Eiderstedt : Gräben räumen für den Deichbau

Für die Deichverstärkung auf Eiderstedt könnte auch Boden aus den Gräben der Region verwendet werden.
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Für die Deichverstärkung auf Eiderstedt könnte auch Boden aus den Gräben der Region verwendet werden.

Für die geplanten Deichverstärkungen auf Eiderstedt werden 57 Hektar Land und einige Millionen Kubikmeter Erde benötigt.

shz.de von
07. Februar 2018, 14:00 Uhr

Das ist ein Thema, was viele Eiderstedter und vor allen Dingen die Landwirte bewegt: die geplante Deichverstärkung auf Eiderstedt und der Flächenbedarf dafür. Um mehr dazu zu erfahren, hatte der Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) Schleswig-Holstein, zu seiner Winterversammlung eingeladen. Der Saal im Eiderstedter Krog in Tating war gut gefüllt.

Oelerichs abschließende Antwort vorweg: „Insgesamt haben wir einen Bedarf von 18 Hektar im nördlichen Eiderstedt und 57 Hektar insgesamt auf Eiderstedt.“ Auf der Halbinsel sind 19 Kilometer Deich zu verstärken. „Grundsätzlich untersuchen wir, wie verstärkt werden muss, ob binnen- oder außendeichs. Varianten und Untervarianten stehen zur Auswahl und werden individuell umgesetzt.“ Klarzustellen sei, dass es grundsätzlich außendeichs wegen der naturschutzrelevanten Lebensräume verboten sei, zu bauen. Nur der Küstenschutz dürfe, wenn es erforderlich wird, aktiv werden, müsse dann aber Ausgleichsflächen vorhalten. Davon stehen auf Eiderstedt 100 Hektar zur Verfügung, wovon 84 Hektar bereits in Anspruch genommen worden sind.

Bei der Materialgewinnung könne man Synergieeffekte nutzen, die dann auch der Entwässerung insgesamt zugute kämen. Oelerich sprach damit einen Vorschlag des Deich- und Hauptsielverbandes Eiderstedt an. Demnach könnten im Zuge einer Räumung die 900 Kilometer Sielzüge Boden für die Deichverstärkung liefern. Sollte er geeignet sein, wären immerhin 1,8 Millionen Kubikmeter Erde gewonnen. Hier seien die Landwirte gefragt. Es würden diesbezüglich Gespräche geführt. Gleiches gelte für die Speicherbecken. „Da können wir auch ran, und sie werden so größer“, sagte Dr. Oelerich. Er hoffe letztlich, dass alle Verantwortlichen und betroffenen Bürger auf Eiderstedt für den Bau der Klimaschutzdeiche trotz anderer oder differenzierter Meinungen zusammenarbeiten, denn der Klimawandel hole jeden Einzelnen ein.

Aus dem Watt werde aufgrund der naturschutzrechtlichen Bestimmungen definitiv kein Boden mehr entnommen, betonte Oelerich. Da es nun eben verschiedene Ausbau-Varianten für die Deiche gibt, beeinflusse das auch den benötigten Bedarf an Material. An jedem Abschnitt werde genau geprüft, welche Variante passt. Beispielsweise sind im Tümlauer Koog 5,1 Kilometer zu verstärken, davon binnendeichs 1,1 Kilometer, der Rest außen. Letztmalig wurde er 1964 verstärkt. „Die Planungen sind vorangeschritten. 460.000 Kubikmeter Klei werden gebraucht, an Sand etwa bis zu 140.000 Kubikmeter sowie Füllboden bis 390.000 Kubikmeter, insgesamt rund eine Million Kubikmeter. Das ist eine Hausnummer“, so Dr. Oelerich. Wenn bei steigendem Meeresspiegel später aufgesattelt werden müsste, bräuchte man nur noch 135.000 Kubikmeter Material. Das LKN sorge auf jeden Fall dafür, das weitere Bodenentnahmen außerhalb der landwirtschaftlichen Flächen geschaffen werden.

Sachliche Fragen der Zuhörer beantwortete der Experte offensichtlich zur Zufriedenheit, denn heiße Diskussionen blieben aus. Auf die Frage, wann es denn losgehe, erklärte Oelerich: „Der Fachkräftemangel hat auch den LKN erreicht. Zwei Ingenieure, die für die Maßnahmen eingeplant waren, fehlen. 2019 war geplant, wird aber schwierig. Im Tümlauer Koog werden wir etwa 2021 beginnen. Alle anderen sind noch nicht terminiert und in Planung.“

Das Fazit von Melf Melfsen, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, lautete: „Sie haben uns ein paar Sorgen abgenommen.“ Deichverstärkung könne also zugleich Neuordnung der Wasserwirtschaft bedeuten. „Gut, dass Erde auch aus den Speicherbecken entnommen werden darf. Das wird helfen und schafft wieder Platz für mehr Inhalt“, fasste der gebürtige Eiderstedter und ehemalige Geschäftsführer des Deich- und Hauptsielverbands, Thies Thiessen, jetzt Vorsitzender des Fördervereins Naturzentrums Mittleres Nordfriesland, zusammen. Oberdeichgraf Jan Rabeler warb für einen sachlichen und offenen Umgang miteinander. Die Zusammenarbeit aller sei wichtig.

Eiderstedts Amtsvorsteher Christian Marwig bat am Ende noch um eine Antwort hinsichtlich des Boßeln am Deich vor Uelvesbüll. Die knappe Antwort von Dr. Oelerich: „Der Traditionssport muss erhalten bleiben. Da bin ich bei Ihnen.“

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