Sorgen in Witzwort : Grundschule kämpft um eine feste Schulleitung

Schulverband und Eltern der Witzworter Schule sind höchst besorgt: Der Rektoren-Posten soll nur noch kommissarisch besetzt sein, da die Einrichtung in zehn Jahren nicht mehr die erforderliche Schülerzahl haben könnte.

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20. November 2008, 10:04 Uhr

Uelvesbüll | "Das nehmen wir nicht hin!" - der Vorsitzende Willi Berendt schlug mit der Faust auf den Tisch, nachdem er vor der Schulverbandsversammlung den Brief des Schulrats Hans-Peter Fokuhl verlesen hatte. "Die Schulleiterstelle wird nicht ausgeschrieben", heißt es da in deutlichen Worten, denen die Empfehlung folgt, "ob nicht doch durch das Zusammengehen mit einer Nachbarschule erhebliche Vorteile zu erzielen wären". Schnell wurde in der Sitzung deutlich, dass sich der Schulverband mit dieser Entscheidung keineswegs abfinden will. Gerd Radcke (CDU) hat schon seine politischen Verbindungen spielen lassen und Kontakt zu Landtagsabgeordneten wie Susanne Herold und Ursula Sassen (beide CDU) aufgenommen. "Immerhin weiß Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave inzwischen, wo Witzwort liegt", sagte er resigniert. "Ich würde vor einer Klage nicht zurückschrecken", so Radcke. "Die haben gefälligst auszuschreiben. Wir haben unsere Schuldigkeit getan."
Die Schülerzahlen sind stabil
Vorangegangen war der Abschied des erkrankten Rektors Reiner Bernhardt im Sommer dieses Jahres. Schon damals hatte Schulverbands-Vorsteher Berendt gemutmaßt, dass das Land die Gelegenheit beim Schopfe packen würde, um erneut an der Selbstständigkeit der Schule zur rütteln (wir berichteten). Dabei sind die Schülerzahlen stabil, nachdem die Kinder aus Simonsberg ins Boot geholt werden konnten.

Zurzeit besuchen 84 Kinder die Grundschule, weitere vier Schüler werden demnächst zuziehen, berichtete Margitta Hündorf, die die Leitung kommissarisch übernommen hat. Zum Sommer werden 20 Jungen und Mädchen auf eine weiterführende Schule wechseln, 23 aber hätten sich bereits für das kommende Schuljahr angemeldet. Somit ist die geforderte Zahl von mindestens 80 bis auf Weiteres gegeben. Bis 2014 sei der Bestand ge sichert, ergänzte Bernd Schubert vom Amt Nordsee-Treene.
"Die Schule bleibt erhalten."
Schulrat Fokuhl will nicht davon sprechen, dass die Selbstständigkeit der Schule gefährdet sei. "Solange die erforderlichen Schülerzahlen da sind, bleibt die Schule erhalten", sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Die Leitung sei kommissarisch bei Margitta Hündorf in guten Händen, "sie hat Erfahrung und kann diese Aufgabe auch ausfüllen." Angesichts des demografischen Wandels werde die Grundschule Witzwort aber in zehn bis 15 Jahren wahrscheinlich nicht mehr die erforderliche Schülerzahl zusammenbringen. Die Ausschreibung einer neuen Schulleitung würde für die betreffende Person eine Situation schaffen, in der sie einen Anspruch auf Besitzstandswahrung hat, begründete er seine Entscheidung. Bei einer kommissarischen Leitung sei das nicht der Fall. Aber: "Auch diese ist mit der erforderlichen Stundenzahl ausgestattet", versicherte er. "Ich mach das zwar gerne", sagte Margitta Hündorf dazu, "aber eine dauerhafte Lösung ist das nicht."
"Kurze Beine, kurze Wege - das müssen die begreifen."
Der Schulelternbeirat unter Leitung von Sabine Stolze ist aktiv geworden und hat den Landtagsabgeordneten Detlef Buder (SPD) zu einem Gespräch in die Schule gebeten. Die Eltern möchten mehr über die rechtlichen Grundlagen erfahren. Die unsichere Leitungssituation führe zu belastend häufigen Lehrerwechseln und Vertretungsregelungen, so Stolze. Sie sorgt sich um den Standort der Grundschule. "Kurze Beine, kurze Wege", sagt sie, "das müssen die da oben doch begreifen."

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