Husumer Designer Rolf Krüger : Glas war und ist sein Leben

Design-Klassiker von Rolf Krüger.
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Design-Klassiker von Rolf Krüger.

Der gebürtige Husumer Designer Rolf Krüger hat mehreren namhaften deutschen Museen Produktreihen aus seiner Ideenschmiede überlassen.

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16. Januar 2018, 09:00 Uhr

Im Hinblick auf seine spätere Profession wurde Rolf Krüger am falschen Ort geboren: „Hier gibt es weit und breit keine Glashütte“, sagt der gebürtige Husumer in fast bedauerndem Tonfall. Dabei hat Glas beinahe sein ganzes Berufsleben bestimmt. Jahrzehnte lang verdiente der heute 78-Jährige sein Geld als Designer – unter anderem für einen der bekanntesten Glasproduzenten der Republik, die Schott-Zwiesel Glashütte AG. „Glas war mein Werkstoff“, erinnert sich Krüger, der schon lange im nordrhein-westfälischen Arnsberg lebt, aber immer noch einen Zweitwohnsitz in Rödemis unterhält. Unzählige Lampen, Leuchten, Schalen, Kannen, Vasen und Trinkgefäße hat er für Zwiesel und andere Arbeitgeber entworfen. Das meiste ging in Serie. „Einiges aber auch nicht. Auch das ist Teil des Designer-Lebens.“

Vor zwei Jahren, als Krüger und seine Frau mal wieder Nordseeluft schnuppern wollten, machten sie von Husum aus einen Abstecher nach Schleswig. Schloss Gottorf lockte mit einer Sonderausstellung zum Thema „form.frei Keramik Europas“. Rolf Krüger, der die Möglichkeiten dieses Werkstoffes beinahe fünf Jahrzehnte lang in allen Einzelheiten ausgelotet hat, interessierte natürlich vor allem eines: Was gibt es auf Schloss Gottorf an Glas zu sehen? Umso größer war die Enttäuschung. Die Auswahl an mundgeblasenem Industriedesign war doch recht übersichtlich. Aber das konnte man ja ändern. Kurzentschlossen nahm Krüger Kontakt zu Dr. Ulrich Schneider auf, der in Schleswig für Kunsthandwerk, den Barockgarten und das Globushaus verantwortlich zeichnet, und bot ihm einen Teil seiner Sammlung an – ausnahmslos Stücke, die mit Preisen bedacht worden waren. Die würde er dem Museum überlassen, soweit sie nicht in irgendwelchen Magazinen verschwänden, sondern gezeigt würden, erklärte Krüger, der sich in seiner Geburtsstadt unter anderem durch seine SitzArt am Dockkoog einen Namen gemacht hat.

Schneider ließ sich nicht zweimal bitten. Und so sind die Produktreihen „Geometria“, „Charleston“ und „Una“, die er Anfang der 1990er Jahre für Schott-Zwiesel entwarf, längst Bestandteil der Dauerausstellung im Kreuzstall des Landesmuseums geworden.

Das war aber erst der Anfang, denn der Husumer hatte noch mehr Glas zu „verteilen“, und auch dafür sollten sich dankbare Abnehmer finden. Einige dieser Objekte gingen 2017 in die Glassammlung Hentrich des Museums Kunstpalast in Düsseldorf über. Und in diesem Jahr will die Münchner Pinakothek ihre „Neue Sammlung – The Modern Design“ mit einer Auswahl aus Krügers Ideenschmiede bestücken.

Einziger Wermutstropfen: Während mundgeblasenes Glas für die Museen offenbar immer interessanter wird, sieht es für für viele Bläsereien nicht gerade rosig aus. Der Konkurrenz aus Fernost, insbesondere aus China, haben manche Betriebe kaum noch etwas entgegenzusetzen. So ist das mit dem Markt, aber auch Maschinenglas hat für Krüger „seine Berechtigung“. Der Verlust des alten Handwerks schmerzt ihn dennoch, aber so stehen die Dinge nun einmal. „Und einige Betriebe – Zwiesel dürfte dazugehören – werden sicher auch bestehen bleiben“, ist Krüger überzeugt, genauso wie es einige seiner Ideen mit ihrer Präsenz in Schleswig, München und Düsseldorf über ihre Zeit hinaus geschafft haben.

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