Silvester ohne Feuerwerk : Großhändler aus Löwenstedt: „Alle Jahreseinnahmen weg!“

So wie in den vergangenen Jahren wird es am 31. Dezember nicht aussehen. Fotos: H. Müllerchen; AdobeStock / Montage: M. Jahr
So wie in den vergangenen Jahren wird es am 31. Dezember nicht aussehen.

Kein Feuerwerk an Silvester, keine Böller – viele Menschen finden das gut, für andere steht die Existenz auf dem Spiel.

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16. Dezember 2020, 18:02 Uhr

Husum | Für Peipei Zhou ist das Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern ein Super-Gau: „Der komplette Jahresumsatz ist mit einem Mal weg.“ Zhou ist Geschäftsführer der Firma Panda-Consumer aus Löwenstedt – ein Großhändler für Feuerwerkskörper. In ganz Deutschland gibt es davon nur eine Handvoll. „Für uns ist das Verkaufsverbot eine Katastrophe“, sagt er. Das Jahresgeschäft drehe sich in der Branche um die drei Tage vor Silvester. Die fallen in diesem Jahr aus. „Das ist so, also hätten wir unser Geschäft für 365 Tage schließen müssen. Es bricht einfach alles weg. Schlimmer geht es nicht mehr.“

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Zu den fehlenden Einnahmen kämen noch die Kosten für die Rückhol-Aktion. „Und finden Sie mal einen Spediteur, so kurz vor Weihnachten. Die haben doch jetzt alle viel zu viel zu tun.“ Er hoffe nun, dass einige Abnehmer die Feuerwerkskörper bis zur Abholung selbst lagern können. Seine Firma lagere die Böller in 50 Bunkern in Löwenstedt. „Genügend Fläche haben wir also. Immerhin etwas.“ Andere große Firmen würden ihre Ware in Logistikzentren lagern. Die wiederum sind nach Silvester bereits oft weitervermietet, weil ja dann normalerweise alle Feuerwerke ausgeliefert wurden. „Wohin sollen die nun die Ware bringen? Da haben die Politiker nicht richtig nachgedacht. Das war ein Schnellschuss im Sinne des Wortes.“

André Gefke (49): „Unsere Familie wird zusammen mit einem befreundeten Paar, das Kinder im gleichen Alter hat,  zu Hause verbringen, gemütlich etwas essen und Spiele spielen.“
Volkert Bandixen

André Gefke (49): „Unsere Familie wird zusammen mit einem befreundeten Paar, das Kinder im gleichen Alter hat,  zu Hause verbringen, gemütlich etwas essen und Spiele spielen.“

 

Die Knallkörper seiner Firma – zumindest die, die nun noch abgeholt werden können – werden bis zum nächsten Jahr eingelagert und dann verkauft. Wenn es die Firma dann noch gibt. „Ob wir überleben können, das hängt von den staatlichen Hilfen ab. In diesem Jahr verdienen wir nichts.“ Peipei Zhou ist sauer über den Ablauf: „Die Entscheidung kam einfach viel zu spät. Wir hatten keine Chance mehr, irgendwie zu reagieren.“

Elke Jacobsen (59): „Ich werde  zu Hause bleiben und mit meinem Lebensgefährten einen schönen Film gucken. Um Mitternacht gibt es ein Glas Sekt.“
Volkert Bandixen

Elke Jacobsen (59): „Ich werde  zu Hause bleiben und mit meinem Lebensgefährten einen schönen Film gucken. Um Mitternacht gibt es ein Glas Sekt.“

 

Solche Existenzsorgen, wie sie der Importeur hat, hat Simon Schulz, der stellvertretende Warenhausleiter im Husumer Famila-Markt, nicht. Aber auch hier warten „einige Paletten Feuerwerkskörper“ darauf, wieder abgeholt zu werden. Wie hoch die finanziellen Einbußen bei Famila sind, will er nicht sagen. Aber: „Es sind keine Peanuts.“

Ellen Ketelsen (53): „Wir werden gar nicht feiern, weil wir uns an die Beschränkungen halten. In der Hoffnung,  dieses wirklich schlechte Jahr abzuschließen.“
Volkert Bandixen

Ellen Ketelsen (53): „Wir werden gar nicht feiern, weil wir uns an die Beschränkungen halten. In der Hoffnung,  dieses wirklich schlechte Jahr abzuschließen.“

 

Die Nachfrage nach Wunderkerzen und Co. sei bis jetzt noch nicht merklich angestiegen, „aber wir bewerben die Ware auch nicht explizit“. Nachgeordert werden könne nichts, da diese Waren nach der Bestellung im Frühjahr produziert würden. „Was wir haben, das verkaufen wir. Ist das weg, gibt es nichts mehr.“ Schulz feiert Silvester „zu zweit und ganz gemütlich mit einem leckeren Essen“ zu Hause. Wie er selbst ist auch seine Frau im Einzelhandel tätig und am Nachmittag des 31. Dezember froh, „auch einfach mal die Füße hoch zu legen“.

Petra Uecker (59): „Ich werde zusammen mit einer Freundin gemütlich zusammensitzen und eine Kleinigkeit essen. Rausgehen werden wir nicht, da verpasst man sowieso nichts.“
Volkert Bandixen

Petra Uecker (59): „Ich werde zusammen mit einer Freundin gemütlich zusammensitzen und eine Kleinigkeit essen. Rausgehen werden wir nicht, da verpasst man sowieso nichts.“

 

Nebenan im Hagebaumarkt gibt es noch weniger Kopfzerbrechen. Geschäftsführer Ole Singelmann und sein Team haben sich schon vor längerer Zeit dazu entschlossen, in diesem Jahr zum ersten Mal gar kein Feuerwerk zu verkaufen. Umwelt- und Tierschutz hätten bei der Entscheidung eine tragende Rolle gespielt, aber auch die Unberechenbarkeit einiger Eltern: „Natürlich haben wir Alterskontrollen durchgeführt, aber wenn die Erziehungsberechtigten zu Hause ihren Kinder die Böller geben, die dann wiederum schon drei Tage vor und nach Silvester damit an der Straße herumknallen, dann fällt das auch immer irgendwie auf uns zurück“, sagt Singelmann.

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