zuvor wiedergewählte Vorsitzende des Zweckverbandes Schlüttsiel, Claudia Weinbrandt, in der konstituierenden Sitzung.

Der Zweckverband Schlüttsiel ist ein Zusammenschluss der Gemeinden Bargum, Bordelum, Langenhorn, Ockholm und Reußenköge sowie dem Amt Pellworm. Das Gremium ist Eigentümerin der Immobilie (siehe Infokasten). Der Vertrag sei vorbesprochen, der Entwurf liege derzeit beim Notar und bedarf noch einiger Abstimmungen, so Weinbrandt. Zur vereinbarten Verkaufssumme wollte sie nur so viel sagen, dass es sich um einen Betrag handele, mit dem der Verband gut leben könne.

Dessen Preisvorstellung von 750.000 Euro kommt nicht von ungefähr. Denn immer noch sei das Gebäude mit rund 680.000 Euro belastet, hatte die Vorsteherin im April berichtet. Der damalige Langenhorner Bürgermeister Horst Petersen hatte den Unterhalt des Hotels – inklusive Betrieb der Kläranlage und des Parkplatzes – mit rund 100.000 Euro pro Jahr beziffert. Geld, für das die zum Zweckverband gehörenden Gemeinden aufkommen müssen.

Erst kürzlich war der Verkauf an einen amerikanischen Hotelbetreiber mit Sitz in Berlin endgültig gescheitert (wir berichteten). Trotz mehrfacher Fristsetzung war die vertraglich vereinbarte Kaufsumme nicht beim Zweckverband Schlüttsiel eingegangen. Dem damaligen Investor droht nun die vereinbarte Konventionalstrafe in sechsstelliger Höhe sowie eine Klage wegen Nichteinhaltens des Vertrages. Ob und wann dieses Geld jemals beim Zweckverband eingehen wird, steht in den Sternen. „Wir hoffen natürlich, und wir werden nicht locker lassen“, so Claudia Weinbrandt jetzt. „Wir müssen Fristen einhalten“, ergänzte Peter Reinhold Petersen in der jüngsten Sitzung.

Optimistisch gestimmt betreibt der Zweckverband nun die neuen Verhandlungen. Aufgrund eines Zeitungsartikels in den Husumer Nachrichten vom April hätten sich 15 Interessierte gemeldet, fünf schriftliche und konkrete Angebote seien eingegangen, so Claudia Weinbrandt. Mit diesen hätte sich eine Arbeitsgemeinschaft detailliert beschäftigt und eine Entscheidung getroffen. „Der Meistbietende hat auch das beste Konzept“, so Weinbrandt weiter. Dass der neue Eigentümer aus der Region kommt, „das war uns wichtig“, erklärt sie. „Wir sind vorsichtig geworden und hoffen, dass wir so etwas wie bisher nicht noch einmal erleben müssen.“

Vertragsbedingung ist nach wie vor, dass das Fährhaus Schlüttsiel als Hotel und Restaurant betrieben wird. Eine hohe Konventionalstrafe bei Nichteinhalten dieser Klausel sei – wie bisher – ebenso festgelegt, wie ein Rückkaufrecht der Immobilie durch den Zweckverband zum Verkaufspreis, so Weinbrandt. „Der Vertrag ist vorbereitet, wir hoffen, dass spätestens im September alles unter Dach und Fach ist.“ Einstimmig erhielt die Arbeitsgemeinschaft in der Sitzung von den Verbandsmitgliedern die Befugnis, die Verhandlungen weiterzuführen und ohne vorherige erneute Zweckverbandsversammlung den Kaufvertrag im Namen aller zu beschließen.

Mit einer Öffnung des Fährhauses Schlüttsiel in diesem Jahr ist allerdings wohl nicht zu rechnen. Zum einen seien Umbaumaßnahmen geplant, berichtet Claudia Weinbrandt. „Es wird einige Veränderungen geben.“ Zudem sei die Sanierung der Landesstraße 191 von Bordelum nach Schlüttsiel in vollem Gange.

Fährhaus: Historie

1968 erbaut und seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel, war das Fährhaus zunächst in privater Hand. 2005 kauften die damals noch zum Amt Stollberg gehörenden Gemeinden das inzwischen leer stehende Gebäude. Es wurde vollständig entkernt, neu aufgebaut und seither fortlaufend renoviert – für 1,4 Millionen Euro. Damals flossen 50 Prozent aus dem Förderprogramm LSE (Ländliche Struktur- und Entwicklungsanalyse) in das Projekt. Die Bedingungen: Zwölf Jahre lang durften weder Zweck des Hauses noch der Besitzer wechseln. Als 2008 die Ämter-Fusion folgte und das neue Amt Mittleres Nordfriesland es ablehnte, die Verpflichtungen für das Fährhaus zu übernehmen, gründeten die Gemeinden den Zweckverband. Im April 2017 nun lief die Förderperiode ab, der Weg für einen Verkauf – weiterhin als Hotel und Restaurant – war frei.

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