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Husum im Zeichen der Puppen : Großes Theater auf kleiner Bühne

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Programm der 31. Pole-Poppenspäler-Tage in Husum steht. Die Flyer sind größtenteils verteilt, und Ende August kann dann auch mit dem Vorverkauf begonnen werden.

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erstellt am 13.Aug.2014 | 17:00 Uhr

Schon seit drei Jahrzehnten bricht eine Gruppe von Enthusiasten gleichermaßen beharrlich wie erfolgreich große Lanzen für eine kleine Kunstform: das Puppenspiel. Da soll das 31. Internationale Figurentheater-Festival vom 12. bis zum 21. September natürlich keine Ausnahme sein. Wohl nicht zuletzt dank dieses Festivals, dessen Darbietungen anfangs nicht selten als „Theater im Taschenformat“ abgetan wurden, hat es das Puppenspiel inzwischen längst auf die große Bühne geschafft. Und das ist durchaus kein Wunder: Immerhin geht es um eine Kunstform, von der schon Samuel Beckett wusste, dass ihre Darstellungsmöglichkeiten die des herkömmlichen Theaters bei Weitem übertreffen. Die multimediale Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte“, mit der das achtköpfige „ensemble KONTRASTE“ im vergangenen Jahr die Zuschauer im ausverkauften Nordsee-Congress-Centrum von den Sitzen riss, ist dafür nur ein besonders schillerndes Beispiel.

Aber da ist noch etwas, das die Pole-Poppenspäler-Tage zu etwas Besonderem macht: Auch in zweiter Generation haben die Veranstalter nie dem verständlichen Impuls nachgegeben, eine Favoritenliste anzulegen, sondern stets das gesamte Spektrum des Genres abzubilden versucht. Das bescherte dem Publikum zwar manches Stück, dessen tieferen Sinn wohl nicht einmal sein Regisseur verstand, aber eben auch jede Menge Abwechslung. Dass sie sich dadurch nicht vom Kurs abbringen ließen, zeigt das neue Programmheft für das Festival 2014, das jetzt auch in gedruckter Form vorliegt und sogar schon vor dem offiziellen Start am 13. September im Schloss vor Husum, einiges zu bieten hat. Vielfalt ist dabei auch diesmal das Zauberwort. So werden die Zuschauer am Eröffnungsabend nicht ein, sondern gleich drei Stücke präsentiert bekommen. „So etwas wie die Zauberflöte zum Jubiläumsfestival können wir schon aus Kostengründen nicht jedes Jahr bieten“, erklärt Vorstandsmitglied Birgit Empen. Aber warum nicht drei Kracher zu einem verbinden, dachten sich die Poppenspäler organisierten eine Eröffnung in drei Akten. Den Auftakt macht „Die Eintagsfliege“ vom Theater mit Puppen aus Mallin. Es erzählt die Geschichte eines zerbrechlichen Wesens, das seine extreme Kurzlebigkeit mit Biomasse aufwiegen zu wollen scheint, obgleich es doch viel mehr zu bieten hat. Parallelen zur Menschheit sind durchaus nicht zufällig, sondern gewollt. Gleich im Anschluss folgt „Orest“, ein Theaterspiel mit Objekten, das die Zuschauer mit Versatzstücken aus einem zeitgenössischen Badezimmer in die Zeit der griechischen Mythologie entführt. Es spielt das Theater „babelart“ aus dem österreichischen Gmunden. Den Schlusspunkt dieses auch inhaltlich dreifaltigen Auftaktabends setzt dann die Südtirolerin Eva Sotritter mit ihrem mehrfach preisgekrönten Handpuppenspiel „Dracula“. Auch hier geht es um existenzielle Fragen wie diese: Was denkt Gevatter Tod über einen lebensmüden Wiedergänger, der sich mit Selbstmordgedanken trägt. Alle drei Stücke gehen im Schloss vor Husum über die Bühne.

Schon vier Tage vor der Eröffnung erhalten die Poppenspäler Besuch aus Israel. Als Walkact erzählt Hezi Cohen die Geschichte eines seltsamen Geschöpfes, das im Korb einer Bettlerin lebt (am 10. und 11. September jeweils zwischen 14 und 17 Uhr an wechselnden Stellen im Stadtgebiet).

International geht es am 12. und 13. September weiter, wenn zum Beispiel Festival-„Widergänger“ Don Cristobal einmal mehr zum närrischen Tanz auffordert. Im Mittelpunkt dieser wortlosen Inszenierung des französischen Theaters „Cie Pelele“ steht ein traditioneller spanischer Kasper. Europa mal ganz anders, aber nicht weniger unterhaltsam als auf politischem Parkett (12. September, 21 Uhr im Rathaus). Kontrastprogramm gibt es tags darauf ab 14 Uhr im Rathaus. In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Indischen Gesellschaft und dem Indian Council für Cultural Relations zeigen Vanod Bhatt & Ensemble traditionelles Marionettentheater aus Rajasthan.

Im Mittelpunkt des Festivals stehen aber einmal mehr die Kinder. Sie erwartet ein Repertoire, das vom „Kleinen Hobbit“ über Grimm-Märchen wie „Dornröschen“ oder „Aschenputtel“ bis zu „Pettersson und Findus“ reicht. Aber auch „Ronja Räubertochter“ und „Die vier Stadtmusikanten“ sind mit von der Partie.

Ja, und dann gibt es noch ein Wiedersehen mit jenem Mann, der den Rittersaal einst in bester Boris-Becker-Manier zu seinem „Wohnzimmer“ erklärte, und vor einem Jahr nicht dabei sein konnte. Dafür reist Publikumsliebling Pavel Möller-Lück jetzt auch gleich mit zwei Stücken an: „Dr. Weltsch und Dr. März“ und „Ich will meine Seele tauschen“ – ein Abend über Clara und Robert Schumann. Für Unterhaltung ist also reichlich gesorgt.

Karten für Mitglieder gibt es am 21. und 22. August, ab 14 Uhr. Der allgemeine Vorverkauf beginnt am 25. August (mo., mi. u. do. von 10 bis 12 Uhr sowie mo. bis fr. von 14 bis 17 Uhr im Pole-Poppenspäler-Büro im Schloss. E-Mail-Bestellungen über die Web-Seite www.pole-poppenspaeler.de.

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