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Plastiktüten : Gilt in Husum Plastik statt Jute?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Aldi schafft die Plastiktüte ab, doch auf dem Husumer Wochenmarkt ist die Kunststoff-Tüte noch allgegenwärtig.

Jetzt also Aldi. Sowohl die Süd- als auch die Nord-Variante des Lebensmittel-Discounters hat angekündigt, die Einweg-Plastiktüte abzuschaffen. 2018 soll Schluss sein. Mitbewerber Lidl und einige andere Handelsketten haben dies schon hinter sich. Die Einkaufstasche Nummer eins hat ausgedient. Der Umwelt zuliebe.

Dort, wo es sie noch gibt, ist der Verbraucher in der Verantwortung. „Der Wochenmarkt oder Unverpackt-Läden sind eine gute Alternative zum Supermarkt“, empfiehlt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) auf seinen Internetseiten. Doch ein Spaziergang durch die Husumer Innenstadt am Donnerstagvormittag offenbart: Ausgerechnet auf dem Wochenmarkt ist die Plastiktüte noch sehr präsent. Um nicht zu sagen: Sie dominiert das Bild, jedenfalls in puncto Tragetaschen. Karotten und Lauch werden genauso hineingepackt wie Fisch, Früchte und Gartenpflanzen.

Auch bei Händler Bernd Dethmers geht die Ware in Plastiktüten über den Marktstand. „Wir können darauf nicht komplett verzichten, solange die Kunden das nicht akzeptieren“, sagt der Unternehmer aus Fockbek, der unter dem Namen „Kräuterheini“ bekannt ist. Er ist sich sicher: „Am Ende wirkt sich das auf den Verkauf aus.“ Und zwar nicht zu seinen Gunsten. Die Kräuter machten auch mal Dreck, die könne man nicht einfach so in den Einkaufskorb legen. Und Papiertüten seien keinesfalls umweltfreundlicher.

Fachleute bestätigen dies. Zwar sind Papiertaschen oft kompostierbar und verrotten viel schneller, doch wegen der ökologisch betrachtet aufwendigen Herstellung kann man damit keinen Naturschützer überzeugen. „Nein, Papier ist keine echte Alternative“, sagt denn auch der BUND-Sprecher im Kreis Nordfriesland, Carl-Heinz Christiansen. „Wir haben schon vor 20 Jahren auf die Plastik-Problematik hingewiesen“, sagt er. Weil das jetzt immer häufiger thematisiert wird, finde in der Bevölkerung allmählich ein Umdenken statt, glaubt der Umweltschützer. Der alte Slogan „Jute statt Plastik“ habe mehr denn je seine Berechtigung, so Christiansen. Auf dem Husumer Wochenmarkt indes könnte man ihn auch umkehren, wenn man wollte.

Doch es geht natürlich auch anders. „Der Kunde braucht keine Plastiktüte“, sagt Heinrich Thees. Der Bio-Bauer aus Mildstedt hat sie an seinem Marktstand vor drei Jahren abgeschafft. Er versuche, die Leute dazu zu bewegen, eine Tasche oder einen Korb mitzubringen. „Bei 60 oder 70 Prozent der Kunden klappt das“, so Thees. Wer nichts eigenes dabei hat, bekommt bei ihm auch schon mal ein Holzkistchen mit. Thees’ Modell ist ganz im Sinne des BUND, der dies in seinen Einkaufstipps Plastikfasten nennt.

In der Husumer Geschäftswelt gab es übrigens im vergangenen Jahr einen Vorstoß, die Zahl der Plastiktüten zu verringern (wir berichteten). Im Frühjahr 2016 führte die Werbegemeinschaft wiederverwendbare Taschen mit Husum-Motiv ein. Weil er in seinem Unternehmen C.J. Schmidt nicht ganz auf Plastiktüten verzichten wollte, verpflichtete sich Vorsitzender Peter Cohrs damals, fortan jährlich 3000 Euro einem Umweltverband zu spenden.


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