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Husumer Nachrichten

20. Oktober 2017 | 09:44 Uhr

Großübung: Säure-Unfall im Bauhof

vom

Technisches Hilfswerk simulierte Dekontamination von Opfern in Tönning / Bei der Abschlussbesprechung piepsten die Meldeempfänger

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Tönning | Verletzte Menschen krümmen sich vor Schmerzen, eine glibberige, grüne Flüssigkeit läuft aus einer Plastiktonne - ein Arbeitsunfall mit gefährlicher Salzsäure auf dem Bauhof der Eiderstadt. Nun eilen die mit Schutzanzügen vermummten, maskierten Helfer heran, bergen die Verletzten und entschärfen das ausgelaufene Material. Zum Glück handelt es sich nur um eine groß angelegte Übung, die unter der Regie des Tönninger Technischen Hilfswerks (THW) gemeinsam mit weiteren THWlern (extra aus Eckernförde angereist) der zweiten Sanitätsgruppe des DRK Nordfriesland, dem Löschzug Gefahrgut des Kreises Nordfriesland und Reservisten der Bundeswehr abgehalten wurde. Letztere wurden geschminkt und mit Theaterblut-Patronen ausge-rüstet, da sie die Opfer des Unfalls darstellen sollten.

"Es ging darum, eine erweiterte Erste-Hilfe-Situation zu üben", erklärt Andres Michael Bernhardt, Ausbilder im THW Tönning, "denn bei einem Unfall solcher Art sind nicht nur die Betroffenen zu dekontaminieren, sondern auch die Helfer, obwohl die in Schutzanzügen agieren." Tönnings THW-Chef Ralf Oldehus ergänzt: "Es hat sich nämlich ein echter Fall ereignet, im Winter, als die Verletzten in der Wärme des Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert wurden, dünstete die Kleidung aus und führte zu einer Vergiftung der Retter." Zum Glück geschah dies erst bei der Ankunft im Krankenhaus.

Anlass genug, eine entsprechende Übung abzuhalten und eben nicht nur die Verletzten von Giftrückständen zu befreien (dekontaminieren), sondern auch die Retter selbst, damit sich ein wie oben beschriebenes Ereignis nicht wiederholt.

Auf dem Bauhof wurden die Verletzten von Mitarbeitern des Löschzuges Gefahrgut (Leitung: Markus Knoblauch, Henning Martensen) und der Sanitätsgruppe geborgen, in einem Zelt medizinisch erstversorgt und dann dekontaminiert. Danach kamen sie in ein anderes Zelt, um dort weiter betreut oder, falls nötig, ins Krankenhaus transportiert zu werden. Gleichzeitig mit der Entseuchung der Verletzten wurden auch die Helfer dekontaminiert, so dass keine weitere Vergiftungsgefahr entstehen konnte.

Diese Übung war ganz bewusst als Verfahrensübung und nicht als Einsatzübung gedacht, um bei etwaigem Leerlauf durch Beobachtungen künftige Fehler vermeiden zu lernen. Zudem sollte auch den Beobachtern Gelegenheit geboten werden, die Übung genau zu verfolgen. Angereist waren nämlich der Geschäftsführer des THW, Claas Sanner, ebenso Eleen Schirmel von der Ölbekämpfungseinheit des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) sowie Oberstleutnant Michael Bongers vom Kreisverbindungskommando der Bundeswehr.

Die Übung fiel zur Zufriedenheit aller aus, so dass man schließlich zum gemütlichen Teil der Veranstaltung übergehen konnte. Doch der wurde jäh gestört: Die Meldeempfänger piepsten und riefen die Feuerwehr zu einer Störmeldung der Chloranlage im Tönninger Schwimmbad, so dass die gesamte Einheit ausrückte. Aber schon nach sehr kurzer Zeit fand man sich wieder auf dem THW-Hof ein, da es um einen Fehlalarm gehandelt hatte.

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