Dörfer im Fokus : Größer, breiter, weiter – der Zentralort Viöl

Viöl liegt für Bredstedter auf dem Weg zur A7, für Husumer auf dem Weg nach Flensburg.

Viöl liegt für Bredstedter auf dem Weg zur A7, für Husumer auf dem Weg nach Flensburg.

Aus dem beschaulichen Dorf ist über die Jahrhunderte eine große Gemeinde geworden. Weitere Neubaugebiete werden erschlossen.

shz.de von
02. Januar 2018, 11:00 Uhr

Viöl | „In den vergangenen Jahren, wurde hier viel auf den Weg gebracht“, sagt Heinrich Jensen, Bürgermeister des Zentralorts. „Und ich bin gespannt, wie es sich weiterentwickelt.“ Für 2018 stehen einige Bauvorhaben an, für den Kindergarten gibt es einen Neubau, und am Kunstrasenplatz entstehen Dusch- und Umkleideräume. Das Dorf wächst stetig, und der steigenden Bewohnerzahl gilt es, sich anzupassen.

In unserer Dorfserie werfen wir einen genauen Blick in drei Ortschaften. Im Norden Ockholm, im Süden Westerhever und in der Mitte Viöl. Wie gestaltet sich das Dorfleben, war früher alles besser und was machen die Bewohner in ihrer Freizeit? Den Anfang macht der Bürgermeister von Viöl.

Aktuell leben in Viöl rund 2250 Menschen. Darunter relativ viele junge Familien. „In den 1990er Jahren wusste ich noch bei fast jedem Haus, wer dort lebt, aber das kann ich schon lang nicht mehr“, sagt der Urviöler Jensen.

Das Dorf liegt an der B 200 zwischen Flensburg und Husum. Knapp 400 Beschäftigte arbeiten bei den 66 Unternehmen, die sich dort angesiedelt haben. Es gibt eine Gemeinschaftsschule, einen Sportverein, Ärzte und Supermärkte. „Viöl ist ein Zentralort und bei jungen Familien beliebt.“

Die Baugrundstücke des jüngsten Neubaugebiets Sollwitter Chaussee waren schnell komplett verkauft. „2011 haben wir mit der Erschließung begonnen. Wir hatten viele Interessenten. Die ersten 41 Grundstücke mussten wir verlosen.“ Einige Plätze im Baugebiet seien besonders beliebt gewesen. Alle 76 Grundstücke waren 2015 besetzt.

„Uns war es wichtig, dass dort hauptsächlich Einfamilienhäuser entstehen für Familien, die dort einziehen und bleiben.“ Deshalb habe die Gemeinde dafür gesorgt, dass in dem Neubaugebiet keine Doppelhaushälften gebaut werden. „Die werden in der Regel gebaut und dann vermietet“, erklärt Jensen.

Die Nachfrage nach Baugrundstücken sei groß. In Angriff genommen hat die Gemeinde jetzt auch die Verdichtung des Ortskerns. „Nun ist in den ursprünglichen Siedlungen auch das Bauen nach hinten möglich. Dabei soll aber die Beschaulichkeit nicht verloren gehen.“ Dafür sei extra eine einfach Bauordnung erlassen worden, die festlegt, dass Bauherren keine riesigen Wohnblöcke im Dorfkern errichten dürfen.

Die Kirche steht im historischen Ortszentrums der Gemeinde.
Lempfert

Die Kirche steht im historischen Ortszentrums der Gemeinde.

Demografischer Wandel: Gegen den Trend

Durch die Vielzahl junger Familien sei der demografische Wandel in der Gemeinde nicht zu spüren, „eher im Gegenteil“. Im vergangenen Jahr sind allein 31 Säuglinge dazugekommen, 2015 waren es 27.

„Wir wollen unser Wachstum nicht bremsen, wir müssen es nur regulieren und entsprechende Infrastrukturen aufbauen“, schildert Jensen. Die Kapazitäten in der Schule ließen sich gut planen. „Da haben wir immerhin sechs Jahre Vorlauf. Aber mit der Kindertagesstätte ist das schwieriger. Sie platzt aus allen Nähten.“ Bisher habe der Träger, das Kindertagesstättenwerk des Kirchenkreises Nordfriesland, und die Leiterin in Viöl, Dorothea Wiechert, immer eine gute Lösung gefunden. „Wir haben eine Naturgruppe eingerichtet, und die Hortgruppe für die Grundschüler wurde im Jugendzentrum untergebracht.“ Jetzt soll schräg gegenüber vom Kindergarten ein Neubau entstehen. Die Zusagen von Baubehörde und Fachbehörden würden zwar noch fehlen, aber „wer will sich gegen den Bau eines Kindergartens wehren?“.

Auch mit der Entsorgung der Abwässer hätte es bei dem Wachstum der Gemeinde eng werden können. „Uns kam da sehr zu Gute, dass die Meierei aus dem Dorf ins Gewerbegebiet gezogen ist“, so Jensen. Sie hat ein Drittel der Abwässer verursacht. Jetzt stehen diese Kapazitäten der Gemeinde zur Verfügung.

Der Kirchspielkrug im historischen Kern des Dorfes.
Lempfert

Der Kirchspielkrug im historischen Kern des Dorfes.

Das historische Viöl

Früher sei Viöl nur ein kleines Bauerndorf mit der Kirche im Zentrum und mit Kirchspielkrug gewesen. „Jedes Dorf hatte damals seine eigene Welt mit Schule und Einkaufsmöglichkeit.“ Das Jahr 1953 sei für Viöl und seine Entwicklung ausschlaggebend gewesen: Viöl wurde zum Schulstandort mit Aufbauzug. Er ist wie die Mittelschule ein Vorgänger der späteren Realschule. Eingerichtet wurde dieser Zweig an der damaligen Volksschule, um Kindern im ländlichen Bereich bessere Bildungs-Chancen zu gewähren. Deshalb war der Abschluss gleichrangig mit dem der Mittelschule. „Die Schüler kamen aus den umliegenden Dörfern wie Olderup und Bohmstedt nach Viöl, um hier zu lernen“, sagt Bürgermeister Jessen.

Das Dorfleben habe sich zwischen dem heutige Zob und dem Kirchspielkrug abgespielt. Das habe sich aber über die Jahre verschoben. „Ein wichtiger Treffpunkt unserer Senioren ist jetzt im Bistro der Landschlachterei Burmeister am neuen Westermarkt.“ Die ältere Generation, aber auch die Jungen seien in der Gemeinde sehr aktiv. „Die wollen nicht zuhause herumsitzen, sondern etwas machen.“

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Die Kirche

Die Feldsteinkirche des Ortes wurde um 1100 als Wehrkirche gebaut. Nur noch das Portal ist original erhalten, der heutige Backsteinbau stammt größtenteils aus der Zeit um 1200. Der Westturm der Kirche wurde 1450 erbaut.

Die stillgelegte Eisenbahnstrecke

Bis um 1900 war der Ort von Heide und Wiesen umgeben. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Husum nach Bredstedt und Flensburg wuchs das Dorf jedoch schnell. Als immer mehr Autos auf die Straßen kamen, wurde die Strecke Husum-Flensburg 1959 stillgelegt.

Das ehemalige Kirchspiel Viöl

Das Kirchspiel Viöl war Teil der Nordergoesharde. Nach der Gründung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein 1866 wurde aus dem Gebiet des Kirchspiels Viöl eine Kirchspielslandgemeinde gebildet.

Sie umfasste die sechzehn Dorfschaften Behrendorf, Bondelum, Boxlund, Brook, Eckstock, Haselund, Hoxtrup, Kragelund, Kollund, Löwenstedt, Norstedt, Ostenau, Pobüll, Sollwitt, Spinkebüll und Viöl.

Am 1. April 1934 wurde die Kirchspielslandgemeinde und ihre Dorfschaften, darunter auch Viöl, zu Gemeinden.

Am 1. Dezember 1934 wurde Viöl mit den Nachbargemeinden Boxlund und Eckstock zu einer neuen Gemeinde Viöl zusammengeschlossen.

 
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