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Husumer Nachrichten

12. Dezember 2017 | 02:23 Uhr

Giftpilz breitet sich an Nordseeküste aus

vom

Experten sind in Sorge / Hochgiftiger Parasit im Schlickgras entdeckt

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kiel/Hannover | Botaniker der Universität Hannover haben im Schlickgras an der Nordseeküste einen hochgiftigen Parasiten entdeckt. Die Experten sind in Sorge, dass Schafe, Hunde oder Kinder gefährdet seien. Bei dem Parasiten handelt es sich um Mutterkorn (Claviceps purpurea). Schlickgras wird zur Küstenbefestigung überall bis hoch an die Deiche gepflanzt, auch in Nähe beweideter Wiesen.

Im Landesbetrieb für Küstenschutz und Nationalpark ist das Problem bekannt. Die Ranger der Nationalparkverwaltung hätten deshalb das Schlickgras "im Blick, um auffällige Veränderungen wie etwa eine starke Vermehrung festzustellen", sagte die Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel, Nicola Kabel. Bisher seien solche Veränderungen nicht beobachtet worden. Auch lägen dem Ministerium bislang keine Berichte vor, nach denen es bei Schafen zu Problemen gekommen sei. Gleichwohl werde in Zusammenarbeit mit Fachleuten anderer Wattenmeeranrainer geprüft, "ob und welche Maßnahmen sich darüber hinaus ergreifen lassen."

"Dass Claviceps auch Schlickgras besiedelt, war uns neu", sagte Jutta Papenbrock vom Institut für Botanik an der Uni Hannover. Ursprünglich hatten Forscher Saatgut für ein Botanik-Forschungsprojekt sammeln wollen. In der Salzmarsch am Jadebusen aber stießen sie dabei auf violett-schwarz schillernde sporenartige Gebilde in Rispen des Schlickgrases. Mitarbeiter des Instituts kontrollierten danach die gesamte Wattenmeerküste von den Niederlanden bis Dänemark und fanden überall in Rispen die Sklerotien, die Überwinterungsorgane des Pilzes. Die Forscher zählten nicht nur deutlich mehr Sklerotien als sonst auf Roggen, sie ermittelten auf dem Schlickgras-Mutterkorn auch eine höhere Gift-Konzentration: "Mehrere der Sklerotien können ein Kleinkind töten", so Papenbrock. Da sich die Sklerotien erst im Herbst entwickeln, seien die Sommermonate relativ gefahrenfrei, so die Forscher. "Allerdings haben wir festgestellt, dass das Gift kaum abgebaut wird", berichtet Papenbrock. " In Deutschland sei dieser Fund der erste, aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich gebe es ähnliche Meldungen. Bemühungen, Schlickgras durch Mähen oder Verbrennen einzudämmen, seien weitgehend erfolglos geblieben.

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