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Lärmschutzwand am Kreisverkehr : Gutachter misst Dezibel in Viöl

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Viöl gibt es noch keine Einigung im Streit um die Lärmschutzwand an der B 200, jetzt kam ein Gutachter. Frühestens im Sommer nächsten Jahres dürfte ein Urteil fallen.

75 Meter lang ist sie, zwei Meter hoch und sie soll vor dem Verkehrslärm der Bundesstraße schützen, die Lärmschutzwand in Höhe des Kreisverkehrs an der B 200 mitten in Viöl. Doch ihren Zweck erfüllt das Bauwerk nach Ansicht von Bärbel Epple-Schröder nicht. Mehrfach hatte sie die Gemeinde zur Nachbesserung aufgefordert, doch da sich nichts getan hatte, erhob die Besitzern von „Bärbels Stoffecke“ Klage gegen die Gemeinde. Schließlich hatte sie von ihrem Grundstück 345 Quadratmeter abgegeben, ohne die der Kreisverkehr nie gebaut hätte werden können. Das Straßenbauwerk im Zuge der B  200 muss nämlich einen so großen Radius haben, dass es auch bis zu 65 Meter lange Spezialtransporter passieren können.

Mittlerweile hat es mehrere Termine vor Gericht gegeben und auch eine gerichtliche Mediation hat zu keinem Erfolg geführt. Ein im Auftrag der Klägerin erstelltes Gutachten wurde von der Gemeinde nicht anerkannt, denn darin wurde bescheinigt, dass die Lärmschutzwand nur bedingt ihren Zweck erfüllt, zu viele Mängel stellte der Experte seinerzeit fest. Zudem beklagt Bärbel Epple-Schröder, dass ihr damals eine Holzoptik versprochen worden sei. Die Wand sieht auch nach Holz aus, allerdings auf der Straßenseite. Vom Grundstück der Klägerin aus gesehen dominieren verzinkte stählerne Stützen und Querträger.

Gestern nun fand endlich der Termin mit dem vom Gericht bestellten Gutachter statt. Knut Rasch aus Lübeck war mit zwei Mitarbeitern angereist, um sich ein genaues Bild vor Ort zu machen. Doch damit nicht genug. Drei extrem hochempfindliche Mikrofone wurden aufgebaut, die den Verkehrslärm aufzeichnen. Dabei wird nicht nur der Pegel unmittelbar hinter, sondern auch über dem Bauwerk gemessen, um einen Vergleichswert zu erhalten. Hinzu kommt noch eine Verkehrszählung. Mindestens 15 Minuten, wahrscheinlich aber eine halbe Stunde lang, wird der Lärm aufgezeichnet. Um einen vergleichbaren Wert zu erhalten, berechnen die Gutachter auch die Anzahl von Lkw und Pkw, denn schließlich verursachen die dicken Brummer auf der Bundesstraße erheblich mehr Krach als ein normales Auto.

Neben der Grundstückseigentümerin und Klägerin ist auch Henrik Osmers, Fachanwalt für Verwaltungs- Bau- und Architektenrecht vor Ort, um den Ablauf des Gutachtens im Sinne seiner Mandantin zu begleiten. Von seiten der Beklagten, der Gemeinde Viöl, ist Bauamtsleiter Uwe Heinsen dabei. Und schon bei der ersten Absprache mit dem Gutachter zeigen sich die großen Differenzen. Denn während Heinsen darauf hinweist, dass der Lärmschutz nur im eigentlichen Bereich des Kreisels aufgebaut werden sollte, und daher auch nur dort gemessen werdend dürfe, sehen das Osmers und seinen Mandantin ganz anders. Das zeigt sich auch daran, dass die Zufahrt zur B 200 aus Richtung Boxlund, und damit der Kiesgrubenverkehr, nun über den Kreisel geführt wird. Vor dessen Bau mündete die Straße noch gut 300 Meter entfernt in die Hauptstraße ein.

Anwalt Osmers stellte fest, dass auch auf dem Grundstück eigentlich der Verkehrslärm genauso zu vernehmen sei, wie direkt an der Straße. Das bestätigen ihm auch seine Mandantin und deren Ehemann. Der Gutachter kann nichts sagen, denn er ist mit seinen Mitarbeitern zur Neutralität verpflichtet und zudem damit beschäftigt, die Messgeräte aufzubauen.

Frühestens in einem Vierteljahr dürfte das Gutachten dem Gericht vorliegen. Dann wird es den beiden Prozessparteien zugestellt. „Und wenn alles glatt läuft, dann rechne ich frühestens im Sommer mit einem Urteil“, sagt der Husumer Anwalt.

Sollten sich die Parteien nicht über eine Nachbesserung einigen, die Klägerin Recht bekommen, dann könnte sie auf die Annullierung des Grundstücks-Kaufvertrages pochen. Und das würde im schlimmsten Fall bedeuten, dass der Kreisel wieder zurückgebaut werden muss. Das kostet dann nicht nur mindestens 750.000 Euro, sondern die Verkehrsteilnehmer extrem viel Nerven.

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erstellt am 07.Dez.2016 | 08:00 Uhr

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