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Nicht alles optimal gelaufen : Großübung in der Seether Kaserne

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die „Verletzten“ blieben bei der Rettungsübung in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes bis zu 25 Minuten auf regennassem Asphalt liegen. In diesem Jahr soll es nun noch einen zweiten großen Einsatztest geben.

Vollalarm am Dienstagabend in den Gemeinden rund um Seeth. Einsatzkräfte aus Seeth, Drage, Friedrichstadt, Schwabstedt, Norder- und Süderstapel wurden zu einem Großeinsatz gerufen. Unter dem Stichwort „Feuer groß, vermisste Personen!“ eilten sie in die zentrale Flüchtlingsunterkunft in der Stapelholmer Kaserne. Dort bot sich den Rettern ein schlimmes Bild. Aus den Wohncontainern drangen Hilfeschreie, verängstigte Bewohner liefen unter Schockeinfluss ziellos auf dem Gelände umher – und zu allem Übel musste auch noch ein größerer Brand gelöscht werden. Für genügend Qualm sorgten Nebelmaschinen – für einen ergiebigen Regen sorgte ein wolkenverhangener Himmel.

Das erste Einsatzfahrzeug (aus Seeth) rollte mit Martinshorn und Blaulicht acht Minuten nach Sirenenauslösung an der Einsatzstelle vor; zwei Minuten später folgte der zweite Seether Wagen. „Eine Eintreffzeit von acht Minuten wird auch von der Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren (AGBF) empfohlen“, unterstreicht Amtswehrführer Tim Petersen. Als stellvertretender Wehrführer von Seeth hat er diese Großübung gemeinsam mit Wehrführer Dennis Andresen ausgearbeitet. Im weiteren Verlauf trafen 14 Feuerwehrfahrzeuge in dieser Reihenfolge ein: Süderstapel, Drage, Norderstapel, Stadtfeuerwehr Friedrichstadt, Gemeindewehr Schwabstedt. Die ersten Erkundungen fanden zeitgleich mit dem Aufstellen starker Halogenscheinwerfer statt, Atemschutzgeräteträger begaben sich in die verqualmten Räume.

Die Darsteller, die teils in Pfützen auf dem Asphalt lagen, rekrutierten sich aus Mitarbeitern der Einrichtung und aus Flüchtlingen selbst. Zu den zahlreichen Beobachtern zählten Mitarbeiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Kreisbrandmeister Christian Albertsen, DRK-Beobachter und Einrichtungsleiter Lars Christophersen, Polizei sowie die Bürgermeister und Stellvertreter der betreffenden Gemeinden.

Dort musste auch eine ungewöhnlich lange Schlauchstrecke von 550 Meter verlegt werden. Kreisbrandmeister Christian Albertsen bilanzierte am Ende völlig durchnässt vor Ort: „Wer das hier bei diesem Wetter schafft, der schafft es auch immer.“

Das gesamte Szenario bot aber auch Anlass zur Kritik, die postwendend folgte: Eine der aufgeworfenen Fragen lautete, warum denn der Rettungswagen der eigentlich zuständigen zentralen DRK-Rettungswache in Norderstapel nicht alarmiert wurde. Die Leitstelle wollte dieses für die Region wichtige Fahrzeug nicht von der Wache abziehen – weil nicht kalkulierbar war, wie schnell dieser Rettungswagen wieder abgezogen werden konnte. Kritisiert wurde, „dass die acht eingetroffenen Rettungswagen bis 17.15 Uhr in einem sogenannten Bereitstellungsraum standen und erst dann im Konvoi vor eine Halle geleitet wurden, die näher an der Einsatzstelle liegt. Immerhin, erste „Verletzte“ gab es bereits um 16.50 Uhr, die von der Feuerwehr betreut wurden. Die eingesetzten Rettungsfahrzeuge aus Niebüll, Tönning und Husum hatten unrealistisch im Vorfeld bereits an unterschiedlichen Stellen, teilweise in Friedrichstadt, Aufstellung genommen.

Am Ende stand eine ehrliche Bestandsaufnahme mit Aussprachen im Seether Dorfgemeinschaftshaus. Dabei dankte Seeths Vizebürgermeister Ernst-Wilhelm Schulz allen Beteiligten, 92 Feuerwehrleuten aus sechs Einsatzabteilungen, 20 Rettungsdienstmitarbeitern des DRK und 15 Verletztendarstellern. Organisator Tim Petersen: „Mit Sicherheit wird es eine Nachbesprechung dazu in einer internen Runde mit Fachleuten geben – und wir werden entsprechende Schlüsse ziehen.“

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