WM-Spiel-Simulation : Ghana mit mehr Glück und Ausdauer

Als Schweini kollabiert, eilen die Sanitäter auf den Platz: Eric Gehrke, der die Farben Deutschlands vertritt, ist entsetzt – Teilzeit-Ghanaerin Heike Bayer gibt sich bereits siegesgewiss.
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Als Schweini kollabiert, eilen die Sanitäter auf den Platz: Eric Gehrke, der die Farben Deutschlands vertritt, ist entsetzt – Teilzeit-Ghanaerin Heike Bayer gibt sich bereits siegesgewiss.

Die Husumer Nachrichten nehmen die Spiele der deutschen Elf vorweg: Gegen Ghana zollen Schweinsteiger, Hummels und Höwedes der Hitze Tribut - und verlieren beim Tipp-Kick mit 2:3.

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21. Juni 2014, 13:00 Uhr

Zwei aberkannte Treffer, lange Bälle und ein Hitzekollaps – das Spiel Deutschland gegen Ghana bot alles, nur keinen schönen Fußball. Auf dem grünen Tipp-Kick-Plastik spielten Heike Bayer, Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte, und Redakteur Eric Gehrke das Match von heute Abend (Sonnabend, 21. Juni) vor. Die flinkeren Finger bewies dabei die 35-Jährige. Mit 3:2 setzten sich Bayers Afrikaner etwas überraschend durch. Die Deutschen zollten den hohen Temperaturen der brasilianischen Spielstätte, die in unserer Redaktion nachempfunden wurden, früh Tribut.

Der größte Aufreger eines von beiden Seiten ideenlos geführten Spiels ereignete sich Sekunden vor dem Schlusspfiff: Gehrkes Verteidiger mit der Rückennummer 4, also Benedikt Höwedes, hatte den langen Weg in die Spitze mitgemacht. Einen Abpraller schob er gedankenschnell zum 3:3 über die Linie. Aber der Schiedsrichter, der schon in Hälfte eins einen deutschen Treffer abgepfiffen hatte, gab das Tor nicht.
Alle Proteste nützten nichts: Es blieb bei Deutschlands erster Turnier-Niederlage. Auch wenn Gehrke die Schuld beim Unparteiischen suchte – „Der Schiri ist doch gekauft“ –, wird er sich nun die Vorwürfe seiner Kritiker gefallen lassen müssen.

Der 39-Jährige war mit ungewohnt defensiver Taktik ins Spiel gegangen. Im Tor setzte er auf Manuel Neuer, außerdem in der Startelf: Mats Hummels (5) und Bastian Schweinsteiger (7). Auf der Bank saß Höwedes. Ganz ohne Auswechselspieler trat dagegen Bayer an. Eine mutige Entscheidung der 35-Jährigen, die für den Fitnesszustand der Afrikaner spricht. Für Ghana zwischen den Pfosten stand Adam Larsen Kwarasey. Mit der Nummer 11 schickte Bayer Sulley Muntari aufs Feld, mit der 7 Samuel Inkoom, der seine Haare extra für die WM peppig rot gefärbt hatte.

Weniger peppig: der Beginn des viermaligen Afrikameisters. Ein gezielter Schuss von Tipp-Kick-Schweini brachte Deutschland nach 21 Sekunden in Führung. Wer jetzt dachte, die Moral Ghanas sei gebrochen – weit gefehlt. Der Torjubel war noch nicht verstummt, da netzte Bayers Muntari vom Anstoßpunkt zum Ausgleich ein. Es war ein hektischer Start, mit Abwehrreihen so löchrig wie Schweizer Käse. Neuer reagierte einige Male glänzend und auch Bayers Schlussmann ließ sein ganzes Können aufblitzen. Nach zwei Minuten zog Hummels dann frei vorm Keeper stehend ab. Tor! Doch der Schiri entschied auf Wiederholung. Offenbar war Bayer durch unsachliche Zurufe aus dem Publikum abgelenkt worden. Eine Schiedsrichter-Begründung, die in dieser Form wohl ein Novum in der Fußballgeschichte darstellt.

Die Begegnung wurde danach immer mehr zur Hitzeschlacht. Nichts zu sehen vom berüchtigten Kurzpassspiel der Deutschen. Mit hohen, langen Bällen versuchten sich Gehrkes Mannen dem Tor zu nähern, meist agierten sie aber zu unpräzise. In der dritten Minute machte es Ghana besser. Von der eigenen Strafraumgrenze hielt Bayer mit ihrem Spieler einfach mal drauf – unhaltbar senkte sich der Ball ins Netz. Ein Treffer der Kategorie Traumtor.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Gehrkes Team kam noch einmal zurück. Abermals per Fernschuss. Der Ausgleich brachte jedoch keine zweite Luft. Dann stand Hummels wieder zu weit weg vom Gegenspieler. Bayers 7er nutzte den Freiraum und brachte Ghana erneut in Führung. Die Partie verlor immer mehr an Dynamik. Auch die Black Stars wirkten jetzt matt. Symptomatisch ein unerklärlicher Rückpass kurz vor Ende der ersten Hälfte, als Ghana eine eigene Ecke über den ganzen Platz zum Torwart zurückspielte.

Nach der Halbzeit brachte Gehrke Höwedes. „Ich setze jetzt alles auf eine Karte“, kündigte er an. Davon war allerdings nicht viel zu sehen. Ihm fiel kein Rezept ein gegen nun gut stehende Ghanaer und den glänzend aufgelegten Keeper. Eine Schrecksekunde gab es in Minute acht, als Schweini ohne Fremdeinwirkung liegen blieb. Er hatte einen Hitzekollaps, so die Diagnose der herangeeilten Tipp-Kick-Sanitäter. Nach kurzer Behandlung ging es für ihn weiter. Mit letzter Kraft warf Gehrke noch einmal alles nach vorn. Der Ausgleich wäre verdient gewesen. Umso ärgerlicher, dass der Referee den Treffer kurz vor Ende der Nachspielzeit aberkannte. Er hatte eine Behinderung des Keepers gesehen. „Im Fünfmeterraum ist der Torwart tabu“, betonte er nach Abpfiff.

Deutschland ist nun vor dem Spiel gegen die USA mächtig unter Druck. Heike Bayer aber jubelt und feiert ihre taktische Meisterleistung: „Ich habe oft daneben geschossen, aber meine Abwehr war großartig“, sagte sie. „Jetzt soll Ghana die Vorrunde überstehen.“


Was das Orakel der Husumer Nachrichten zum Ausgang der Begegnung der deutschen National-Elf gegen die USA sagt, ist an dieser Stelle am entsprechenden Spieltag nachzulesen – und zwar am Donnerstag, 26. Juni.

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