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Hilfe für Tiere in Not : Gnadenhof für Langohren gerettet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit 30 Jahren engagiert sich Anke Kraus für Tiere in Not. Ihre Kaninchenhilfe stand kurz vor dem Aus. Die Rettung der Einrichtung hat sie vielen fleißigen Helfern zu verdanken.

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erstellt am 05.Jul.2017 | 14:00 Uhr

Nach einem schwierigen Jahr sieht Anke Kraus für die Kaninchenhilfe Nordfriesland wieder Licht am Ende des Tunnels. „Dank vieler treuer Freunde, Unterstützer und Spender hat sich ein Großteil unserer Probleme in Luft aufgelöst“, sagt sie. Persönliche, krankheitsbedingte und finanzielle Gründe hatten 2016 dazu geführt, dass sie nicht sicher sein konnte, den Gnadenhof in der Ostenfelder Landstraße 2 weiterhin führen zu können.

Mit einem Tag der offenen Tür am Sonnabend (8.), 10 bis 16 Uhr, möchte Kraus nun bei den engagierten Mitrettern bedanken und zudem allen interessierten Tierfreunden Gelegenheit geben, durch den Besuch ihres Flohmarktes etwas Gutes zu tun. Neben Kaffee und Kuchen gibt es die Möglichkeit, sich mit den Tieren zu beschäftigen. Zudem hofft sie, neue Unterstützer und Paten für ihre derzeit mehr als 40 Kaninchen zu gewinnen. „Ganz besonders dankbar bin ich der Drelsdorfer Tischlerei Bauschke, deren Team nicht zum ersten Mal neue Gehege gezimmert hat und mir auch sonst immer wieder mit Rat und Tat zur Seite steht“, sagt Anke Kraus.

Die meisten Bewohner ihrer Auffangstation sind Fundtiere oder wurden bei Wohnungs-Umzügen zurückgelassen, manchmal sogar samt Nachwuchs. Viele wurden aufgrund schlechter Haltung beschlagnahmt oder aus persönlichen Gründen abgegeben. Fast jedem Kaninchen gibt Anke Kraus einen (neuen) Namen, wenn es bei ihr einzieht, denn in der Regel wird daraus eine lange Beziehung. „Da fast alle pflegebedürftig und aufgrund ihrer Vorgeschichte schwer zu händeln sind, habe ich beschlossen, künftig keine Tiere mehr an Fremde zu vermitteln“, sagt sie. „Ich lasse sie bei ihrer Ankunft vom Tierarzt durchchecken und impfen, und dann bekommen sie hier ihr Gnadenbrot. Wenn ich sie dann irgendwann für immer gehen lassen muss, dann tue ich das in dem beruhigenden Wissen, dass sie bis zuletzt hier eine schöne Zeit hatten“, sagt sie, wohl wissend, dass ihr an diesem Tag genau so ein Abschied noch bevorsteht: Einer ihrer Schützlinge leidet an einer Erkrankung, die am Ende zu einer extremen Schiefhaltung des Kopfes führt. Dass es dem Tier zunehmend schlechter geht, ist nicht zu übersehen. „Wir werden Eddy heute noch vom Tierarzt erlösen lassen“, sagt Anke Kraus. Denn auch das gehört zum Alltag auf einem Gnadenhof.

Im Großen und Ganzen aber hat sie viel Freude an den Tieren, auch wenn diese eine Menge Arbeit mit sich bringen. Seit kurzem hilft ihr Ghassan al Araj bei allem, was rund um die Gehege zu tun ist. Als geringfügig Beschäftigter darf sie den Syrer drei Stunden pro Woche beschäftigen. Meistens kommt er freitags, worüber sich ganz besonders Milo freut – der kleine Jack Russell-Terrier gehört seit einem Jahr zum Team. Im gesetzten Alter von 14 Jahren scheint er keinerlei Jagdtrieb mehr zu verspüren. Wenig erfreut reagiert er nur, wenn sich die freilaufenden Kaninchen mal wieder über sein Futter hermachen, zugleich aber sauer reagieren, wenn er selbst an einem verschmähten Stück Möhre schnuppert. „Aber wenn´s drauf ankommt, sind sie allesamt ganz dicke Freunde“, beschreibt sein Frauchen das ungewöhnlich friedliche Zusammenleben.

Seit Mitte der 1980er- Jahre setzt sich die Mildstedterin für Tiere in Not ein. „Das ist jetzt genau 30 Jahre her“, resümiert sie und erzählt, dass sie als 16-Jährige vom Robben-Sterben in Kanada gehört und beschlossen hatte, sich künftig für den Tierschutz zu engagieren. Ihr Faible für Kaninchen entdeckte sie 15 Jahre später nach einem Waldspaziergang, bei dem sie ein ausgesetztes Tier fand. Mühsam päppelte sie es zu Hause wieder auf – und wollte mehr über den Umgang mit den Langohren wissen. Über die Kaninchenhilfe Deutschland bildete sie sich fort, sprach mit Tierärzten „und plötzlich hatte ich eine Auffangstation“.

Ernst wird Anke Kraus, wenn jemand nach einem „Geschenk“ für die Kinder oder Enkel bei ihr anfragt. „Das sind keine Kuscheltiere“, mahnt sie dann. „Kaninchen wollen springen, graben, Haken schlagen – und ganz bestimmt nicht tagein-tagaus alleine in einer Box sitzen.“ Solche und andere Tipps zur Haltung gibt es bei ihr kostenlos. Wer eine Gegenleistung erbringen oder ihr sonst irgendwie helfen möchte, findet bei Amazon eine Wunschliste mit allem, was die Kaninchenhilfe braucht – vom Abfallsack über Gemüseflocken und Einstreu bis hin zu diversen Pflegeutensilien. Über das Portal „Gooding“ kann man zusätzlich durch gezielte Einkäufe Einnahmen generieren, mit denen Anke Kraus die Tierarztkosten begleichen kann. Auf diese Weise hofft sie auch, irgendwann einmal für das altersschwache Auto der Auffangstation adäquaten Ersatz beschaffen zu können.

Die Kaninchenhilfe Nordfriesland ist unter Telefon 04841/9373717 erreichbar.

Spendenkonto:

IBAN DE 46 2219 1405 0045 7770 12

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