Ausstellung mit 120 historischen Exponaten : Große Schau der kleinen Puppen

Gesellschaft für „Strampelchens Geschwister“: Rita Petersen (links) und Erika Nussbaum (Zweite von links) wollen ihre Puppen der Ausstellerin Gisela Neels (Zweite von rechts) zeigen.
Gesellschaft für „Strampelchens Geschwister“: Rita Petersen (links) und Erika Nussbaum (Zweite von links) wollen ihre Puppen der Ausstellerin Gisela Neels (Zweite von rechts) zeigen.

„Strampelchens Geschwister – Puppenlieblinge mit Geschichten“ heißt eine Ausstellung, die im Husumer Weihnachtshaus eröffnet wurde. Zu sehen ist sie bis zum 19. Oktober.

shz.de von
07. Mai 2015, 16:00 Uhr

Im Zuge einer Sonderausstellung haben mehr als 120 historische Puppen die Regie im Weihnachtshaus übernommen. Bei der feierlichen Eröffnung konnten im Westerende 46 zahlreiche Bewunderer der außergewöhnlichen Exponate begrüßt werden. Für die Aussteller Gisela und Karl Neels war es nicht der erste große Auftritt im Museum, wie Alix Paulsen, Chefin des Weihnachtshauses, bei der Vernissage bemerkte. Unter dem Titel „Strampelchens Geschwister – Puppenlieblinge mit Geschichten“ werden die Sehenswürdigkeiten der Öffentlichkeit nun bis Montag, 19. Oktober, präsentiert.

Die 75-jährige Puppensammlerin berichtete dem Publikum in humorvoller Weise, wie sie zu dieser langjährigen Leidenschaft kam: „Ich habe zwar mit zehn Jahren meine erste Puppe geschenkt bekommen, doch viel lieber hätte ich mich damals mit der Spieleisenbahn beschäftigt.“ Lange habe sie den Wert ihrer Bärbel, die ihre Eltern ihr 1950 unter den Weihnachtsbaum gelegt hatten, nicht erkannt. Allerdings hätten ihre Großeltern ein Spielwarengeschäft gegründet, das ihr Onkel übernommen habe – dort wurde Gisela Neels zur Spielwaren-Verkäuferin ausgebildet. „Und so bin ich tagtäglich mit Puppen in Berührung gekommen, ohne mich großartig dafür zu interessieren“, sagte sie.

Die Liebe zu Puppen löste aber bei ihr erst ihr gleichaltriger Mann, der Textilkaufmann Karl Neels, aus – mit einem entsprechenden Geschenk. Seitdem besuchen beide jedes Jahr gemeinsam das internationale Puppen-Festival in Neustadt bei Coburg – eine „fürchterliche Verführung“ für sie, wie sie schmunzelnd einräumte. „Ich kann mich nicht dagegen wehren, wenn eine Puppe mir zuruft: Nimm mich mit!“

Bei einem Rundgang entlang der Vitrinen fielen viele Blicke auf einen Puppenwagen. Damit habe schon ihre Großmutter gespielt, erläuterte Gisela Neels den überraschten Besuchern. Nach ihrer Lieblingspuppe gefragt, präsentierte sie ein weiß gekleidetes Exemplar. „Das ist Karin“, sagte ihr Ehemann und gab eine ungewöhnliche Geschichte zum Besten: Vor fast 50 Jahren half er einem Freund bei einer Wohnungsauflösung – und zwischen dem Müll, der entsorgt werden sollte, lag Karin. Die Puppe gehörte zu den wenigen Dingen, die er mit in die Ehe gebracht hatte. Behutsam holte Karl Neels sie aus der Vitrine und präsentierte sie den Gästen. Wie Karin, so hat er die meisten Puppen originalgetreu eingekleidet: „Ich bin kein Schneider, das ist mein Hobby.“

Auch alte Steifftiere sowie Hummel- und Göbelfiguren hat das Ehepaar gesammelt. Dazu gehören die frech blickenden Stups und Trine. Während Gisela Neels den Gästen die einzelnen Figuren in der geöffneten Vitrine vorstellte, hielt sie beim Schlaftiger inne. Wo dieses Tier herkomme, wollte eine Besucherin wissen. „Mit dem bin ich aufgewachsen – und selbst mit 20 Jahren musste es beim Einschlafen noch dabei sein“, antwortete die Ausstellerin.

Besonders beeindruckt zeigte sich Angelika Bache aus Heide. Nach langem Betrachten zeigte sie auf eine rot gekleidete Puppe: „So ähnlich sah meine Susi aus!“ Und die hatten ihre Eltern im Krieg gegen Lebensmittel eingetauscht, was sie erst später erfuhr. „Ich weiß noch, wie zornig und böse ich auf meine Eltern war“, erzählte die 83-Jährige. Auch Rita Petersen aus Hattstedt trauerte lange Zeit ihrer Puppe nach. In den 90er-Jahren habe sie sich den Matrosen gekauft.

Solche und ähnliche Anekdoten kommen dem Ehepaar Neels des Öfteren zu Ohren: „Immer wieder hören wir die traurige Geschichte, dass die Lieblingspuppe auf der Flucht verloren gegangen ist.“ Solche Ausstellungen erweckten die Kindheit wieder zum Leben. „Für mich sind es wunderschöne Erinnerungen an die Zeit, als ich noch klein war und mit meinen Puppen gespielt habe“, schwärmte Ingeborg Schuster. Die Schleswigerin nannte mehrere Puppen, die sie dann an ihre Enkel weitergegeben habe, ihr Eigen.

Erika Nussbaum aus Husum brachte zur Eröffnung ihren Hans mit – einen Berg-Jungen, den sie vor vielen Jahren angeschafft hat. Auch Hans ist im Rahmen der Schau „Strampelchens Geschwister“ im Weihnachtshaus zu sehen.

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