DGB-Frauen : Gleichberechtigung fängt beim Lohn an

Lohnunterschiede zum Nachteil von Frauen haben auch mit der Berufswahl und der Unterbrechung von Erwerbstätigkeit zu tun.
Lohnunterschiede zum Nachteil von Frauen haben auch mit der Berufswahl und der Unterbrechung von Erwerbstätigkeit zu tun.

In Nordfriesland verdienen Frauen 19 Prozent weniger als Männer: Damit liegt der Kreis landesweit auf dem vorletzten Platz: Schlusslicht ist Dithmarschen.

shz.de von
06. März 2018, 13:00 Uhr

Frauen verdienen in Deutschland weniger als Männer – das ist keine neue Erkenntnis. Jetzt gibt es aber eine neue Berechnung des sogenannten Gender Pay Gap – übersetzt etwa Geschlechter-Einkommenslücke – vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB).

Datengrundlage ist das Mittlere Einkommen, das sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte in einer bestimmten Region beziehen. In Nordfriesland verdienten danach zum Stichtag 31. Dezember 2016 die Männer 2867 Euro brutto, die Frauen nur 2317 Euro: Das macht einen Unterschied von 19,2 Prozent aus – und ist damit nach Dithmarschen mit 20,7 das zweitschlechteste Ergebnis von allen Kreisen in Schleswig-Holstein. Beim Vergleich von Nordfriesland und Dithmarschen mit Lübeck und Neumünster werden die großen regionalen Unterschiede in Schleswig-Holstein deutlich. So erhalten in den beiden Städten die Frauen nur etwa acht Prozent weniger Lohn.

„Das ist noch ganz weit entfernt von gleichwertiger Bezahlung“, kritisiert Perke Heldt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Da keine Stundenlöhne aus Teilzeitbeschäftigung eingeflossen seien, dürfte der reale Unterschied zwischen den Geschlechtern noch höher sein.

Für die DGB-Frauen ist es nach ihren Worten wichtig, in weiteren Untersuchungen zu einer differenzierten Betrachtung zu gelangen, die die Besonderheiten der jeweiligen regionalen Wirtschaftsstruktur einbezieht. Denn aus der IAB-Studie geht hervor, dass Männer in industriellen Hochburgen beim Entgelt die Nase vorn haben. Ist Industrie schwach ausgeprägt, können auch die Frauen besser verdienen, wie Cottbus belegt. Noch nicht berücksichtigt ist laut Perke Heldt, dass ein beträchtlicher Teil der Lohnunterschiede auch auf Zeiten der Erwerbsunterbrechung für die Familienphase oder Teilzeitbeschäftigung und die Berufswahl zurückgeht.

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