zur Navigation springen

Podiumsdiskussion : Gezielte Fragen, gezielte Antworten

vom

Gleichstellungsbeauftragte lud Stadtpolitiker zur Podiumsdiskussion ins Rathaus ein - und fühlte bei sechs Themen auf den Zahn.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 08:04 Uhr

Husum | "Frauen sind wählerisch" hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Britta Rudolph, die von ihr geleitete Podiumsdiskussion im Ratssaal betitelt. "Denn Untersuchungen haben festgestellt, dass Frauen und Männer unterschiedlich wählen und auch unterschiedliche Themen-Interessen haben", erläuterte sie zur Begrüßung. Zwar seien Schule und Bildung bei beiden Geschlechtern das Thema Nummer eins, aber danach gingen die Interessen auseinander: "Der Bereich Familie, Jugend und Kinder zum Beispiel steht bei den Frauen an vierter Stelle, bei Männer aber nur an neunter."

Das Podium war mit drei Männern und drei Frauen besetzt. Christian Czock (CDU), Alexander Seikowsky (FDP) und Rüdiger Hartwigsen (WGH) waren dabei, weil die Frauen in den Fraktionen keine Zeit gehabt oder wenig Neigung zur Teilnahme gezeigt hätten, so die Begründungen. Dafür hielten Antje Damschen (SPD), Elke Kirchner (SSW) und Ursula Vogt (Grüne) die weibliche Flagge hoch.

Alle mussten die Frage beantworten, warum Frauen denn nun für sie stimmen sollten. "Weil Frauen bei uns gut aufgehoben sind - aus Reihen der CDU kamen eine Bürgermeisterin und über zwei Legislaturperioden die Bürgervor steherin", argumentierte Czock. "Weil der SSW offen für Themen aller Art ist", sagte Kirchner. "Weil wir so sind, wie wir sind - und die WGH das tun will, was für Husum richtig ist", so Hartwigsens Antwort. "Weil wir die Freiheit hochhalten und Frauen wie Männer so respektieren, wie sie sind", erklärte Seikowsky. Vogt wiederum führte die Frauenquote der Grünen ins Feld: "Damit gewährleisten wir für Frauen die Teilhabe an der Politik." Und Damschen meinte: "Die SPD stellt sich Frauenthemen, dafür sollten Frauen sie wählen."

Dann ging es ins Eingemachte. Um den Bewerbern auf den Zahn zu fühlen, hatte Britta Rudolph einen Fragebogen vorbereitet, auf dem sie sich bei sechs für Husum wichtigen Themen erklären mussten. War die Meinung zum Wohnprojekt Trommelberg noch einhellig - bis auf Seikowsky, der das Areal lieber an einen professionellen Investor verkauft hätte, standen alle hinter dem alternativen Projekt -, so zeigten sich schon beim Thema Neue Freiheit gravierende Unterschiede: Als Fläche für günstigen Wohnraum sei das Gebiet gar nicht geeignet, befand Damschen für die SPD, und Czock konnte sich für die CDU auch nur zu einem "bedingt geeignet" durchringen. Die anderen bewerteten eine Bebauuung dort als richtig und sinnvoll. Warum sie denn etwas dagegen habe, wollte eine Zuhörerin von Antje Damschen wissen. "Weil die Fläche dringend als Parkplatz für Krankenhaus und Kreishaus benötigt wird", antwortete die.

Und wie seien freiwillige Leistungen - etwa an Beratungsstellen wie die Stelle Frau und Beruf - in Zeiten knapper Kassen zu behandeln? Die müssten hinterfragt und diskutiert werden, meinten Czock und Seikowsky. Hartwigsen sprach sich für "verantwortungsvolle Abwägung" aus, und der Rest wollte nicht daran rühren. "Die Beratungsstelle Frau und Beruf leistet ausgezeichnete Arbeit, aber wenn wir irgendwo Geld ausgeben, müssen wir es woanders einsparen", verteidigte Czock seinen Punkt. Das passte zum nächsten Thema, der Haushaltskonsolidierung, wobei die Mehrheit auf Ausgabendisziplin und Ausgewogenheit setzte. Nur Vogt zog die grüne Parteitagslinie in die Stadtpolitik hinein und forderte: "Wir müssen endlich die Steuern erhöhen!"

Beim Busverkehr und den Radfahrern war man schon wieder näher beieinander, wenn auch Seikowsky ein ganzheitliches Verkehrskonzept forderte statt nur eines für Radfahrer. Und dass die Dockkoog-Bebauung mit Augenmaß und Rücksicht auf die Natur, aber dennoch lohnend für den Investor erfolgen müsse, darüber herrschte im Prinzip auch Einigkeit. So war für die leider nur recht spärlich erschienenen Gäste klar: Die Unterschiede in der Husumer Politik stecken weniger im Detail als in den Grundüberzeugungen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen