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Abschied in Leck : Großer Bahnhof für Ingwer Oldsen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zahlreiche Gäste verabschiedeten den Leiter des Plattdeutsch-Zentrums. Dabei regte sich auch Unmut über die ausbleibende Nachfolge-Lösung.

Ingwer Oldsen mag nicht im Mittelpunkt stehen. Das war schon immer so, wie er den Gästen im Zentrum für Niederdeutsch im Landesteil Schleswig, dem Plattdüütsch-Zentrum in der Nordsee-Akademie in Leck, erzählte. Schon sein Vater hatte ihm gesagt, dass er sich „man nicht so wichtig“ nehmen sollte. Vielleicht liegt es daran, dass er stets bescheiden geblieben ist, so wie es ihm zahlreiche Redner bescheinigten. Sie alle waren gekommen, um ihn in den Ruhestand zu verabschieden. Schweren Herzens, wie sich bei der Feier in Leck zeigte.

Gut neun Jahre war Ingwer Oldsen Leiter des Zentrums für Niederdeutsch – und noch viel mehr. In Schleswig-Holstein wissen Generationen von ihm und vor allen Dingen von seinen Verdiensten um die plattdeutsche Sprache, die zur Identität eben jener Menschen gehört. Drei Landtagsabgeordnete – Klaus Jensen, Birte Pauls und Bernd Heinemann –, Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen, der ebenfalls Abgeordneter des Landtages ist, sowie Landtagspräsident Klaus Schlie saßen vereint in der ersten Reihe und gaben mit ihrem Erscheinen dem zu Verabschiedenden ihre vollste Aufmerksamkeit. „Ich sehe es als große Ehre, dass so viele Leute gekommen sind. Es ist auch eine Ehre für die kleinen Sprachen und ein großes Zeichen für sie“, sagte Ingwer Oldsen.

Truels Hansen, Vorsitzender des Fördervereins für das Zentrum, hielt einen Rückblick auf das Wirken von Ingwer Oldsen. Dabei wurde deutlich, wie immens viel der im Februar 1952 geborene Bredstedter Zeit seines Lebens auf Kreis- und Landesebene für die plattdeutsche Sprache getan hat. Aus dem Unmut des Fördervereins zur Nachfolge Oldsens machte er keinen Hehl. Die ist nämlich immer noch nicht geregelt, wie er erzählte: „Uns wurde im April 2016 vom Land schriftlich zugesagt, dass man sich rechtzeitig für einen Nachfolger einsetzen wird.“ Die erste Ausschreibung war im Dezember 2016, die zweite Mitte April 2017 und die dritte wird im August diesen Jahres erfolgen. „Wir sind total verärgert darüber, dass die Stelle wohl erst im Januar 2018 besetzt werden kann“, so Truels Hansen mit Blick zu den Vertretern aus dem Landtag.

Klaus Schlie nahm den Ball nicht auf, lobte aber Ingwer Oldsen in höchsten Tönen. Er war sich sicher, dass Oldsen „dabei bleibt“ und bedankte sich bei ihm im Namen aller Landesabgeordneten. „Sie haben es verstanden, dass wir uns darauf besinnen, dass Plattdeutsch eine lebendige Sprache ist“, sagte er.

Johannes Callsen richtete die Grüße von Ministerpräsident Daniel Günther aus. „Unser Auftrag ist es, mehr für die plattdeutsche Sprache zu tun, um sie am Leben zu halten.“ Er wisse um die Bedeutung der Sprache, die Zugang zu den Menschen schafft. „Ich bin mir sicher, dass es eine Lösung für die Nachfolge geben wird. Die langen Wege in Deutschland sind leider an der Tagesordnung“, bedauerte er.

Astrid Finger, Schulrätin des Kreises Nordfriesland, verabschiedete Ingwer Oldsen mit einer Urkunde in den Ruhestand. Sie erinnerte sich gern an seine „charmante Bewerbung“ als Leiter des Plattdeutsch-Zentrums. „Sie sind nicht nur ein Kulturbewahrer, sondern auch ein Identitätsbewahrer in Schleswig-Holstein“, lobte sie.

Anschließend waren Gäste an der Reihe, die gerne noch etwas sagen wollten, und das waren viele. Wehmut schwang bei allen mit, genauso wie die Freude darüber, an der Seite von Ingwer Oldsen gewesen zu sein. Oft erwähnt wurde auch seine Ehefrau Karin, die ihren Mann bei seinen Aufgaben unterstützte. „Mir wird es sicher fehlen und es kann ja sein, dass ich noch ein klein wenig Verlängerung bekomme“, sagte Oldsen, der immer gerne Lehrer gewesen ist, wie er bekundete.

Mit Blick in die Zukunft meinte er: „Ich glaube nicht, dass wir alle Platt auf der Straße sprechen werden. Platt aber hat einen kulturellen Wert.“ Alle Leute reisen durch die Welt, um das Besondere zu suchen. „Plattdeutsch ist etwas Besonderes, man braucht es nicht zu suchen, denn es ist da.“ Statt Geschenken hatte Ingwer Oldsen um Spenden für die Stiftung „Mien Moderspraak“ gebeten.

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