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Nordfriesland : Gipfeltreffen soll Bahn-Chaos beenden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Es muss dringend etwas passieren – und zwar schnellstens“: Nordfrieslands Kreistag holt unter anderem Pendler-Initiativen, Verkehrsunternehmen und Wirtschaftsvertreter an einen Tisch.

Angesichts der „für Nordfriesland unerträglichen Zustände im Bahnverkehr zwischen Husum und Westerland“ soll jetzt so schnell wie möglich ein sogenannter Bahngipfel organisiert werden. Diesen Arbeitsauftrag nahmen am Freitag (10. Februar) Kreispräsident Heinz Maurus und Landrat Dieter Harrsen vom Kreistag entgegen. Auf der Einladungsliste möchten die sieben Fraktionen alle Pendler-Initiativen, die verschiedenen Bahn-Unternehmen sowie Vertreter der Wirtschaft und Kommunen in Nordfriesland sehen. Dazu noch Jochen-Michael Kleiber als Vorsitzenden des Kreisseniorenbeirates und den Beauftragten für Menschen mit Behinderungen, Manfred Steffens. Dritter und letzter Bestandteil der Kreistags-Entscheidung: Der Wirtschaftsausschuss wird bevollmächtigt, eine Resolution zu erarbeiten und zu beschließen.

„Die Grenze des Zumutbaren ist nicht erreicht – sie ist eindeutig überschritten“, begründete der Sylter CDU-Abgeordnete Frank Zahel den Beschluss. Über Monate hinweg hätten die betroffenen Pendler und Reisenden ein erstaunlich hohes Maß an Geduld gezeigt. Einheimische, Gäste und arbeitende Bevölkerung zwischen Husum und Sylt sowie den weiteren Inseln und Halligen seien nun seit Monaten gezwungen, Zugausfälle und Verspätungen in Kauf zu nehmen. „Häufig werden Reisewillige auch wegen Überfüllung des eingesetzten Wagen-Materials auf den Bahnhöfen zurückgelassen“, so Zahel. Die Verantwortlichen hätten auf die offenen Briefe von betroffenen Pendlern, der Sylter Wirtschaft und der gesamten Politik im Kreisgebiet nur ungenügend reagiert. „Die Antwort der Nah.SH kann nur als Verschleppungstaktik gedeutet werden.“

In der interfraktionellen Begründung ist außerdem von einem absehbaren Imageschaden für die Westküste die Rede – mit Auswirkungen, die weit über die Kreisgrenzen hinausgingen. Die DB Regio AG als Hauptanbieter der Strecke, aber auch die Landesregierung mit ihrer Gesellschaft Nah.SH trügen nicht ausreichend Sorge für die Bahnreisenden und schädigten nachweisbar die Wirtschaft in Nordfriesland. Zahel: Sich nach eigenen Aussagen nur „zu bemühen“, reiche nicht aus. „Die technischen Fehler an den Kupplungen der 90 Married-Pair-Wagen wurden seit November nicht behoben – der Wagen-Bestand ist noch immer von schweren Mängeln geprägt.“

Die Reparatur dieser Personenwaggons hätte eigentlich bis Ende März erledigt sein sollen, wird nun allerdings zu einem Problem, das noch „über den Sommer“ dauert. Diese Hiobsbotschaft hatte Reinhard Meyer am Donnerstag auf Sylt überbracht. Dabei ließ sich Schleswig-Holsteins Verkehrsminister (SPD) nach einem Treffen mit Unternehmern der Insel und der Pendler-Initiative auch zu den Worten hinreißen, dass der zurzeit eingesetzte Ersatz-Fuhrpark der Deutschen Bahn „leider kein Orient-Express ist“. Der Minister solle „vielleicht mal in den Orient fahren und Platz machen für jemanden, der Ahnung hat“, sagte Zahel im Husumer Kreishaus dazu.

Alle waren sich einig, dass ganz schnell etwas passieren muss. „Und zwar bevor allerspätestens zu Ostern die großen Touristenströme einsetzen“, so Gary Funck: „Sonst steuern wir auf eine Katastrophe zu.“ Der SSW-Vertreter sprach von „unhaltbaren Zuständen“ zwischen Niebüll und Westerland: Die Fahrgäste seien in den Waggons eingepfercht wie Vieh. „Fünf Leute stehen im Klo, das auf dieser Strecke zu den Stoßzeiten längst nicht mehr der Notdurft dient.“ Gar keine Möglichkeiten mehr, mitgenommen zu werden, hätten Menschen mit Behinderungen. Deren Fürsprecher Manfred Steffens kritisierte denn auch den Umgang der Verkehrsunternehmen Nah.SH und DB Regio mit der Thematik: „Das ist völlig wirklichkeitsfremd“, sagte der Behindertenbeauftragte, der seine Hoffnungen ebenfalls in den „Bahngipfel“ setzt.

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erstellt am 11.Feb.2017 | 08:00 Uhr

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