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Alarm in Schwabstedt : Großübung auf der Treene

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

68 Mitglieder der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft trainierten den Ernstfall: Jugendliche waren mit einem Floß in Schwierigkeiten geraten. Auch der Einsatz von Booten und Tauchgerät gehörte zum Szenario.

Immer wieder fragten sich Zuschauer des Szenarios, was denn da in Schwabstedt und Umgebung eigentlich los war. Die Erklärung lieferte Henning Peters. Er hatte diese Großübung der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) ein halbes Jahr lang intensiv vorbereitet hat. Angereist sind 68 Rettungskräfte aus den Kreisen Ostholstein, Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Lübeck, und Nordfriesland. Die Einsatzleitung lag in den Händen von Thomas Sprock aus Bosau in Ostholstein. Dass etliche Zuschauer die Übung aus sicherer Entfernung – und ohne zu stören – verfolgten, das hatten die Verantwortlichen einkalkuliert.

Und die Retter hatten alle Hände voll zu tun, Peters hatte ganze Arbeit beim Szenario geleistet: Eine fröhliche Fahrt sollte es werden – auf der Treene von Fresendelf nach Schwabstedt flussabwärts. 18 junge Leute hatten sich ein großes Floß ausgestattet mit Tischen und Bänken gemietet. Doch unterwegs geschah es: Der zunehmende Westwind peitschte immer höhere Wellen gegen das Floß, zwei Jugendliche fielen über Bord. Etliche andere stürzten und blieben verletzt auf dem Holzfußboden liegen, einige davon bewusstlos. Die Leitstelle wurde per Handy alarmiert.
18 Rettungsfahrzeuge sowie fünf motorbetriebene Boote machten sich auf den Weg. Sie waren in Süderhöft an der Nato-Brücke eilig zu Wasser gelassen worden. Eine eigens eingerichtete Leitstelle protokollierte das gesamte Geschehen.

Vor Ort – zwischen Süderhöft und Schwabstedt – war es Augenzeugen der Havarie zunächst nicht gelungen, im eiskalten Wasser zu den Verletzten vorzudringen. Das wäre angesichts der Temperaturen und einer Wassertiefe von rund sechs Metern bei einem echten Notfall auch lebensgefährlich gewesen. Aber sie taten das einzig Richtige: Auch sie wählten unverzüglich den Notruf. Rund eine halbe Stunde nach Meldungseingang preschte das erste Rettungsboot heran. Einsatzkräfte begaben sich auf das Floß und forderten sofort vier weitere Motorboote und Helfer nach. Zusätzlich lag das Schwabstedter Rettungsboot „Störtebeker“ einsatzbereit am Ufer.

Zunächst wurden die bewusstlosen Schwerverletzten auf Tragen gelegt und per Boot an Land gebracht. Die Arbeit vor Ort gestaltete sich bei zunehmendem starken Westwind und Wellen, die ebenfalls an Höhe zunahmen, schwierig – „realistätsnah“, wie Übungsleiter Henning Peters bilanzierte. Parallel dazu rückten Taucher zu jenen Stellen aus, an denen Augenzeugen die „Über-Bord-Gegangenen“ zuletzt gesichtet hatten. Am Ende mehrerer Tauchgänge hatten die Taucher auch den Fluss-Untergrund erkundet. In diesem Zusammenhang warnt die DLRG noch einmal eindringlich: Die gern von Jugendlichen unternommenen Sprünge von der stillgelegten Eisenbahnbrücke bei Schwabstedt herunter sind mit absoluter Lebensgefahr verbunden. Denn im völlig undurchsichtigen Wasser stecken aufrecht jene schweren Eisenplatten, die von der Brücke abgeschraubt und ins Wasser geworfen wurden.

Die mehrstündige Einsatzübung endete mit einem gemütlichen Beisammensein. Die Einsatzkräfte verweilten das Wochenende über in Schwabstedt und Oldersbek. Beteiligt war auch Jugendfeuerwehrwart Thomas Mindermann aus Schwabstedt mit seiner 18-köpfigen jungen Gruppe, die die Verletzten „gemimt“ hatte. Gemeinsames Abschlussfazit: „Solche Übungen sind von großer Wichtigkeit. Einsatzanlässe können sich jederzeit ergeben – und dann muss die Zusammenarbeit unbedingt klappen.“ Jürgen Sauer von der DLRG Husum erinnerte an ein besonders tragisches Ereignis: Im Sommer 1998 rettete er einen Ertrinkenden aus der Treene bei Fresendelf – tragisch: dieser starb kurze Zeit später. In einer Gerichtsverhandlung wurde der Fall untersucht. Eine Berliner Gruppe war damals mit Behinderten zum Baden bei Fresendelf in die Treene gestiegen.

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