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Wertvolles Geschenk : Großer Maler in der kleinen Stadt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte erhielt ein wertvolles Bild von Benjamin Calau als Präsent. Der gebürtige Friedrichstädter Dr. Heinrich Heldt überreichte gestern im Stadtarchiv die Zeichnung.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 12:00 Uhr

Als im Jahr 1994 im Mitteilungsblatt – besser Büchlein – der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte ein Beitrag von Dr. Heinrich Heldt unter der Überschrift „Ein großer Maler aus einer kleinen Stadt“ erschien, ahnte niemand, dass der große Maler jetzt in das Holländerstädtchen zurückkehren würde – genauer, eines seiner Werke. Heinrich Heldt hat der Gesellschaft nämlich das Bildnis eines Mannes mit Vollbart von Benjamin Calau übergeben. Calau selbst ist in Friedrichstadt in Vergessenheit geraten, denn zwei von ihm gemalte Ölgemälde, die einst den Ratssaal im alten Rathaus zierten, wurden bei der Bombardierung der Stadt im Jahr 1850 zerstört.

Heldt entdeckte in den 1990er Jahren das Bild in einer Antiquitätenausstellung im Reinbeker Schloss. Es war mit Calau signiert und als Geburtsort des Malers war Friedrichstadt angegeben. Obwohl sich Heldt, wie er gestern berichtete, schon fast ein halbes Jahrhundert lang mit Kunst befasst hatte, war ihm der Name Calau unbekannt. Er kaufte das Bild und begann zu recherchieren. Mittlerweile ist er einer der besten Kenner Calaus geworden. Neben den Artikeln in drei Heften der Friedrichstädter Gesellschaft hat er unter anderem auch zwei Aufsätze für die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte über den Friedrichstädter geschrieben.

Der Maler und Fabrikant Benjamin Calau wurde 1724 in Friedrichstadt geboren. Sein Vater, der Maler Christoph Callau/Kallau, unterrichtete Benjamin und seine beiden Brüder im Zeichnen. Von 1749 bis 1771 lebte Benjamin in Leipzig und wurde dort 1755 kursächsischer Hofmaler. Er malte zahlreiche Porträits. Außerdem experimentierte er mit der Wachsmalerei, der „enkaustischen Malerei“. Das Wissen um diese Technik, die von Plinius dem Älteren in seiner Naturalis historia beschrieben wurde, war verloren gegangen. Calau entwickelte ein eigenes brauchbares Verfahren, in Wachs zu malen. Inwieweit es dem römischen Original entspricht, ist heute nicht mehr zu beurteilen. Er verfasste 1769 die Schrift „Ausführliche Versuche, wie das Punische oder Eleodorische Wachs aufzulösen“. In Berlin war man von seiner Technik angetan, so dass Calau 1771 dorthin umsiedelte. Er brachte es zum Hofmaler Friedrichs II. und wurde Mitglied der Akademie der Künste. 1772 erwarb er ein preußisches Privileg für den Vertrieb seiner Wachsfarben, deren genaue Zusammensetzung er geheim hielt. In Wachsfarbentechnik malte er zudem neun Porträts für den berühmten „Freundschaftstempel“ des Dichters Johann Wilhelm Ludwig Gleim in Halberstadt, über den er auch in einem Heft der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte berichtete.

In seinem letzten Lebensabschnitt bemalte Calau mit seinen Wachsfarben auch Porzellan und Fayencen und wurde schließlich Tapetenfabrikant und sehr wohlhabend. Er starb 1785 in Berlin, ohne noch einmal seine Geburtsstadt gesehen zu haben.

Christiane Thomsen, Stadtarchivarin und Museumsleiterin, bedankte sich gemeinsam mit Jörn Norden, der für die Redaktionsarbeit der Gesellschaft verantwortlich ist, für das großzügige Präsent. Laut Christiane Thomsen soll das Bild vorläufig im Stadtarchiv verbleiben. „Ich kann mir aber auch eine Ausstellung Friedrichstädter Künstler im Museum vorstellen“, sagt sie. Der 73-jährige Dr. Heinrich Heldt lebt heute in Pogeez in der Nähe von Ratzeburg. Er fühlt sich seiner Geburtsstadt sehr verbunden und hat festgestellt, „dass wenn man bei einem Menschen von der Ostküste kratzt, kommt immer Westküste heraus.“

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