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2013 – das Jahr der Bagger : Gewoba sichert sich Bauland in Rödemis

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Abrissbagger, Dauerbrenner und Visionen: Das Jahr 2013 war in Husum unter anderem durch eine geballte Ladung von Bautätigkeiten geprägt. Das Gelände der ehemaligen Iven-Agßen-Schule in Rödemis hat sich die Gewoba gesichert.

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erstellt am 01.Jan.2014 | 11:00 Uhr

Wenn Chronisten eines Tages in den Husumer Annalen blättern, stehen die Chancen für 2013 nicht schlecht, als Jahr des städtebaulichen Aufbruchs in die Geschichte einzugehen. Es wurde nämlich saniert, abgerissen und das Reißbrett bemüht, was das sprichwörtliche Zeug hält.

Allein an Tiefbauarbeiten kam schon eine Menge zusammen, wie folgende profane Aufzählung ohne Anspruch auf Vollständigkeit verdeutlicht: Endausbau des ersten Bauabschnitts im Erschließungsgebiet Bredstedter Straße, Erweiterung des Gewerbegebietes und der Osterhusumer Straße sowie Deckenerneuerung in der Flensburger Chaussee. Dazu wurde ein Teilstück des Schauendahler Weges ausgebaut und der Schockedahler Weg (und damit das Wohngebiet Norderschlag) mit dem Sandkamp (also Dreimühlen) per Fußweg verbunden. Auch die Privaterschließung von Baugebieten – als da wären das ehemalige Schnoor-Grundstück im Marienhofweg und die Verlängerung der Heiligenstädter Straße – stand im Bauamt auf der Agenda.

Bleiben die großen Brocken – mit dem übers Jahr gesehenen Potenzial zum Dauerbrenner. Wie die Sanierung des Alten Rathauses, in das die zu diesem Zweck in die Norderstraße ausgelagerte Tourist-Information am 22. Oktober zurückkehren konnte. Das im Vorfeld und während der zweijährigen Umsetzungsphase viel diskutierte Projekt – ein Beitrag zur Erhaltung des Stadtbildes – verteuerte sich zwischendurch wegen unvorhergesehener Schäden an der Bausubstanz und schlug am Ende mit 1,15 Millionen Euro zu Buche.

Fertiggestellt werden konnte auch die 4,2 Millionen Euro teure Verbindung von der alten Bundesstraße 5 zum Gewerbegebiet Rödemishallig. Die Freigabe der 1040 Meter langen Straße, für die angesichts des moorig-torfigen Untergrundes technisch alle Register gezogen wurden, geriet zum feierlichen Akt: Am 20. November durchschnitten die Bürgermeister Uwe Schmitz (Husum) und Karl-Jochen Maas (Gemeinde Südermarsch) mit Landrat Dieter Harrsen und dem Bürgervorsteher der Storm-Stadt, Peter Empen, das rot-weiße Band.

Eine Menge Symbolik war auch in der Schobüller Straße im Spiel, wo am 31. Oktober mit großem Tamtam die ersten Mauern der sogenannten Siedlung Hockensbüll fielen – der Startschuss zur Behebung eines städtebaulichen Missstandes in Form von massiven Leerständen und maroder Bausubstanz. Zuvor hatte die Stadt zwei Drittel des Areals von der Gewoba Nord gekauft, um dort Einfamilien- und Doppelhäuser zu errichten. Die restliche Fläche nutzt die Genossenschaft für Geschosswohnungsbau. Weil die Gewoba damit immerhin auf 37 000 Quadratmeter Bauland verzichtet, erhält sie das Erstzugriffsrecht auf andere Flächen, die von der Stadt ebenfalls für Geschosswohnungsbau ausgewiesen wird. Den Baubeginn visieren die Beteiligten für April 2015 an.

Ein noch größeres Zeitfenster tut sich in der Innenstadt auf, wo die Anfang September vorgestellten Planungen für das ehemalige Hertie-Gebäude weit über die Immobilie hinausgehen. Schon 2017 könnte das alte Kaufhaus das modernisierte Herzstück eines ganz neuen Einkaufs-Erlebnisses sein. Der als Investor in Erscheinung getretenen Iandus-Unternehmensgruppe aus Düsseldorf schwebt ein Sanierungskonzept für das sogenannte Schlossquartier vor, das die Innenstadt komplett verändern würde. Da ist von einer überdachten Weg- und Ladenzeile ebenso die Rede wie von einem kleinen Platz zum Verweilen und ausreichend Parkraum auf den oberen Etagen von noch zu errichtenden Gebäuden. Eine neue Aufgliederung zöge auch eine veränderte Verkehrsführung nach sich, so die Architekten und Städteplaner, die auf den großen Rundumschlag fixiert sind: „Wir werden für das Spielen mit Ideen bezahlt – und dafür, zu denken, was man kaum zu denken wagt.“

Was mögen die Rödemisser gedacht haben, als Ende November die Abrissbagger in der Friedrichstraße anrollten, um die alte Iven-Agßen-Schule dem Erdboden gleichzumachen? Für die stolzen Bewohner des Stadtteils im Süden Husums ein Stich ins Herz, prägte die Grundschule an dieser Stelle doch rund 400 Jahre das Ortsbild. Nun musste es plötzlich schnell gehen, damit das Grundstück noch 2013 verkauft werden konnte – an die mit dem erwähnten Erstzugriffsrecht ausgestattete Gewoba. Angesichts einer im neuen Jahr steigenden Grunderwerbssteuer ein verständlicher Deal, der keinen Platz für sentimentale Gefühle lässt.

Stillstand herrscht dagegen vorerst noch zwischen Ostenfelder Straße, Mauweg und Mildstedter Landstraße – einem Gebiet, das städtebaulich ebenfalls neu geordnet werden soll. Ein Investor aus Herford, der an dieser Stelle rund 60 Wohneinheiten schaffen will, sitzt in den Startlöchern. Momentan blockieren die Politiker, die sich mehrheitlich für den Erhalt des begrünten Walls aussprechen, allerdings das Projekt. Signale aus dem Rathaus, dass die Diskussion nicht abgeschlossen sei, dafür wohl noch das nächste Quartal benötigt werde, schließen eine Einigung nicht gänzlich aus. Der Investor braucht Planungssicherheit für 2014, will nicht weitere Monate verstreichen lassen und das Angebot des Bürgermeisters zur „offenen und konstruktiven Zusammenarbeit“ annehmen – und schlägt Uwe Schmitz ein Gespräch gleich für die zweite Woche des neuen Jahres vor.

 

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