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Das erste Dorf verkabelt : Glasfaser bis zu jedem Haus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Pilotgemeinde Löwenstedt wurde das Glasfasernetz der Bürger-Breitband-Netzgesellschaft feierlich eingeweiht. Das bundesweit einmalige Projekt, lebt von der Solidarität der Menschen im südlichen Nordfriesland.

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erstellt am 03.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Ein aufregender Tag für die elfjährige Gatje Albertsen aus Löwenstedt. „Nervös bin ich, aber es wird schon gehen“, sagte sie ganz cool vor ihrem großen Auftritt in der Löwenstedter Gaststätte Friedensburg. Die letzten drei Schulstunden waren für sie ausgefallen, denn schließlich sollte sie anlässlich der offiziellen Fertigstellung des Glasfasernetzes in der Gemeinde in einem Saal voller geladener Gäste sprechen. Darunter, neben dem Kieler Wirtschafts-Staatssekretär Ralph Müller-Beck, auch Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen, Amtsvorsteher Thomas Hansen, Bürgermeister Holger Jensen und natürlich die Geschäftsführerin der Bürger-Breitband-Netzgesellschaft GmbH & Co. KG, Ute Gabriel-Boucsein. Gatje, die im Hintergrund ihre Eltern Hans-Christian und Claudia Albertsen wusste, meisterte ihre Aufgabe mit Bravour. Sie erntete rauschenden Applaus, nachdem sie sich dafür bedankt hatte, dass auch sie wegen des Glasfasernetzes später eine bessere Chance auf einen guten Job haben werde.

Zuvor allerdings unterstrich Ute Gabriel-Boucsein die Einmaligkeit des Projektes. Sie dankte alle Mitstreitern, die von der Idee überzeugt sind, dass Nordfriesland nicht abgehängt werden darf. „Die ländliche Region des südlichen Nordfrieslands war sich früh der Bedeutung des schnellen Internetanschlusses bewusst und hat den mutigen Schritt auf einem neuen Weg mit der Gründung der BBNG gewagt. Ein bundesweit einmaliges Projekt, das eine solche Infrastrukturmaßnahme selbst in die Hand nimmt.“ Um die Verbundenheit der Region mit dem Projekt zu demonstrieren, rief sie schließlich alle anwesenden Mitglieder des Aufsichtsrats, der Regionalräte und verschiedene Mitarbeiter auf, sich zu erheben. Und tatsächlich, gut ein Drittel der Anwesenden wurde mit viel Beifall bedacht.

Das lobte auch Ralph Müller-Beck, der mehrfach die Einzigartigkeit des Glasfaserprojektes unterstrich. Auf seinem Weg nach Löwenstedt habe er bewusst registriert, dass Nordfriesland modern voranschreite. Dies belegten nicht nur die Windräder, sondern eben auch die Fertigstellung des Glasfasernetzes in der Gemeinde. Er unterstrich, dass die Bürger-Breitband-Netzgesellschaft jederzeit mit der Unterstützung des Landes rechnen könne. Man fördere den schnellen Netzausbau. So habe man beispielsweise das Personal in der Breitbandkompetenzstelle verdoppelt. Die nordfriesische Infrastrukturmaßnahme, die Bürger in Eigenregie verwirklichen, verdiene Anerkennung und sei bundesweit einmalig. Da mittlerweile überall im Lande, wo Erdarbeiten vorgenommen werden, bei Bedarf auch gleich Leerrohre für das Glasfasernetz verlegt werden, könne man sagen: „Buddeln verbindet.“ Denn der Tiefbau sei der größte Kostenfaktor beim Aufbau eines landesweiten schnellen Datennetzes.

Nordfriesland werde sich in irgendeiner Form am Netzausbau beteiligen, sagte Landrat Dieter Harrsen. Mit dem Glasfasernetz gehe man voran, allerdings bei der Verkehrsanbindung hänge man noch hinterher. Vor 30 bis 40 Jahren wurde der Autobahnbau in Heide gestoppt. An Ute Gabriel-Boucsein gewandt unterstrich er, dass die Gesellschaft bewiesen habe, dass sie es könne. Anders als bei der Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen habe man den Kostenplan nicht gesprengt, ihn sogar noch unterboten.

Thomas Hansen als Vorsteher des Amtes Viöl schilderte die Schwierigkeiten, alle im ländlichen Raum davon zu überzeugen, dass ein schnelles Internet notwendig sei. Auch als Privatmann freue er sich darauf, wenn er endlich schneller im Netz unterwegs sein könne. Schließlich dankte Löwenstedts Bürgermeister Holger Jensen seinem Amtsvorgänger Peter Thoröe dafür, dass dieser sich gemeinsam mit dem Gemeinderat so stark für das Netz eingesetzt hätten. So sei Löwenstedt schließlich Pilotgemeinde geworden. Und wie wichtig ein schnelles Internet für die Bürger sei, beweise die Anschlussquote von mehr als 90 Prozent. „Nun stehen wir gut da, mit einer modernen Infrastruktur. Nur die Landstraße 281 befindet sich, seit sie als Umleitungsstrecke genutzt wurde, in einem katastrophalen Zustand, wie alle Gäste bemerkt haben dürften“, sagte Jensen und blickte dabei Harrsen und Müller-Beck an.

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