Eidersperrwerk : Großübung mit echtem Notfall

Gewagtes Manöver: Das Löschfahrzeug fährt die Treppe rauf zur Plattform des Sperrwerks – und nachher auch wieder hinunter.
Gewagtes Manöver: Das Löschfahrzeug fährt die Treppe rauf zur Plattform des Sperrwerks – und nachher auch wieder hinunter.

Bei der jährlichen Eiderdamm-Übung mussten zwei Verletzten-Darsteller von Rettungskräften real versorgt werden.

shz.de von
18. Juni 2018, 11:00 Uhr

Der Alarm kam um 19.03 Uhr und bescherte viele Zuschauer. Der Straßentunnel im Eidersperrwerk musste zeitweilig voll und im weiteren Verlauf halbseitig gesperrt werden – und immer wieder gab es besorgte Nachfragen von Autofahrern und Zuschauern: „Was ist denn dort passiert, ist es etwas Ernstes?“ oder auch: „Können wir helfen?“ Die Einsatzkräfte beruhigten: „Nein, es ist nur eine Großübung.“

Zur 43. Großaktion am Sperrwerk rückten gut 100 Einsatzkräfte aus Nordfriesland und Dithmarschen einmal mehr gemeinsam an. Einmal jährlich trainieren die Feuerwehren von Garding, Welt-Vollerwiek-Grothusenkoog, Wesselburen und Schülp zusammen den Ernstfall in Deutschlands größtem Küstenschutz-Bauwerk. Im Einsatzleitwagen hielt Gardings Wehrführer Dennis Kielinski, der die Großübung in diesem Jahr ausgearbeitet hatte, alle Fäden in der Hand. Bei dieser Großübung sind zudem stets die beiden Großleitstellen in Harrislee und Elmshorn beteiligt.

Vor Ort gab es mehrere Einsatzlagen. Dabei wurden auch die umfangreichen Arbeiten in den Sielkammerbereichen mit einbezogen. Angenommen wurde, dass es dabei zu einer größeren Explosion gekommen war, wodurch fünf Bauarbeiter in den Sielkammern verletzte wurden. Zudem war im Werkstattbereich ein Feuer ausgebrochen. Ferner befanden sich zwei Personen auf einem Schiff in Notlage. Auf dem Wasser kamen die Seenotretter zum Einsatz, sie übernahmen die beiden Verletzten. Schwieriger gestaltete sich die Lage am Bauwerk selbst: Um die Gerätschaften nach oben auf die Fußgängerüberwegung zu transportieren und dort auch die Atemschutzgeräteträger auf die Gerüste zu lassen, musste ein geländegängiges Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Wesselburen-Stadt die Stufen nach oben fahren. Eine spektakuläre Angelegenheit, die viel Fingerspitzengefühl erforderte, noch weitaus schwieriger war dann das Rückwärtsfahren die Stufen wieder hinunter. Zwar kann auf dem Fußgängerbereich normalerweise ein Einsatzwagen von einer Seite zur anderen fahren. Derzeit liegen dort aber Stahlplatten, die nicht befahren werden dürfen. Wendemöglichkeiten bestehen dadurch auf der oberen Plattform für größere Einsatzfahrzeuge nicht. Zeitgleich drangen Atemschutzgeräteträger über die Rettungstunnel in die Kammern ein und retteten die Verletzten.

Mittendrin dann Alarm zu einem Realeinsatz: Zwei der sechs Verletztendarsteller aus der Jugendfeuerwehr hatten mit Sauerstoffmangel in den Schleusenkammern zu kämpfen. Hintergrund: Nach Beendigung der derzeit laufenden Reparaturarbeiten werden die Belüftungsanlagen regelmäßig abgeschaltet. Darüber bestand keine Kenntnis. Gardings Vizewehrführer Timo Kier und weitere Einsatzkräfte eilten nach unten und kümmerten sich um die Betroffenen. Es wurde ein Rettungswagen angefordert.

Nach dem Ende der Übung folgte die Belohnung für die Einsatzkräfte, die bei mehr als 20 Grad in ihren schweren Einsatzanzügen geschwitzt hatten, in der Gardinger Feuerwache mit Gulasch aus der Feldküche der Wesselburener Feuerwehr. In seiner Abschlussbilanz dankte Gardings Wehrführer Dennis Kielinski allen Beteiligtenn und präsentierte einen neuen Vorschlag: „Wenn es dort zu einem Realeinsatz kommt, wird die Feuerwehr Tönning alarmiert. Wir sollten die Tönninger und die Katinger Feuerwehr ab sofort mit in diese Großübung einbeziehen – ich werde die Gespräche dazu aufnehmen“, auch mit Blick auf Tönnings Vizewehrführer Henning Klützke, der unter den Beobachtern war.

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