Biike 2018 : Gluthitze – Glühwein – Grünkohl

Nieblum: Entspannt genießen die Besucher Gespräche miteinander und das wärmende Feuer.
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Nieblum: Entspannt genießen die Besucher Gespräche miteinander und das wärmende Feuer.

Offener Himmel und leichter Frost boten die idealen Bedingungen für wunderschöne Feiern an den Biiken auf Föhr und Amrum.

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22. Februar 2018, 12:15 Uhr

Das Wetter gestern Abend hätte besser nicht sein können für das traditionelle Biikebrennen der Friesen. Auf Föhr waren es 15, auf Amrum vier Feuer, die ihre Flammen am Vorabend des heutigen „Piadersdai“ (Petritag) in den Nachthimmel sandten. Die freiwilligen Feuerwehren sorgten für das Entzünden der Haufen und den Brandschutz sowie vielerorts auch mit Glühwein und Bratwurst für das leibliche Wohl.

Biike am Morgen: Feuerwehreinsatz in Goting

Während in Wyk und Utersum Fackelzüge seit einigen Jahren zum Biikehaufen führen, machten sich die Bewohner der Inseldörfer per Auto oder zu Fuß auf den Weg zum Feuer. Auch die Nieblumer „biik“ konnte sich sehen lassen. Als die Feuerwehr dort um 19 Uhr für einen Augenblick ihre eigentliche Bestimmung vergaß und zündelte, hatten sich viele Schaulustige eingefunden. Bei Glühwein, Kinderpunsch und Bier loderten die Flammen bald einige Meter hoch. „Das Wetter ist auch ideal: trocken und windstill – was will man mehr?“, blickt Wehrführer Kai Nissen zufrieden auf die Flammen,„Ich freue mich sehr, dass in diesem Jahr so viele gekommen sind, im Vorjahr waren es etwas weniger.“

Die Biike gehört zur Gruppe der Frühlingsfeuer, die schon in vorchristlicher Zeit entzündet wurden und von altersher dem Zauber gegen böse Geister dienten, der ein Gedeihen der Saat verbürgen sollte. Biiken war der Auftakt zum Frühjahrs-Thing, dem wichtigsten Gerichtstag in Nordfriesland. Damit wurden die Harden zusammengerufen und außerdem die Heuerverträge der Seeleute geschlossen. In den Tagen danach sammelten sich im 17. und 18. Jahrhundert die Seefahrer und verließen die Inseln Richtung Holland, Kopenhagen, Hamburg oder anderen Häfen in, von wo aus sie ins nördliche Eismeer segelten um Wale zu jagen.

Die Feuerwehr Nieblum-Goting kam aber nicht erst gestern Abend zum Einsatz: Am frühen Morgen hatten die Gemeindearbeiter eher per Zufall bemerkt, dass der Biikehaufen in Goting brannte. „Das sah man nicht gleich, da der Nebel so niedrig hing und der Rauch davon nicht gleich zu unterscheiden war“, berichtet Jörg Clausen über die frühe Aktion. „Aber es war nicht schlimm, nur etwa zehn mal zwei Meter sind verloren gegangen.“

Während die Erwachsenen sich am Feuer zum Klönen trafen, entzündeten die Kinder eine kleine Separat-Biike. Dabei galt es möglichst viel Holzkohle zu gewinnen, um sich gegenseitig und den Erwachsenen mit rußigen Händen die Gesichter zu schwärzen. Zum ersten Mal waren aus Düsseldorf Axel Herrenbrück und Marion Marzok beim Friesenfest dabei: „Wir sind begeistert, gerade für die Kinder ist es total spannend“, erzählen die Gäste.

Fackelzüge in Norddorf

„Besseres Wetter kann man sich für Biake nicht wünschen“, sagte Norddorfs stellvertretende Bürgermeisterin Sibylle Franz auf der Hüttmann-Wiese. Seit 2003 läuft man in Norddorf in einem langen Fackelzug zum Biikeplatz am Watt. Auch in diesem Jahr waren viele Gäste gekommen und lauschten Kai Quedens’ humoriger, teils in Friesisch gehaltener Einführung in die Tradition des Biikebrennens auf Amrum, wo am Abend vor Piadersdai (Sankt Petri Stuhltag) die Feuer am Seezeichenhafen in Wittdün, am Watt in Steenodde, am Klafhuuch in Süddorf, auf der Geest in Nebel und Norddorf den Frühling herbeirufen. Amrums freiwillige Feuerwehren sorgten an den Biikehaufen für den Brandschutz und das leibliche Wohl der Gäste und Insulaner.

Die Inselkinder hatten bereits in den Tagen zuvor ihren Spaß, denn sie durften an den Biikeplätzen traditionsgemäß vorab ein bisschen kokeln oder Stockbrot backen. Biake, wie auf Amrumer Friesisch (Öömrang) „ein Feuer anzünden“ oder „beim Biikenfeuer zugegen sein“ heißt, hat eine lange Tradition. Das Biak war ursprünglich ein Fassnachtsfeuer zur Erweckung des Frühlings. Waren die Biaken früher brennende Stroh-Baken, die umhergetragen wurden, haben sich die festen Haufen wohl Ende des 19. Jahrhunderts und der feste Termin erst um die Jahrhundertwende etabliert. Seit 1910 wird mit dem Piader, der mit Stroh und Papier gefüllten Opferpuppe, am 21. Februar symbolisch der Winter verbrannt. „Aber früher hatten wir längst nicht soviel Brennmaterial wie heute, nur ein bisschen Stroh und Heidekraut“, erinnert sich Hilke Blome an die Biikefeuer der Nachkriegszeit. Damals entstand auf Amrum auch die lustige Tradition des Gesicht-Schwärzens, das in diesem Jahr besonders an den Feuern in Steenodde und Wittdün auffiel.

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