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Deutsch als Zweitsprache : Grundwortschatz für die Regelklasse

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bürger- und Ferdinand-Tönnies-Schule: An diesen beiden Zentren in Husum lernen Kinder ohne Vorkenntnisse die deutsche Sprache. Probleme bereiten den Schulen die wachsende Zahl dieser Kinder.

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erstellt am 12.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Der Zustrom von Flüchtlingen stellt auch die Schulen vor gewaltige Aufgaben: „Es gibt zwar seit zehn Jahren ein Konzept des Landes dafür, wie Kindern mit fremder Muttersprache Deutsch vermittelt werden soll, aber derzeit ist allein durch die schiere Masse eine gewaltige Dynamik in der Angelegenheit“, sagt Detlef Kreutzfeldt, Schulleiter der Bürgerschule und zugleich Berater des Kreises Nordfriesland für das Fach Deutsch als Zweitsprache (DaZ). In Husum gibt es zwei DaZ-Zentren, die Bürgerschule und die Ferdinand-Tönnies-Schule. „Und die versuchen natürlich alles erdenklich Mögliche, um der Situation Herr zu werden.“

Das Konzept sehe drei Leistungsstufen vor, so Kreutzfeldt. „In der Basisstufe sollen Kinder ohne Deutschkenntnisse in kleinen Gruppen von sechs bis acht Schülern ein Jahr lang einen Grundwortschatz vermittelt bekommen, um danach in die Regelklassen wechseln zu können.“ In der Aufbaustufe seien Kinder, die bereits über so viel Grundkenntnisse verfügen, um die Regelklassen zu besuchen. „Und wenn sie da fit sind, gibt es in der Integrationsstufe die Feinheiten.“ Deutsch als Bildungssprache zu beherrschen dauere im Durchschnitt acht Jahre, sagt er. „Und mancher lernt es nie – das gilt aber auch für deutsche Schüler.“

Während im September 2014 noch 21 Schüler die Basisstufe in der Bürgerschule vermittelt bekamen, sind es Ende September dieses Jahres schon 32 gewesen. „Und die Anzahl der DaZ-Schüler in der Ferdinand-Tönnies-Schule ist von 0 auf 42 angewachsen“, sagt Kreutzfeldt. Er fügt noch ein wenig Statistik aus der Bürgerschule hinzu: „Vor fünf Jahren hatten wir einen Anteil von 20 Prozent an Kindern, bei denen Deutsch nicht die Herkunftssprache war. Heute gilt das für 121 von unseren 252 Schülern, das ist fast die Hälfte. 26 davon sind in der Integrations-, 63 in der Aufbau- und 32 in der Basisstufe.“

Für letztere werde im DaZ-Kurs ein Grundwortschatz gebildet – „mit Bildern und ähnlichen Mitteln, ganz banale Dinge.“ Und wenn es zu viele seien, würden die Klassen geteilt: „Dann dauert der Basiskurs halt zwei Jahre statt einem.“ Das Problem seien die fehlenden Lehrer. „Es gibt spezielle Lehrkräfte für den DaZ-Unterricht, aber zu wenig. Die bekommen wir nun nicht mehr.“ Aber das Land habe sich auf dieses Konzept festgelegt und müsse jetzt überlegen, ob es angesichts der aktuellen Zahlen noch Bestand haben könne.

An der Bürgerschule gebe es zur Zeit zwei feste DaZ-Klassen mit je 16 Schülern. „Das sind reguläre Schüler von uns.“ Sobald die Kinder so weit seien, neben den DaZ-Kursen auch die Regelklassen zu besuchen, gelte wie für alle anderen auch die freie Schulwahl. Entscheiden sich die Eltern für eine andere Schule, würden sie die Bürgerschule als DaZ-Zentrum nur für die Kurse besuchen.

„Die Zahlen überholen sich sozusagen täglich“, sagt Christoph Siewert, Leiter der Ferdinand-Tönnies-Schule. „Nächste Woche bekommen wir weitere vier DaZ-Schüler dazu.“ Zehn Kinder kämen aus Husum, der Rest sei Fahrschüler. Die Ferdinand-Tönnies-Schule habe eine feste DaZ-Kraft und „aus Bordmitteln“ andere Stunden dazu gegeben und zwei Fachräume freigemacht. „Unsere DaZ-Kraft ist allerdings auch nur stundenweise dabei, weil sie noch eine Regelklasse leitet.“ Dazu käme noch eine Quereinsteigerin, eine Diplom-Biologin, die jetzt mit 25 Stunden in den allgemeinen Unterricht eingebunden werde.

„Nach den Herbstferien wird die große Gruppe geteilt“, so Siewert weiter. Eine Hälfte werde einer Regelklasse angegliedert und laufe da mit, die andere werde noch einmal unterteilt und durch zwei DaZ-Lehrer unterrichtet. „Wir hoffen auf eine bessere soziale Integration durch mehr Kontakt zu den Regelschülern“, so Siewert. Dabei sei der gemeinsame Unterricht für die DaZ-Schüler oftmals nur „reine Beschallung“: „Denn eine Verlangsamung des Unterrichts in den Regelklassen findet nicht statt“, stellt Siewert unmissverständlich klar. Trotzdem gebe es einen Lerneffekt, gerade in Fächern, die weniger sprachlich ausgerichtet seien wie etwa Mathematik. Und eines hat Siewert auch festgestellt: „Die syrischen Kinder sind oft traumatisiert. Aber sie sind sehr friedlich. Es sind eher die Einwanderkinder aus Osteuropa, die um Rangordnungen kämpfen, nicht die Flüchtlinge.“

Der Schulträger in Husum weiß um die Probleme: „Wir versuchen, Räume und Technik für die DaZ-Klassen zur Verfügung zu stellen“, sagt Bürgermeister Uwe Schmitz. Das sei aber nicht ohne Geld möglich: „Für diese Aufgabe brauchen wir überplanmäßige Mittel.“

 

 

 

 

 

 

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