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30. Husumer Filmtage : Gitarren-Held trifft Vorstadtrocker

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Schauspieler Rainer Bock, Flüchtlinge, das Leben im Alter und ein Blues-Festival auf dem Lande sind die Themen der 30. Husumer Filmtage, die am 1. Oktober im Kino-Center auf der Neustadt 114 beginnen.

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erstellt am 20.Sep.2015 | 15:30 Uhr

Manchmal können sie es selbst nicht glauben. Aber es ist nun mal nicht wegzudiskutieren: Auch die Husumer Filmtage kommen in die Jahre. „Kaum zu fassen, dass wir das nun schon drei Jahrzehnte machen  .  .  .“, sagt Hans-Peter Schweger nachdenklich. Der Direktor der Volkshochschule ist von Anfang an mit dabei und hat für die Pressekonferenz zum Jubiläumsfestival einen Mann eingeladen, der – wie seinerzeit das Filmtage-Team – an einem ganz großen Rad dreht: Gerd Lorenzen, Mitbegründer und „Hausherr“ des Guitar-Heroes-Festivals in Joldelund. Weil er „keinen Bock“ hatte, immer „auf Weltreise gehen zu müssen“, wenn er seine Blues-Größen hören wollte, holte Lorenzen sie einfach zu sich nach Hause. Was nach alter US-Südstaaten-Sitte mit einem sogenannten Juke Joint auf dem Heuboden seiner Scheune begann, hat sich längst zu einem dreitägigen Festival mit Bluesmusikern aus aller Welt ausgewachsen. Und filmwürdig ist es auch. Aber dazu später.


Wie wollen wir im Alter leben?


Wie sonst auch hätten die 30. Husumer Filmtage vom 1. bis zum 7. Oktober wieder zwei Schwerpunktmotive, erläutert Schweger im Kino-Center auf der Neustadt. Zum einen geht es um die Frage „Wie wollen wir im Alter leben?“, mit der sich gerade in jüngster Zeit zahlreiche Autoren, aber eben auch Filmemacher beschäftigt haben. Das Festival-Team hat dazu sieben Filme ausgewählt, die das Thema aus ganz unterschiedlicher Blickwinkeln beleuchten. Das reicht von „Nebraska“, in dem Bruce Dern grandios einen alten Alkoholiker verkörpert, der glaubt, im Lotto gewonnen zu haben und von Montana nach Nebrasko aufbricht, um ihn abzuholen; über den „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Jonas Jonasson bis hin zu dem Star-besetzten Film „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ von Stéphane Robelin – mit Guy Bedos, Geraldine Chaplin, Jane Fonda und Pierre Richard in den Hauptrollen. Eine aktuelle Thematik, die ja auch in Nordfriesland schon seit Jahren diskutiert und mit einem Masterplan des Kreises fortgeschrieben wird. Für Dienstag, 6. Oktober, erwarten Veranstalter und Publikum zudem noch einen Mann, der selbst in einer Alters-Wohngemeinschaft lebt und darüber mehrere Bücher geschrieben hat: den Ex-Oberbürgermeister der Stadt Bremen, Henning Scherf. Er wird im Anschluss an „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ im Kino-Center einen Vortrag halten.


Ein Mann mit vielen Gesichtern: Der Schauspieler Rainer Bock


Der zweite Schwerpunkt dieser 30. Filmtage gebührt einem Schauspieler, dessen Namen weit weniger Menschen kennen als sein Gesicht: Rainer Bock. 1954 in Kiel geboren, lebt dieser außerordentlich vielseitige Darsteller – wie sein Kollege Axel Milberg, der ebenfalls aus der Landeshauptstadt stammt, in München. In 18 Jahren wirkte Bock in 47 Filmen mit, unter anderem in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds und Michael Hanekes preisgekröntem Epos „Das weiße Band“ (beide von 2009). Zur Eröffnung wird Bock allerdings nicht kommen können. „Das verhindert ein Drehtermin“, sagt Schweger, aber wenn am Sonntag, 4. Oktober „Das weiße Band“ über die Leinwand, flimmert, ist er als Ehrengast gesetzt. Und natürlich sind weitere Filme im Programm, in denen Bock mitgewirkt hat, so zum Beispiel der Eröffnungsfilm „Dessau Dancers“, zu dem neben Schauspieler Sebastian Jäger auch der Ex-Breakdancer und Zeitzeuge Marc Salewski angekündigt haben.

Selbst wenn es – besonders nach 30 Jahren – nicht immer ganz leicht falle, den guten Vorsatz in die Tat umzusetzen, „sehen wir es als regionales Filmfest als unsere Aufgabe, Filmkünstler aus Schleswig-Holstein ein Forum zu bieten“, betonen Schweger und Hartung. Rainer Bock ist sicher ein besonders gut geeigneter Vertreter dieser Botschaft.

Daran knüpft aber auch die Reihe „Schleswig-Holstein im Film“ an. Hier reicht die Palette von einer neuen Produktion Husumer Jugendlicher, die das Schicksal einer jungen Syrierin nach ihrer Flucht beschreibt (mit anschließender Diskussion zur Flüchtlingsproblematik in Nordfriesland), bis hin zur Literaturverfilmung „Der Bau“ nach einer unvollendeten Erzählung von Franz Kafka. Bei ihr stellt der gebürtige Eutiner Schauspieler Axel Prahl die zugegebenermaßen etwas gedehnte Verbindung zum nördlichsten Bundesland her.


Joldelund: Mekka der „Guitar Heroes“


Im Falle des Wacken-Festivals, das während der Filmtage in 3  D gezeigt wird, und der bereits erwähnten „Guitar Heroes“ fällt das natürlich deutlich leichter. Über das Joldelunder Event – Macher, Musiker und Publikum – hat Jan Ö. Meier mit einfachen Mitteln einen atmosphärisch dichten Film über dieses einzigartige Festival gedreht. Und als Schmankerl wartet auf alle Lorenzen- und Blues-Fans während der Filmtage noch eine Art „Guitar Heroes reloaded“. Außerdem gibt es Kino-Center Live-Musik mit der Flensburger Band „No Tricks“.

Zur beliebten „Kurzfilmrolle“ wird diesmal – „wie versprochen“ (Schweger), aber anders als Vorjahr – auch der nicht minder beliebte Moderator Claus Oppermann anreisen. Und in der Reihe „Neuer Deutscher Film“ werden wieder zahlreiche preisgekrönte Filme gezeigt, die im herkömmlichen Kino-Programm bislang nicht zu sehen waren.

Roberto Rosselinis Film „Deutschland im Jahre Null“, der im zerstörten Berlin der Nachkriegszeit spielt, wurde als Beitrag zu 70 Jahren Kriegsende ins Programm genommen. Und als „Nachfilm“ gibt es am Sonntag, 11. Oktober, „Vorstadtrocker“ von Martina Plura. „Dieser Film ist derzeit noch in Arbeit und hat am 10. Oktober in Hamburg Premiere“, sagt Schweger.

>Bis auf diesen sind sämtliche Filme unter Telefon 04841/2569 auch für Gruppen und Schulklassen buchbar.

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